Lassen sich mit Elektroautos mehr als nur ein paar Dutzend Kilometer zurücklegen, ohne gleich wieder an die nächste Ladesäule denken zu müssen? So sehr Stromer-Fans die Debatte auch beklagen, der Blick auf die Reichweite prägt nach wie vor die Meinung, die viele von den elektrisch angetriebenen Fahrzeugen haben. Für sie hat Bosch eine gute Nachricht: Der Automobilzulieferer will bis 2020 Batteriesysteme für Elektroautos entwickeln, die "bei einem Energiegehalt von 50 Kilowattstunden ein Gewicht von etwa 225 Kilogramm und ein Volumen von etwa 120 Litern aufweisen". Damit hätten sich alle relevanten Parameter mindestens um den Faktor 2 verbessert – und zudem soll der künftige Speicher nur halb so teuer sein wie die heutigen.

Zum Verständnis der von Bosch genannten Eckdaten genügt der Vergleich mit einem Volkswagen e-Golf: Dessen Batterie bietet zurzeit bei einem Gewicht von 318 Kilogramm eine Kapazität von 24,2 Kilowattstunden und nimmt mehr als 200 Liter Bauraum ein. Mit den Lithium-Ionen-Systemen der zweiten Generation könnte das gleiche Auto die doppelte Reichweite schaffen und rund 100 Kilogramm abnehmen. Das wäre ein echter Fortschritt angesichts der rund 350 Kilogramm, die der e-Golf heute schwerer ist als der Basis-Golf.

Der Aktionsradius weitet sich also deutlich aus. Auch bei Beladung, Nässe oder Gegenwind, im Winter und bei einer verschleißenden Batterie mit sinkender Kapazität können alle Pendelstrecken absolviert werden, ohne Angst haben zu müssen, liegenzublieben. Darüber hinaus hat die von Bosch avisierte Batterie einen ökologischen Vorsprung gegenüber der aktuellen Bauart: Wo weniger Material eingesetzt und zugleich ein besseres Ergebnis erzielt wird, schrumpft der energetische Rucksack aus der Produktion erheblich.

Lange aber erschien ein solch riesiger Sprung bei der Energiedichte – wie viele Wattstunden pro Liter oder Kilogramm gespeichert werden können –, bei der Masse und den Kosten unmöglich. Warum gelingt er nun scheinbar plötzlich?

Feinschliff bei Zellchemie und System

Zum einen gibt es einen kontinuierlichen Fortschritt in der Zellchemie. Hier arbeitet Bosch mit dem japanischen Unternehmen GS Yuasa in einem Joint Venture zusammen, an dem als dritter Partner Mitsubishi beteiligt ist. Von GS Yuasa werden permanent evolutionär, aber nicht revolutionär bessere Lithium-Ionen-Zellen geliefert. Über die Zukunftsvisionen der Batterietechnik – also Lithium-Schwefel- oder gar Lithium-Luft-Kombinationen – redet dabei niemand; man bleibt auf dem Boden des sofort Machbaren.

Das Know-how von Unternehmen wie Bosch oder der Autoindustrie selbst liegt nun darin, viele dieser Einzelzellen zu einem sicheren und mehr als zehn Jahre haltbaren Batteriesystem zusammenzufügen. Das Drumherum, wie etwa Halterungen, Sicherungen und die Management-Elektronik, werden in Zukunft einfacher konstruiert sein. Es werden weniger Teile und Bauraum benötigt. Das ist einer der Gründe für den sinkenden Preis.