Wenn der Pizza-Lieferdienst Mundfein Bestellungen annimmt, erscheint auf dem Firmen-PC automatisch ein Fahrradsymbol, falls die Kundenadresse im Umkreis von drei Kilometern liegt. "Das E-Bike ist in vielen Städten inzwischen die einzig sinnvolle Transportart für kürzere Wege geworden", sagt der Ratinger Mundfein-Mitarbeiter Laudy, der bei der Pizzakette vor drei Jahren die Umstellung auf Fahrräder mit elektrischem Hilfsantrieb eingeleitet hat. Das Rad an sich hat eine Reihe von Vorteilen gegenüber einem Auto: "Die Fahrer wieseln sich schneller durch den Verkehr, und die Parkprobleme ergeben sich auch nicht mehr."

Die Reichweite des E-Bike-Akkus von etwa 80 Kilometern sei mehr als ausreichend. "Leere Akkus werden einfach gegen aufgeladene ausgetauscht. Nur im Winter kann die Batterie bei eisigen Temperaturen schneller schlappmachen." Der finanzielle Aufwand für die Elektroräder hält sich in Grenzen: Im Vergleich zum Autobetrieb ist ein rund 1.300 Euro teures E-Bike eine rollende Sparbüchse.

Auch andere Pizza-Lieferanten haben in den vergangenen Jahren auf Elektroräder umgestellt, um die Ware zu ihren Kunden zu bringen. "Die wollen einfach nicht mehr akzeptieren, dass sie soviel Zeit mit der Parkplatzsuche verplempern müssen, wenn sie noch mit dem Auto anliefern", sagt Wasilis von Rauch, Lastenradexperte beim Verkehrsclub Deutschland (VCD). Er sieht beim Anliefern auf der sogenannten letzten Meile ein ziemlich großes Potenzial für Lastenräder mit Elektromotor.

Die Post setzt solche in vielen Regionen schon ein. Die Räder können mittlerweile Lasten mit bis zu 300 Kilogramm Gewicht transportieren. In der Stadtlogistik könnten Lastenräder einer aktuellen Studie zufolge in europäischen Städten die Hälfte aller motorisierten Transporte übernehmen. Zudem profitieren die Unternehmen vom umweltfreundlichen Imagegewinn.

Post testet den Streetscooter

Wegen der zunehmenden Bestellungen im Internet haben Händler und Paketzusteller immer mehr Waren auszuliefern und stöhnen daher über die nervtötenden Staus in den Städten. Im Elektro-Lieferwagen sehen sie neuerdings auch eine Chance, die Staus elegant zu umkurven. Ihre Hoffnung heißt "Gesetz zur Bevorrechtigung der Verwendung elektrisch betriebener Fahrzeuge" – das kürzlich von der Bundesregierung abgesegnete Gesetz, das unter anderem Städten erlaubt, die Busspur für Elektroautos zu öffnen. Dann kämen die Lieferanten im E-Mobil schneller voran, das Ausliefern der Ware würde wesentlich beschleunigt.

Auch die Post setzt auf Lieferwagen, die zum Tanken an die Steckdose fahren. Noch ist die Zahl gering: In einem Pilotprojekt hat die Post seit vorigem Jahr 79 auf Elektrobetrieb umgerüstete Kastenwagen von Mercedes, Renault und Iveco für die Paketzustellung in Bonn und Umgebung im Einsatz. Die Fahrzeuge sind aber offenbar zu schwer und behäbig, wie die Wirtschaftswoche berichtete.

Zugleich probiert die Post aber auch ein eigenes Elektrofahrzeug aus, das die Post zusammen mit der RWTH Aachen für die Brief- und Paketzustellung entwickelt hat. Der wendigere Streetscooter hat wohl bessere Chancen, bis zum bevorstehenden Testende seine Alltagstauglichkeit nachdrücklich zu beweisen und danach als Volumenmodell in größeren Mengen bundesweit eingesetzt zu werden.