Forscher der TU Braunschweig testen mit einem umgebauten VW e-Golf, wie gut das Laden per Induktion funktioniert. © Christoph M. Schwarzer

Das Wirrwarr um verschiedene Ladesteckertypen ist noch gar nicht ganz geklärt, da könnte sich das Problem schon bald wieder erledigen. Plug-in-Hybridfahrzeuge und reine Elektroautos, die den Strom aus einer Batterie an Bord beziehen, sollen schon in naher Zukunft von einer Technik profitieren, die den Alltag simpler und komfortabler macht: dem induktiven Laden. Statt mit Kabel und Stecker wird der Strom über eine Platte im Boden berührungslos übertragen.

Was auf den ersten Blick nur einen Handgriff spart, könnte zu einer erheblich höheren Akzeptanz der Elektromobilität führen. So würden die im öffentlichen Raum aufgestellten Wechselstrom-Säulen faktisch unsichtbar und in der heimischen Garage könnte sich das Auto automatisch auf die perfekte Position stellen und den Ladevorgang von selbst starten – ein Umstand, den künftig autonom steuernde Taxis zum Tanken nutzen könnten.

Das ist noch Zukunftsvision. In der Gegenwart arbeiten Autohersteller, Entwicklungspartner und Forschungsinstitute an einer Umsetzung für die Serienproduktion. Spätestens 2017 kommen die ersten Fahrzeuge auf den Markt. Davor aber muss Hirnschmalz investiert werden. In Braunschweig zum Beispiel setzt die Verkehrs-GmbH batterieelektrische Linienbusse ein, die an mehreren im Asphalt eingelassenen Ladepunkten Strom ziehen können. Die Technische Universität (TU), das Industrieunternehmen Bombardier und weitere Partner haben eine sehr hohe Ladeleistung von 200 Kilowatt (kW) erreicht. Bei einer Batteriekapazität von 60 Kilowattstunden (kWh) genügt den Bussen somit eine Standzeit von wenigen Minuten, um ausreichend elektrische Energie für die nächste 15 Kilometer lange Tour zu erhalten.

Wirkungsgrad ähnlich wie beim Laden mit Kabel

Die Wissenschaftler der TU Braunschweig haben sich zum Ziel gesetzt, eine solche Ladeplatte auch für Pkw – insbesondere für Taxis – nutzbar zu machen. Dafür werden im Projekt "Emilia" ("Elektromobilität mittels induktiver Ladung im Auto") bis Mitte 2016 drei Volkswagen e-Golf umgerüstet und untersucht. Am Anfang werden diese Versuchsfahrzeuge nur mit 3,7 kW Leistung geladen, genau wie ein serienmäßiger e-Golf. Die Ladeleistung soll aber schnell auf 10 bis 20 kW ansteigen.

Entscheidend dafür ist die Größe der Spule, die an der Fahrzeugunterseite angebracht wird. Die Autoindustrie will dort am liebsten nur eine Fläche von 25 Zentimetern mal 25 Zentimeter fürs induktive Laden freigeben, wie Branchenkenner berichten. Ein Blick auf die Verkleidungen unter einem beliebigen Elektroauto zeigt aber, dass hier Raum für viel mehr ist – tatsächlich geht es, wie so oft, ums Geld.

Zweifler argumentieren, dass induktive Laden einen mangelhaften Wirkungsgrad habe, wegen des Abstands zwischen der Primärspule – zum Beispiel im Garagenboden – und der Sekundärspule an der Unterseite des Autos. Hier widersprechen sämtliche Entwickler vehement: Weil mit einer hohen Frequenz von 20 bis 150 Kilohertz im Gegensatz zu den 50 Hertz des normalen Stromnetzes gearbeitet werde, liege die Gesamteffizienz bei 90 Prozent. Zum Vergleich: Die kabelgebundene Übertragung schafft 92 bis 94 Prozent. Die 12 bis 15 Zentimeter Luft seien problemlos überwindbar, heißt es unisono. Um auch Gesundheitsgefahren auszuschließen, zum Beispiel für Menschen mit Herzschrittmacher, wird es unter anderem eine Zwischenraumüberwachung geben, die das Laden sofort abbrechen kann.