Die ersten Fahrräder mit elektrischem Hilfsantrieb, die Pedelecs, wurden noch belächelt und schnell in die Seniorennische geschoben. Doch inzwischen werden die E-Räder ernst genommen, auch von Umweltpolitikern, und zu einer Alternative für das Auto befördert. Jetzt hat auch das Umweltbundesamt (UBA) die Qualitäten der Räder mit elektrischem Rückenwind erkannt. In einer Studie schreiben die UBA-Experten, dass Pedelecs ein Automobil teilweise ersetzen könnten und dass sie als vollwertige Fahrzeuge "zum Umweltverbund gehören".

Besonders auf Strecken zwischen fünf und zwanzig Kilometern, aber auch beim Transport von Einkäufen oder anderen Lasten sowie als Kindertransporter spielen die E-Bikes nach den Vorstellungen des UBA ihre Vorteile aus. Dank der elektrischen Unterstützung ermöglichen es die Elektrofahrräder auch weniger trainierten Zeitgenossen, längere Wege zurückzulegen, sodass zum Beispiel die tägliche Fahrt zur Arbeit mit dem Zweirad bewältigt werden kann.

Bis zu einer Entfernung von fünf Kilometern, so die Autoren der Studie, ist das Fahrrad (konventionell oder mit elektrischer Unterstützung) zudem das schnellste Verkehrsmittel. Das Pedelec hält diesen Vorsprung sogar noch bis zehn Kilometer – und laut UBA liegen drei Viertel aller zurückgelegten Wege im Bereich von bis zu zehn Kilometern. Darüber hinaus bis 20 Kilometer siegt das Auto, aber mit minimalem Vorsprung. Selbst bis 20 Kilometer sei "der Zeitunterschied zum Pkw marginal".

Angesichts der steigenden Kosten für immer weniger Parkraum kann sich das Pedelec für Berufspendler zu einer lohnenden Alternative entwickeln. Zwar liegen Untersuchungen über die Verlagerung von Individualverkehr hin zu Pedelecs noch nicht vor, doch zeigen Erfahrungen aus Österreich, den Niederlanden und Dänemark, dass Berufspendler durchaus bereit sind, das Auto gegen ein E-Bike einzutauschen. In Kopenhagen zum Beispiel liegt der Anteil des Rades im Stadtverkehr dank einer maßgeschneiderten Infrastruktur bei 44 Prozent. In Berlin arbeitet der Senat in einem Modellprojekt an einem Pedelec-Korridor für den beruflichen Pendelverkehr aus dem südlichen Umland. Dazu gehören auch sichere Abstellmöglichkeiten an den jeweiligen Zielpunkten.

"Relativ geringe negative Umwelteffekte"

Inzwischen erfasst die elektrische Unterstützung auch Lastenräder. Die Motoren machen die schweren Räder zu leichtgängigen Transportern. Die Deutsche Post zum Beispiel setzt inzwischen 6.000 E-Räder ein, um die bis zu 50 Kilo wiegenden Brieftransporttaschen leichter bewegen zu können. Auch ein deutschlandweit agierender Pizzadienst hat seine Flotte um E-Räder und E-Roller erweitert. Der ökologisch ausgerichtete Verkehrsclub Deutschland (VCD) stellt auf der IAA für Nutzfahrzeuge, die am kommenden Donnerstag in Hannover beginnt, auch E-Lastenräder vor, Lieferpedelecs ebenso wie große Cargo-Cruiser mit einer Zuladung von bis zu 200 Kilogramm.

Trotz der Vorzüge von E-Rädern räumen die Autoren der UBA-Studie ein, dass ein Pedelec die Umwelt stärker belastet als ein herkömmliches Fahrrad ohne Elektromotor. "Aber die relativ geringen negativen Umwelteffekte der Pedelecs werden deutlich aufgewogen, wenn Pkw-Fahrten durch Pedelecfahrten ersetzt werden", heißt es in der Studie. Bei der Erzeugung des Pedelec-Stroms fallen zwar Luftschadstoffe an, wenn man den deutschen Energiemix als Basis heranzieht. Es ist jedoch nur ein Bruchteil der Luftschadstoffe, die bei einem Verbrennungsmotor für die gleiche Strecke anfallen. Und die CO2-Emissionen, die bei Herstellung und Entsorgung des Akkus entstehen, seien bereits nach 100 eingesparten Pkw-Kilometern ausgeglichen, rechnen die Autoren vor.

Der Anteil der Pedelec-Fahrer ließe sich weiter steigern, wenn die Infrastruktur mit dem wachsenden E-Rad-Absatz mithalten könnte. Viele Radwege eignen sich aktuell nicht einmal für den konventionellen Radverkehr und erfüllen nicht die geltenden Standards für Mindestbreiten und Oberflächenqualität. "Hier besteht noch großer Handlungsbedarf, um die Qualitätsstandards in den einzelnen Gebietskörperschaften tatsächlich zu erreichen", stellen die UBA-Experten nüchtern fest.

Um die Pedelec-Nutzung weiter voranzutreiben, wären sogenannte Radschnellwege eine positive Maßnahme. Sie beschleunigen die Reisegeschwindigkeit und sind dank ihrer Auslegung für die elektrisch unterstützten Räder besonders geeignet. In Deutschland sind sich zwar alle Experten einig, dass diese Radwege die bestehende Rad-Infrastruktur sinnvoll ergänzen können, doch existieren bisher im Gegensatz zu Dänemark oder den Niederlanden nur wenige Teilabschnitte.

Zudem mahnen die Autoren gute Abstellmöglichkeiten in ausreichender Zahl an. Ebenerdig sollten sie sein, denn die Pedelecs haben wegen des eingebauten Motors mehr Gewicht. Der Appell richtet sich nicht nur an politische Entscheidungsträger, sondern auch an Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Wohnungsgesellschaften und Verkehrsbetriebe. Denn ob am Wohnort, an einem Bahnhof, am Supermarkt oder am Arbeitsplatz: Wer mit dem Pedelec zu seinem Ziel fährt, sollte dort sein hochwertiges Rad sicher abstellen können.