Mit dem Model S verdient Tesla bislang gutes Geld. Elon Musk will, dass das auch so bleibt. © Jerry Lampen/Getty

2013 ging Better Place bankrott – jetzt erlebt das von dem israelischen Unternehmen entwickelte Konzept des Akkutauschs in Elektroautos ein Comeback. Einst von Kritikern als unwirtschaftlich und zu teuer gebrandmarkt, wird die Methode seit Ende Dezember 2014 vom Elektroautohersteller Tesla getestet. 

Eine speziell eingerichtete Werkstatt zwischen Los Angeles und San Francisco soll den "Akku-Tausch ausprobieren", sowie die "Nachfrage und Kundenreaktion evaluieren", wie Tesla in seinem Blog schreibt.  

Der Probelauf überrascht. Bisher setzte Tesla darauf, entlang der Autobahnen – auch in Deutschland – sogenannte Supercharger aufzustellen. Das sind Schnellladesäulen, an denen Tesla-Fahrer gratis den Akku ihres Wagens wieder mit Strom befüllen können. Warum nun die Battery-Swap-Variante? Geht es dem Unternehmen aus Palo Alto wirklich nur darum, den Kunden möglichst schnell einen vollen Akku zur Verfügung zu stellen?

 "Tesla muss zumindest alle Möglichkeiten austesten, wie es Kunden einen vollen Akku und ein annähernd normales Fahrerlebnis bieten kann", sagt Michael Bargende. Er ist Professor an der Universität Stuttgart und – ebenfalls in der schwäbischen Metropole – Vorstandsmitglied des Forschungsinstituts für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren. Das bislang Ungewohnteste an der Nutzung eines Elektroautos ist das Laden mit Strom – selbst an Teslas Superchargern ist das eher unpraktisch. Obwohl diese Schnelllade-Einrichtungen hierzulande mit einer relativ hohen Leistung von 120 kW arbeiten.

Schneller die Batterie wechseln als ein normales Auto volltanken

Tesla propagiert auf seiner Homepage "270 Kilometer Reichweite nach 30-minütiger Ladezeit"; das mag auf den ersten Blick reichlich erscheinen. "Diese Reichweite existiert nur auf dem Papier", merkt Bargende an. Insbesondere im Winter machen niedrige Temperaturen dem Akku zu schaffen, und zudem muss dann mit dem Batteriestrom auch geheizt werden. Weiterhin beeinflusst der persönliche Fahrstil den Aktionsradius eines Elektroautos meist nicht zu dessen Vorteil. Wer auf Autobahnen sich nicht auf 100 km/h beschränken will, muss wesentlich früher mit seinem Tesla wieder eine Steckdose ansteuern. Um den 85 Kilowattstunden großen Akku im Tesla Model S vollständig zu laden, braucht der heimische 230-Volt-Sockel schon mal 20 Stunden und der Supercharger immer noch rund 80 Minuten.

Da ergibt der schnelle Akkuwechsel Sinn. Wer es nicht so eilig hat, noch schnell zu Mittag isst oder einkaufen geht, der hängt seinen Tesla an den Supercharger, ohne weitere Kosten. Für diejenigen, die keine Zeit oder Lust haben zu warten, bietet sich der kostenpflichtige Akkutausch an. Im Nu soll das etwa 1.000 Kilo schwere Lithium-Ionen-Pack gewechselt sein: "Inklusive der Entfernung der Schutzbleche auf der Unterseite des Fahrzeugs schätzen wir die Zeit für einen Wechsel auf etwa drei Minuten", sagt Tesla.

Während aber Tankstellen einfach mit Benzin, Gas und Diesel beliefert werden können, ist die adäquate Versorgung mit Batterien weitaus schwieriger. "Jede Wechselstation müsste viele vollgeladene Akkus vorrätig haben", sagt der promovierte Maschinenbau-Ingenieur Bargende. Für die Tesla-Pilotwerkstatt in Harris Ranch sei es kein Problem, einige Akkus auf Lager zu haben. "Aber sobald die Zahl der Wechselstationen passend zum Bestand an Elektroautos steigen würde, wäre die Akku-Versorgung nicht mehr praktikabel", kritisiert Bargende.