Die Fähre MS Fjordlys wird Ende des Jahres ihren Betrieb über den norwegischen Sognefjord aufnehmen – doch die bis zu 360 Passagiere werden auf der sechs Kilometer langen Strecke keinen der üblichen Dieselmotoren brummen hören. Der 80 Meter lange Aluminium-Katamaran summt nur dezent. Er fährt rein elektrisch mit zwei E-Motoren von je 450 Kilowatt. Nach dem Anlegen in den Häfen Lavik beziehungsweise Oppedal wird der Lithium-Ionen-Akku in nur zehn Minuten aufgeladen, der Strom stammt aus Wasserkraft.

Mit diesem emissionsfreien System, in Kooperation mit Siemens Marine & Shipbuilding entwickelt, spart der Fährbetreiber Norled jährlich nicht nur eine Million Liter Dieselkraftstoff ein, er vermeidet vor allem den Ausstoß von rund 2.700 Tonnen CO2 und 37 Tonnen NOx pro Jahr.

Keine Frage, die Norweger sind in Europa Vorreiter, wenn es um emissionsfreie Mobilität geht. Im Osloer Hafen ist für die Fährschiffe der Color Line auf den Routen nach Kiel und Göteborg bereits seit 2013 eine Landstromversorgung installiert. Sie vermeidet das Verpesten der Luft, weil nicht mehr die riesigen Dieselgeneratoren laufen müssen, um während des Aufenthalts im Hafen die Stromversorgung an Bord zu sichern. Das ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch imagefördernd. Oslo hat sich nämlich für den Titel Umwelthauptstadt Europas beworben. Schwarze, gesundheitsschädliche Abgaswolken über dem Hafen wären da kontraproduktiv.

Auch der Fährhafen Lübeck-Travemünde installierte 2008 aus Imagegründen eine Landstromleitung. Sonst hätte sich der Badeort nicht mehr Ostseeheilbad nennen können: 95 Prozent der Schwefelemissionen, 78 Prozent der Stickoxide und 65 Prozent des Feinstaubs wurden vom Schiffsverkehr verursacht. Daher richtete Travemünde drei Liegeplätze für die Landstromversorgung der Schiffe ein. In den Häfen von Los Angeles und Seattle gibt es inzwischen ebenfalls solche Einrichtungen.

Hamburg baut Landstromanlage

In Hamburg hieß es offiziell lange Zeit, die Landstromversorgung sei "hochkomplex" und "extrem teuer" – doch nach jahrelangen Diskussionen hat die Hafenbehörde am Kreuzfahrtterminal Altona mit dem Bau einer Anlage begonnen, die im Juni 2015 in Betrieb gehen soll. "Man hatte schließlich eingesehen, dass das öffentliche Stromnetz der Hansestadt nicht zusammenbräche, weil gerade mal 0,9 Prozent der Gesamtkapazität für den Landstrom entnommen werden", erläutert der Landstrom-Experte Hans-Erhard Schmidt. Zudem sei der Stadt klar geworden, dass die Kosten von 8,75 Millionen Euro den Etat nicht überstrapazieren würden.

Schmidt hat für Siemens eine Variante entwickelt, bei der ein Roboter auf Schienen rollt und der Roboterarm mit dem Stromkabel ans Schiff reicht. Der Strom stammt allerdings nicht aus erneuerbaren Energien, sondern aus dem Stadtnetz. Auch andere Hafenstädte wie Venedig und Lissabon seien stark an der Landstromversorgung für Kreuzfahrtschiffe interessiert, sagt Schmidt: "Die warten jetzt aber erst mal ab, welche Erfahrungen man damit an der Elbe macht."

Aber sind diese Entwicklungen schon Indizien für ein generelles Umdenken in der Branche? "Natürlich muss man punktuelle Verbesserungen wie Landstrom und den Bau von Elektrofähren begrüßen", sagt etwa Volker Matthias vom Helmholtz-Wissenschaftszentrum Geesthacht. Er verweist aber darauf, dass davon in erster Linie die Häfen und Küsten profitierten. Betrieben werden die Container- und Kreuzfahrtschiffe weiterhin mit Schweröl. "Sie sind nach wie vor verantwortlich für absolut inakzeptable gesundheitsschädliche Emissionen, die über 500 Kilometer weit verbreitet werden", kritisiert der Experte.