Sie fühlen sich als die harten Jungs unter den Radfahrern, naturverbunden und hart im Nehmen. Mountainbiker sind da unterwegs, wo sich die "Warmduscher" mit ihren Tourenrädern gar nicht erst hinwagen. In diesen Kreisen war eine elektrische Unterstützung beim Pedalieren vor nicht allzu langer Zeit vollkommen undenkbar. Doch so wie mehr und mehr Komfortelemente an die Mountainbikes (MTBs) kamen, um das Radeln über Stock und Stein angenehmer zu machen, erobert sich auch der Elektromotor am Bike seinen Platz.

"Lithium und Laktat sind längst keine Gegensätze mehr", formuliert Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad. Vor allem, seit die Pedelecs das Image als Rentner-Räder abgelegt haben, entdeckt eine neue Zielgruppe den Reiz des Radfahrens mit elektrischem Rückenwind. Offensichtlich ist die Vorstellung, mit sanfter Hilfe lange Anstiege abseits der befestigten Wege zu meistern und nicht ganz außer Atem den Gipfel zu erreichen, zu verlockend.

Der elektrische Antrieb erweitert zudem die sportlichen Kapazitäten und macht noch steilere Anstiege erreichbar. Und schließlich hat sich das einst plumpe Design der E-Räder gewandelt, ist cool und sportiv geworden. Akkus und Motoren sind inzwischen so integriert, dass die meisten Zeitgenossen – ausgenommen die Puristen unter den Mountainbikern – die Hilfe gar nicht erkennen und höchstens anerkennend dem Radler hinterherblicken.

Allerdings ist das Vergnügen, elektrisch unterstützt über Waldwege zu heizen, nicht gerade preiswert. Unter 2.500 Euro ist kaum ein entsprechendes Rad im Programm der Hersteller. Doch auch die MTBs ohne Motor gehören nicht gerade zu den Sonderangeboten, zumindest sofern sie eine aufwendige Ausstattung bieten. Die Kundschaft ist also durchaus sensibilisiert für höhere Kosten, und so folgt die Industrie dem Trend, dass "sich die Elektrifizierung im gehobenen Segment immer stärker durchsetzen wird", sagt Fehlau. Angesichts des schwachen Euro werden sich die Preise in der Branche, die traditionell in Asien arbeiten lässt und in US-Dollar abrechnet, ohnehin nach oben bewegen.

Jetzt fehlen nur noch E-Rennräder

Wie ein dynamisches Rad aussehen kann, zeigt der Schweizer E-Bike-Hersteller Flyer mit dem Goroc, das mindestens 3.100 Euro kostet. Wie fast alle Räder in diesem Segment wird es von einem dezent montierten Mittelmotor angetrieben. Der stammt in diesem Fall von Bosch. Die niedrige Platzierung erzeugt einen tiefen Schwerpunkt, was sich positiv auf das Fahrverhalten auswirkt.

Das E-Mountainbike Goroc von Flyer © Hersteller

Mit einem Gewicht von 20 Kilogramm gehört das Goroc zu den Leichtgewichten in seiner Klasse. Der Grund: Das Rad ist ein sogenanntes Hardtail, das heißt, das Hinterrad ist nicht gefedert. Dadurch ist es tendenziell leichter. Das Goroc besitzt eine vordere Federgabel mit einem Federweg von 100 bis 120 Millimetern. Die Schaltung bietet zehn Übersetzungen – das klingt nicht nach viel, ist aber auch für schweres Gelände vollkommen ausreichend.

Doppelt so viele Gänge bietet das SDURO AllMtn RC von Haibike ab 4.000 Euro. Der Mittelmotor von Yahama erlaubt die Montage eines Doppelkettenblatts, was den Gipfelsturm deutlich erleichtert. Das noch mal mindestens 300 Euro teurere Xduro FatSix von Haibike mit Bosch-Antrieb und besonders dicken Reifen hat sogar ein Navigationssystem, mit dem sich der Radler auch in unbekanntes Gelände wagen kann.

Weniger für Wege in Wald und Flur, sondern für den Pendler, der am Wochenende auch mal sportlich unterwegs sein will, ist das Charger GT45 HS von Blue Label gedacht, der Zweitmarke des Radherstellers Riese & Müller. Die blau-gelbe Lackierung des Fahrrads soll an die Gulf-Porsche erinnern, die einst in Le Mans siegten. Voriges Jahr gewann Blue Label damit den Red-Dot-Award für Produktdesign. Das Charger GT45 HS wird bis zu 45 km/h schnell, braucht deshalb ein Versicherungskennzeichen und darf nur mit Helm und Mofa-Führerschein gefahren werden. Für diejenigen, denen es weniger schnell gehen darf, gibt es auch eine gedrosselte Version.

Das elektrisch angetriebene Charger GT45 HS von Blue Label © Hersteller

Beobachter der Branche wie Gunnar Fehlau gehen davon aus, dass Fahrräder mit Elektromotor auch in der kommenden Saison Stütze des Fachhandels bleiben werden – vor allem, weil auch urbane Pedelecs inzwischen ein modernes, dynamisches Design zeigen. Bleibt als letztes Segment noch das Rennrad, von dem es bisher nur wenige elektrifizierte Exemplare gibt. Doch "in zwei bis drei Jahren kommen auch elektrische Renner auf den Markt", ist sich Fehlau sicher.