Bahnreisende an einem ICE © Christof Stache/AFP/Getty Images

Bahnreisende müssen sich erneut auf starke Behinderungen einstellen und auf die Straße ausweichen. Die Lokführergewerkschaft GDL will ab Mittwoch 15 Uhr den Güterverkehr bestreiken, ab Donnerstag 2 Uhr auch den Personenverkehr, wie die Gewerkschaft mitteilte. Der Ausstand soll bis Montag 4 Uhr dauern, also fast 100 Stunden. Die Bahn wird den Fahrplan ändern, und möglicherweise Busse als Ersatz anbieten, um das Fehlen der Lokführer teilweise zu kompensieren.  

Am Wochenende waren vertrauliche Tarifgespräche zwischen Bahn und GDL gescheitert. Die Gewerkschaftsspitze habe die Gespräche "kurz vor Unterzeichnung einer Lösung" völlig überraschend platzen lassen, hieß es von Seiten der Bahn. Zuvor hätten beide Seiten ein neues Verfahren entwickelt. Dadurch sollte die GDL laut Bahn einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter erhalten. Gleichzeitig sollte die Regelung die Kollision von zwei unterschiedlichen Tarifverträgen für eine Berufsgruppe vermeiden.

Zuletzt hatte ein rund 60-stündiger Streik Mitte Oktober einen Teil des Bahnverkehrs in ganz Deutschland lahmgelegt. Danach kündigte die GDL eine Streikpause bis zum 2. November an, um dem Unternehmen Zeit für Verhandlungen zu geben. Auch Anfang September hatten die GDL-Lokführer schon die Arbeit ruhen lassen.

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn im Jahr bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass sie dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) jedoch für sich. Die Bahn lehnt konkurrierende Tarifabschlüsse ab.

Die GDL ist mittlerweile starker Kritik ausgesetzt. Der Deutsche Gewerkschaftsverbund (DGB), bei dem die Konkurrenz-Bahngewerkschaft EVG organisiert ist, warf GDL-Chef Claus Weselsky eine Spaltung der Arbeitnehmerschaft vor. EVG und GDL sollten wieder eine Tarifgemeinschaft bilden, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann. "Das hat Herr Weselsky leider zu meinem Entsetzen abgelehnt."

Die Wirtschaft befürchtet negative Folgen des Rekordstreiks. "Was derzeit bei der Bahn passiert, ist Gift für den Standort Deutschland", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Achim Dercks. Neben dem Ärgernis für Urlauber führten Streiks im Güterverkehr bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen. "Warenlager helfen nur die ersten Tage, dann stockt die Fertigung", sagte Dercks. In Schlüsselbranchen wie der Automobilindustrie wird vermehrt just in time produziert. Zuliefer- und Produktionstermine sind dabei genau aufeinander abgestimmt. 

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