Ein gewisser Stolz schwingt in seiner Stimme schon mit, wenn Matthias Wissmann von den Erfolgen der deutschen Automobilindustrie im Markt für Elektromobilität berichtet. "Die deutschen Hersteller haben aktuell 17 Elektro-Automodelle am Markt", sagt der Präsident des Branchenverbands VDA. Es gibt reine batterieelektrische Autos wie den BMW i3 ebenso wie Hybridmodelle, zum Beispiel den VW Golf GTE oder den Opel Ampera. Und im nächsten Jahr sollen noch zwölf weitere E-Autos aus deutscher Produktion auf den Markt kommen – eine derartige Vielfalt könne derzeit keine andere Autonation vorweisen, sagt Wissmann. Damit sei Deutschland neben den USA internationaler "Leitanbieter" bei Elektroautos.

Das Problem ist nur: Die hiesigen Kunden interessiert das bisher kaum. Zwar steigt die Nachfrage – in der ersten Hälfte dieses Jahres wurden in Deutschland rund 6.100 Elektrofahrzeuge neu zugelassen, im gleichen Halbjahr 2013 waren es nur 3.400. Doch von den 100.000 E-Autos, die die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) zu Ende 2014 auf deutschen Straßen haben wollte, ist der Markt weit entfernt. Es ist weniger als ein Viertel davon.

Entsprechend vorsichtig ist das Gremium geworden, das Politik und Industrie 2010 ins Leben gerufen hatten, um die Elektromobilität in Deutschland voranzubringen. Vertreter von Industrie, Politik und Wissenschaft arbeiten in der NPE daran. Nach heutigem Stand prognostizieren sie für 2020 auf deutschen Straßen etwa 500.000 Elektroautos – das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel von einer Million solcher Fahrzeuge würde damit völlig verfehlt.

Zwar sei in den vergangenen Jahren die Grundlage gelegt worden für einen erfolgreichen Markthochlauf, sagt der NPE-Vorsitzende Henning Kagermann. Er verweist auf die intensive Forschung und Entwicklung, Normung und Fortschritte bei der Ladeinfrastruktur. Doch vom Ziel, internationaler "Leitmarkt" zu werden, sei Deutschland noch weit entfernt. Zurzeit liege man "nur im Mittelfeld".

Das Eine-Million-Ziel hält die NPE aber dennoch erreichbar – aber nur, "wenn zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden". Das schreibt die Plattform in ihrem neuen Zwischenbericht, den Kagermann am heutigen Dienstag Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht hat. Sie empfiehlt auch, was die Regierung aus ihrer Sicht gegen den E-Auto-Mangel tun könnte.

Zum einen rät die NPE, eine Sonderabschreibung für gewerbliche Käufer eines Elektrofahrzeugs einzuführen. Schon im ersten Jahr sollen sie 50 Prozent der Anschaffungskosten abschreiben können. Das käme einer monetären Kaufsubventionierung gleich. Die NPE sieht in der Sonderabschreibung ein effizientes Förderinstrument: Rein gewerbliche Flotten und Dienstwagen machen zusammen rund 60 Prozent des Neuwagenmarkts aus, viele der Fahrzeuge werden nach kurzer Nutzungsdauer weiterverkauft. Die gewerbliche Anschaffung zu fördern, könne deshalb auch die Basis schaffen für einen Gebrauchtwagenmarkt für E-Mobile, sagt die NPE.

Sie hat auch schon ausgerechnet, wie viel das den Fiskus kosten würde: Die Steuermindereinnahmen lägen im Einführungsjahr 2015 bei rund 30 Millionen Euro und würden bis 2019 auf maximal 290 Millionen Euro steigen. Eine direkte Kaufprämie auch für Privathaushalte ist für die Plattform dagegen kein Thema.