Bitte steig auf und fahr mich – und lass das blöde Auto stehen! Wenn Fahrräder sprechen könnten, wäre das die Botschaft des Pedelecs, das vor mir steht. Ein BlueLabel Charger, weiß lackiert, pieksauber und mit nur 275 Kilometern auf dem digitalen Tacho. Also quasi neu. Und ich – der Autofan, der bekennende Gernelenker, der auf CO2-arme Antriebe spezialisierte Journalist – soll jetzt wirklich prüfen, ob mich das elektrisch unterstützte Rad zur Abkehr vom Pkw bewegt? Klar, mache ich. Schließlich habe ich den Versuch selbst vorgeschlagen.

Schon vor einiger Zeit hatte mir Toni Hofreiter von den Grünen seine Idealvorstellung eröffnet, damals war er noch Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag. Das Auto im Allgemeinen und auch das Elektroauto sollten am besten stehen gelassen oder abgeschafft werden, so Hofreiter. Stattdessen wäre es ökologisch am sinnvollsten, kurze Strecken mit dem Pedelec und lange mit der Bahn zurückzulegen. Dafür wünschte er sich diebstahlsichere Park-and-Ride-Stationen. Bloß kein Auto fahren. "Grünen-Logik", dachte ich bei mir, "aber das muss ich zumindest ausprobieren."

Und das tue ich jetzt. Mitten in Hamburg, dieser schönen Stadt, deren Radwege aber nur teilweise überzeugen können. Das weiß ich, weil ich hier selten das Auto, aber täglich mein altes Herrenrad benutze. Oft ist alles super, weil die Spur auf der normalen Straße durch Markierungen abgegrenzt ist, weil der Radweg asphaltiert oder mit Steinen gelegt ist. Immer wieder aber kommt es vor, dass Bäume mit der Kraft ihrer Wurzeln unerwartete Buckel auftürmen, dass Autos auf dem Radweg parken oder unklar ist, wo mein Platz ist – auf dem Fußweg oder neben den BMWs, Porsches und Fiats? Da hilft nur vorsichtig fahren und aufmerksam sein.

Zackig genug auch ohne S- vorm Pedelec

Ich habe mich bewusst für ein Test-Pedelec entschieden, das bis 25 km/h statt bis 45 km/h elektromotorische Unterstützung leistet. Das starke S-Pedelec ist mir zu schnell. Beim bärigen Espire war ich vor vier Jahren in Motorradschutzkleidung inklusive Integralhelm angetreten, weil ich außerorts auf der Straße, an den Rand gepresst neben Pkws und Lkws, Raum finden musste. Lieber eine Nummer langsamer.

Nun also steht mir das schicke Charger von BlueLabel parat, erdacht und gebaut von Riese & Müller in Weiterstadt. Es ist hochwertig bis in jedes Detail, und kostet in dieser Version mit Riemenantrieb und stufenloser Nuvinci-Schaltung rund 3.700 Euro. Es macht richtig Spaß, mit dem Pedelec über die Straßen zu heizen.

Ich gebe zu: Ich habe den geräuschvoll arbeitenden Bosch-Motor fast immer auf "Turbo" gestellt. Dann liegen beim Beschleunigen fix die maximalen 250 Watt Leistung an. Drei, vier Tritte, und ich bin bei gut 27 km/h angelangt. Hier hört irgendwo die elektrische Hilfe auf. So bewege ich mich mit 25 bis 30 km/h dahin, mal mit, mal ohne Stromschub. Und ich frage mich leise, warum die anderen vor mir so trödeln. Also runter mit der Geschwindigkeit, und wenn ich überhole, dann nur höflich.

Natürlich könnte ich die ganze Zeit gemäßigt fahren, mit rund 20 km/h, ohne dass ich meinen Körper ein bisschen anstrengen muss und 100 Prozent schwitzfrei. Will ich aber nicht. Außerdem war da ja noch die Ausgangsfrage: Ist das Pedelec ein Autoersatz und wenn ja, wo?