Die Deutsche Bahn will mit einer neuen Bahncard verlorene Kunden zurückgewinnen. Noch in diesem Jahr sollen Fahrgäste die Rabattkarte in allen Varianten für drei Monate kaufen können, wie aus Unternehmenskreisen verlautete. Bisher ist das nur beim Einsteigerangebot mit 25 Prozent Rabatt möglich, die Vielfahrer-Angebote gelten für ein Jahr.

Der Plan ist Teil eines neuen Konzepts für den Fernverkehr, mit dem die Bahn auf die wachsende Konkurrenz durch Fernbusse reagieren will. Das Konzept soll am Mittwochmittag bekannt gegeben werden und neben der neuen Bahncard auch kostenlose Reservierungen in der zweiten Klasse umfassen, sagten Konzern- und Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Bisher kostet eine Reservierung 4,50 Euro. Außerdem würden die Sparangebote ausgeweitet und billiger werden.

Parallel dazu ist vorgesehen, das Streckenangebot auszuweiten und IC und ICE deutlich häufiger halten zu lassen. Dazu würden alle Fernstrecken in ein Kernnetz und ein Ergänzungsnetz gegliedert, hieß es weiter. Im Kernnetz, das zu großen Teilen dem bisherigen Fernnetz entspricht, solle künftig generell im Stundentakt gefahren werden. Für das sogenannte Ergänzungsnetz werde ein Zweistundentakt anvisiert. Dabei würden rund 25 Städte zusätzlich angefahren.

Ziel sei es, praktisch alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern wieder ins Fernnetz aufzunehmen. Deutlich einfacher solle zudem das Umsteigen werden, indem beispielsweise größere Stationen zur vollen Stunde von verschiedenen Zügen angesteuert werden. In den vergangenen Jahren hatte die Bahn viele Städte weitgehend vom Fernverkehr abgehängt, das traf auch Landeshauptstädte wie Potsdam und Schwerin.

Für das neue Konzept werden allerdings deutlich mehr Züge benötigt. Die Pläne würden daher Stück für Stück bis 2030 umgesetzt, sagte ein Bahn-Manager. Die nächsten neuen Fernzüge, die als Doppelstock-IC fahren, sollen gegen Ende des Jahres ausgeliefert werden. Der ICE-Nachfolger ICx kommt den Planungen zufolge ab 2017 auf die Schienen.

Fernbusse von der Bahn lange unterschätzt

Internen Dokumenten zufolge hat die Konkurrenz durch Fernbusse die Bahn im vergangenen Jahr etwa 200 Millionen Euro gekostet. Mit dem Zusammenschluss der Marktführer MeinFernbus und Flixbus hat sich der Druck noch erhöht, da diese auch mit Europastrecken expandieren wollen. 

Die Bahn hatte die Konkurrenz lange unterschätzt und auf die dünnen Gewinne der Fernbus-Betreiber verwiesen. Vor allem aus dem Verkehrsministerium kam jedoch zuletzt die Forderung, die Bahn müsse mit eigenen Initiativen wieder in die Offensive gehen.

Der Eigentümer Bund sieht sich durch die Bahn-Bilanz für 2014 bestätigt: Der Gewinn der Sparte Fernverkehr ist Konzernunterlagen zufolge um über ein Drittel eingebrochen. Die Bahn will nun zum einen ihr eigenes Bus-Angebot in den nächsten Jahren vervierfachen.