So unterschiedlich kann das Geschäft in den Nachtstunden sein: Während Fernbusanbieter wie MeinFernbus ihre Nachtlinien ausbauen und inzwischen sogar über Nacht nach Mailand fahren, streicht die Deutsche Bahn zum Fahrplanwechsel am kommenden Wochenende ihr Angebot zusammen. Die Über-Nacht-Verbindung nach Paris wird eingestellt, auch nach Kopenhagen kommt man nachts nicht mehr. Andere Strecken werden ausgedünnt, etwa nach Amsterdam. Schon in den vergangenen Jahren fielen Nachtzüge weg, etwa Richtung Italien.

An mangelnder Nachfrage liegt es nicht. Das zumindest legt eine Studie nahe, die von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben wurde und jetzt von deren bahnpolitischem Sprecher Matthias Gastel vorgestellt wurde. "Indizien weisen auf eine hohe Auslastung insbesondere im Schlafwagensegment hin", heißt es darin mit Bezug auf meist schon lange im Voraus ausgebuchte Züge. Gastel selbst berichtet, er sei seit der Bundestagswahl im Herbst 2013 insgesamt 20 mal mit dem Nachtzug gefahren – weniger oft, als er wollte, denn oft bekam er keinen Platz mehr in einer Kabine.

Was wohl auch daran liegt, dass die Deutsche Bahn ihren Schlaf- und Liegewagenbestand in den vergangenen zehn Jahren etwa halbiert hat, wie die Studie der Grünen zeigt – bei wachsendem Interesse. Dies sieht auch das Bündnis Bahn für alle: In den CityNightLine-Zügen (CNL) sei die Zahl der Passagiere zwischen 2003 und 2013 von 1,50 auf 1,56 Millionen gestiegen.

Kein Wunder, denn die Nachtzüge bieten durchaus Vorteile. Städtetouristen können dank einer frühen Ankunft und späten Abfahrt den Tag am Zielort besser nutzen. Geschäftsreisende mit einem Vormittagstermin müssen nicht am Vorabend anreisen und könnten so bei der Unterkunft sparen. Zudem sei das Angebot eine gute Lösung für Menschen, die Flugangst haben oder bei Flügen gesundheitliche Risiken eingehen würden, heißt es in der Studie der Probst & Consorten Marketingberatung im Auftrag der Grünen.

Bahn gibt Verluste an

Auch die Deutsche Bahn bestreitet nicht, dass manche Nachtzüge gut ausgelastet sind. An ökonomisch sinnvollen Strecken will der Konzern auch festhalten. Aber: Das Geschäft sei derzeit nicht wirtschaftlich zu betreiben. Seit Jahren fahre die DB mit Nachtzügen "hohe Defizite in zweistelliger Millionenhöhe" ein, sagt ein Sprecher. 2013 sei bei einem Umsatz von rund 48 Millionen Euro ein Verlust von zwölf Millionen Euro angefallen. Darum würden verlustbringende Verbindungen jetzt aufgegeben.

Dass die ökonomischen Rahmenbedingungen für Nachtzüge derzeit schwierig sind, sieht auch die Studie der Grünen. Grundsätzlich sei der Nachtzugverkehr aber "wirtschaftlich durchführbar", sagt Grünen-Politiker Matthias Gastel. Dafür müsse die Bundesregierung aber an entscheidenden Stellschrauben drehen.

Zunächst einmal müsse die Regierung Wettbewerbsverzerrungen abbauen, die derzeit dem Schienenfernverkehr insgesamt und damit auch den Nachtzügen schaden. Einen großen Nachteil sieht der Grünen-Abgeordnete in der unterschiedlichen Besteuerung: Während auf internationale Flüge keine Mehrwertsteuer erhoben wird, ist auf Bahnfahrten im Fernverkehr der volle Steuersatz von 19 Prozent fällig. Zudem dürfe Flugbenzin nicht länger steuerfrei sein, fordern die Autoren der Studie.