Nach fünfeinhalb Jahren hat der Ölpreis wieder die Marke von 50 US-Dollar unterschritten: Am Mittwoch kostete ein Fass Brent aus der Nordsee (159 Liter) zwischenzeitlich 49,66 Dollar, so wenig wie zuletzt im Mai 2009. Auch die US-Sorte WTI war für weniger als 50 Dollar je Fass zu haben. Seit Sommer haben sich die Ölpreise mehr als halbiert – im Juni kostete etwa ein Fass Brent-Öl noch rund 115 Dollar.

Was Aktionäre von Erdölkonzernen besorgt, erfreut die Autofahrer: Parallel zum Ölpreis fällt auch der Spritpreis. Ein Liter Super E10 kostete laut Mineralölwirtschaftsverband im Schnitt zuletzt rund 1,27 Euro, ein Liter Diesel etwa 1,15 Euro. Wie teuer die Kraftstoffe noch vor einem halben Jahr waren, zeigt die Infografik, die das Portal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat: Zum Jahreshoch 2014 im Juni lag der vom Automobilclub ADAC ermittelte Durchschnittspreis für E10-Superbenzin bei 1,558 Euro je Liter, der für Diesel bei 1,385 Euro.

"Preiswerter als 2014 war Tanken zuletzt im Jahr 2010", ist das Fazit des ADAC. Gebremst wird der Effekt allerdings durch die Schwäche des Euros: Hätte er gegenüber dem Dollar nicht ebenfalls deutlich an Wert verloren, wären die Preise an den Tankstellen noch stärker gesunken. Denn Rohöl wird in Dollar gehandelt, und mit einem schwächeren Euro wird der Import von Öl und Derivaten teurer.

Für das günstige Öl gibt es zahlreiche Gründe. Einer davon ist das hohe Angebot auf dem Weltmarkt, ausgelöst durch den Schieferöl-Boom in den USA. Außerdem halten die Opec-Länder weiterhin an ihren hohen Förderquoten fest, früher drosselte etwa Saudi-Arabien bei einem Überangebot seine Mengen. Zudem wächst die Wirtschaft in wichtigen Regionen wie Europa und China nur verhalten, die Nachfrage ist entsprechend schwach.

Eine schnelle Trendwende ist derzeit nicht abzusehen. Im Dezember prognostizierte die Internationale Energieagentur IEA, dass sich das Überangebot in der ersten Jahreshälfte 2015 sogar noch vergrößern wird. Die Fachleute gehen zudem von einer sinkenden Nachfrage aus. Das wird sich auch im Ölpreis widerspiegeln: Inzwischen halten Experten einen Preis von 40 US-Dollar je Fass Rohöl für immer wahrscheinlicher.