Es sind nur vier Buchstaben, aber über sie könnten die Designer von Mazda stundenlang sprechen: Kodo. Im Auto sollen sich die natürlichen Bewegungen von Raubkatzen in freier Wildbahn widerspiegeln. Oder der Moment, wenn ein Pfeil die Sehne verlässt. Die Design-Theorie dürfte den meisten Kunden egal sein, doch bei Mazda versucht man sich daran zu orientieren.

Die Idee dahinter: Das Fahrzeug soll seinen potenziellen Käufer auf den ersten Blick anmachen, ihn fesseln und bestenfalls dann nicht mehr loslassen. Der neue Mazda2 hat dieses Potenzial. Auf den ersten Blick sieht er seinem Vorgänger in der Silhouette gar nicht so unähnlich. Doch die neue Generation ist mit ihrem markanten Kühlergrill und schneidigen Scheinwerfern dynamischer gezeichnet und sieht dadurch deutlich besser aus. Die Wirkung wird verstärkt durch die Fahrzeuglänge: Der neue Mazda2 ist gegenüber dem Vorgänger um 14 Zentimeter gewachsen.

Das Modell ist mit einem Basispreis von 12.790 Euro nicht der günstigste Kleinwagen am Markt. Das zeigt, mit welchem Selbstbewusstsein die Japaner den Mazda2 positionieren wollen. Dieselfans bekommen ab 17.290 Euro einen komplett neu entwickelten Selbstzünder mit 77 kW (105 PS), der mit einem CO2-Ausstoß von 89 Gramm je Kilometer (Laborwert) die 100-Gramm-Schwelle unterschreitet.

Mazda ruft Summen auf, mit denen sich bei manchen Herstellern auch schon ein Fahrzeug der Kompaktklasse finanzieren ließe. Allerdings erhält der Kunde auch ein sehr erwachsenes Fahrzeug. Der Mazda2 ist nicht einfach nur länger geworden und hat die Vier-Meter-Marke überschritten – der Radstand ist um acht Zentimeter gewachsen, wovon insbesondere die Fondpassagiere profitieren. Viel Luft zwischen den hinteren Sitzen und den vorderen Lehnen erlaubt auch in der zweiten Reihe angenehmes Reisen. Auch der Kofferraum hat mit 280 Litern Volumen eine akzeptable Größe. Die Ladekante könnte aber etwas tiefer liegen.

Angenehm ruhig unterwegs

Ingenieur Ayumu Doi nimmt den Mund nicht zu voll, wenn er verspricht, dass sich der kleine Mazda eine Klasse höher anfühlt. Schließlich war das Ziel, dass Kunden mit dem 2er auch lange Strecken gern zurücklegen und sich dabei wohlfühlen. Dafür arbeiteten die Entwickler vor allem an den Geräuschen im Fahrzeug und tilgten Vibrationen im Fahrzeugboden und in den Sitzschienen. Zudem sind die angebotenen Benzinmotoren bis etwa 3.000 Umdrehungen pro Minute angenehm ruhig. Darüber hinaus werden die 1,5 Liter großen Vierzylinder präsent, alles andere würde aber auch verwundern.

Wer meist auf kurzen Strecken unterwegs ist, kommt mit dem 55 kW (75 PS) starken Basismotor wunderbar zurecht. Er wirkt nur minimal schwächer als der Antrieb mit 66 kW (90 PS). Fahrer mit großen Autobahn-Anteilen im Fahrprofil sollten aber – sofern das Budget reicht – den stärksten Benziner wählen, der eine Leistung von 85 kW (115 PS) bietet.

Der Topbenziner hat zwar das identische maximale Drehmoment wie der mittelstarke Ottomotor, doch er hält die Zugkraft von 148 Nm über einen deutlich weiter gesteckten Drehzahlbereich aufrecht. Das lässt den 115-PS-Motor fülliger erscheinen. So überholt der stärkste Mazda2 einen Lkw am Berg eben doch souveräner als seine schwächeren Brüder – und das auch ganz ohne Aufladung. Außerdem ist die Getriebeabstufung günstiger, denn es gibt eine Übersetzung mehr. Die sechs Gänge lassen sich sehr leichtgängig schalten.

Automatik-Liebhaber müssen zwingend die 90-PS-Version nehmen, da sie als einzige mit einer sechsstufigen Wandlerautomatik geordert werden kann, zum Aufpreis von 1.500 Euro. Für den Dieselmotor bietet Mazda die Automatik überhaupt nicht an. Angesichts eines geschätzten Dieselanteils von sechs Prozent hat sich diese Investition offenbar nicht gelohnt.

Mazda bietet einige Fahrerassistenzsysteme an

Beim Fahrwerk gelang den Technikern ein feiner Kompromiss: Es ist für kommodes Fahren eingestellt, bietet aber trotzdem ein hohes Maß an Agilität. Die Dämpfer absorbieren kurze Bodenwellen wirkungsvoll, und selbst bei harten Schlaglöchern belästigt der Kleinwagen seine Insassen nicht über Gebühr.

Cockpit des Mazda2 © Hersteller

Der Innenraum ist sauber verarbeitet, aber etwas verspielt gestaltet. Der Fahrer wirft seinen Blick – je nach Ausstattung – entweder auf einen großen Drehzahlmesser samt digitalem Tacho oder auf einen elektronisch dargestellten Tourenzähler in Verbindung mit analog-mechanischem Tacho. Der an ein Tablet erinnernde Bildschirm thront mittig über dem Armaturenbrett und lässt Assoziationen zu Mercedes-Benz aufkommen. Über den Bildschirm läuft das Mazda-Infotainment Connect System, das allerdings ziemlich komplex ist. Um alle Funktionen zu lernen, muss man einige Zeit investieren.

Überhaupt ist die technische Ausstattung des Mazda2 für einen Kleinwagen überraschend breit gefächert. Der Hersteller bietet unter anderem ein schlüsselloses Schließsystem, Tempomat, Notbremsassistent und Spurwechselhelfer an. Auch das Head-up-Display und LED-Vollscheinwerfer sind für ein Fahrzeug dieser Größe nicht Standard. Der Mazda2 nähert sich also nicht nur von seiner Fahrzeuglänge her den höheren Klassen. Da erscheinen auch die Preise, die Mazda aufruft, nicht übertrieben. Ende Februar kommt der kleine Japaner zu den Händlern und macht dann VW Polo, Seat Ibiza, Peugeot 208 und sogar einem Audi A1 würdige Konkurrenz.