Die Tarifgespräche der Bahn mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sind nach kurzer Zeit vertagt worden. Nach etwa einer Stunde wurde die dritte Verhandlungsrunde ohne Annäherung beendet. Über Inhalte sei gar nicht gesprochen worden, sagte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba in Frankfurt am Main. Das Treffen wurde auf den 12. Dezember vertagt.  

Die Bahn habe am Donnerstagabend ein neues Angebot unterbreitet, sagte Rusch-Ziemba. Es handle sich um ein tausendseitiges Dokument. Das Angebot sei zu kurzfristig gekommen, die EVG will es nun erst einmal prüfen.

Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner hatte bereits am Morgen gesagt, er glaube nicht an eine schnelle Einigung in dem Tarifstreit. "Wir sind noch nicht so weit", sagte er im Deutschlandfunk. Zudem warf er der konkurrierenden Lokführergewerkschaft GDL vor, die Tarifgespräche zu erschweren. Die GDL wolle "einfach nur ihren Machtbereich ausdehnen" und sei an einer Zusammenarbeit nicht interessiert. Für die Mitglieder seiner eigenen Gewerkschaft bekräftigte Kirchner die Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn und verlangte von der Bahn ein konkretes Angebot.

Die Bahn hält eine Einigung vor Weihnachten noch immer für möglich

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hält eine Einigung in dem Konflikt vor Weihnachten weiter für möglich: "Wir sprechen weiter. Das ist die gute Nachricht." Der Manager verwies auf die Angebote der Arbeitgeberseite: "Wir bringen etwas mit an den Tisch. Den Gewerkschaften liegen Angebote vor – sehr umfänglich, auch angesichts der Forderungspakete."

Am Nachmittag sollen auch Vertreter der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit der Deutschen Bahn zusammenkommen. In einer ersten Verhandlungsrunde soll es um die Forderung der GDL nach fünf Prozent mehr Lohn und einer Arbeitszeitverkürzung gehen. Die Gewerkschaft verhandelt dabei nicht nur für die Lokführer bei der Bahn, sondern auch für das Zugpersonal, das bei ihr organisiert ist.

Bei einem Spitzentreffen am Dienstag hatten sich das Unternehmen und die beiden Gewerkschaften nicht auf ein Verfahren für gemeinsame Verhandlungen verständigen können.

Im Tarifkonflikt streiten sich GDL und EVG seit Monaten, wer für welche Berufsgruppe die Tarifverhandlungen führen darf. Bisher handelte die EVG für rund 140.000 Bahn-Angestellte die Arbeitsbedingungen aus, darunter Zugbegleiter, Lokrangierführer und Mitarbeiter im Bordservice. Die kleinere GDL war nur für die rund 20.000 Lokführer des Konzerns zuständig. Neuerdings will die GDL beispielsweise auch für Zugbegleiter verhandeln, die bei ihr organisiert sind. Rund 30 Prozent der rund 11.000 DB-Zugbegleiter sind nach GDL-Angaben Mitglied dieser Gewerkschaft.