Algen in einem Tank bei einer Biosprit-Firma in Israel © Nir Elias/Reuters

"Photosynthese?" – "Cool!" Die beiden riesigen Sprechblasen an der Fassade des BIQ-Algenhauses haben ihre Berechtigung. Als das Gebäude im vergangenen Jahr in Hamburg als Pilotprojekt autarker Energieversorgung vorgestellt wurde, waren selbst die profiliertesten Öko-Experten verblüfft: Die von außen gut sichtbaren Mikroalgen schwimmen in der gläsernen Bioreaktorfassade des Hauses in einer Lösung aus Wasser und Nährstoffen und versorgen alle 15 Wohnungen mit Strom und Wärme.

Die Fotosynthese verwandelt mithilfe von Sonnenstrahlung und CO2 die Mikroalgen in eine Biomasse, die abgeschöpft und über einen Wärmetauscher zum Heizen verwendet wird. Eine Biogasanlage verwertet die überschüssige Biomasse und kann die aus Methangas erzeugte Energie ins Stadtnetz einspeisen oder auch speichern.

Das BIQ-Haus – das Kürzel steht für Bio Intelligent Quotient – war 2013 Teil der Internationalen Bauausstellung im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, der mit der IBA aufgewertet wurde. Das BIQ-Projekt wird weltweit beachtet, denn das Potenzial der pflanzenartigen Lebewesen ist immens. Ähnliche Häuser sollen den nachhaltigen Wohnungsbau mit autarker Energieversorgung auch in anderen Ländern voranbringen.

Algensprit ist weltweit Forschungsthema

Das innovative Gebäude ist erst der Anfang der Algen-Erfolgsgeschichte. Seit einigen Jahren arbeiten amerikanische Start-up-Firmen mit großem Forschungsaufwand daran, die Produktion von Algensprit in größeren Mengen praxistauglich zu machen. Bisher hatten die meisten dieser Versuche nur zur lukrativen Vermarktung von Algen-Parfums, Algen-Nudeln oder Hautöl geführt, die als Nebenprodukte anfielen und für eine schnelle Rendite sorgten. Die kostspielige Forschung, die eigentlich zur Produktion von Algensprit führen sollte, blieb auf der Strecke.

Doch aufgrund der drängenden Umweltprobleme ist das Interesse an der Entwicklung von umweltfreundlichem Algensprit in den letzten Jahren enorm gewachsen. In den USA gibt es immer mehr risikofreudige Investoren, und auch Universitäten, das Militär und diverse Ministerien fördern die Forschung finanziell. Zwölf US-Firmen konzentrieren sich mit Millionen-Investitionen auf die Erzeugung von Algensprit. Auch Fluglinien haben ihr Interesse an Algen-Kerosin bekundet und es bereits erprobt.

Die in Florida ansässige Firma Algenol produziert laut eigener Aussage den Algensprit jetzt für 1,30 Dollar je Gallone (3,7 Liter). Firmenchef Paul Woods sagt, im Jahr 2020 wolle Algenol eine Milliarde Gallonen herstellen und dann so günstig anbieten, dass jeder Autofahrer pro Gallone 75 Cent gegenüber herkömmlichem Sprit sparen würde. Keine Frage, der Preis ist heiß – aber die Algenol-Prognosen dienen wohl eher als Motivationsverstärker für potenzielle Investoren und sind kaum eine realistische Einschätzung zukünftiger Entwicklungen.

In Japan hat der Lkw-Hersteller Isuzu gerade in Kooperation mit dem Biotech-Unternehmen Euglena einen aus Algen produzierten Biodiesel vorgestellt, den man dort "Deusel" nennt. Er wird für die im Werksverkehr eingesetzten Shuttle-Busse dem herkömmlichen Diesel in kleinen Dosen von einem Prozent beimischt. Ab 2018 soll der Deusel in großen Mengen produziert werden.