Am 29. November 1990 hob der Airbus A320-211 mit der Seriennummer 147 zu seinem Jungfernflug ab. Gestern, fast 25 Jahre später, zerschellte das Flugzeug im Dienst der Germanwings in den französischen Alpen. Die Absturzursache von Flug 4U9525 ist noch unklar.

Der Airbus A320 gilt als eines der sichersten Flugzeuge der Welt. Gleichzeitig gehören viele Exemplare des Erfolgsmodells auch zu den ältesten Maschinen, die momentan im Einsatz sind. Zumindest bei Germanwings. Der verunglückte Flieger war mehr als 24 Jahre im Dienst, erst bei der Lufthansa, dann bei deren Kurzstrecken-Tochter Germanwings. Könnte das hohe Alter der Maschine bei dem Absturz eine Rolle gespielt haben?

Für ein Flugzeug sind 24 Dienstjahre nichts Ungewöhnliches, aber sie liegen an der oberen Grenze der Nutzungszeit. Das Durchschnittsalter der A320-Flotte von Germanwings beträgt laut Daten von Planespotters.net 23,8 Jahre, die gesamte Flotte ist im Durchschnitt 13,8 Jahre alt (siehe Grafik). Bei anderen Airlines wie British Airways oder Air France fliegen deutlich jüngere Modelle dieser Bauart. Grundsätzlich ist das kein Problem, alt bedeutet nicht gleich unsicher.

Mit zunehmendem Alter würden die Flugzeuge allerdings immer wartungsintensiver, sagt ein technischer Mitarbeiter ZEIT ONLINE, der für Lufthansa auch an der A320-Flotte arbeitet. "Der Airbus A320 ist ein sehr sicheres Flugzeug, aber bei Maschinen in diesem Alter wird das Material zu einer immer größeren Schwachstelle", sagt der Techniker.

Seit 1989 wird der Airbus A320 gefertigt, 3.889 Flugzeuge hat das Unternehmen an Fluggesellschaften in der ganzen Welt geliefert. 3.660 davon sind noch immer im Einsatz. Die nun abgestürzte Maschine hatte 46.700 Flüge hinter sich und dabei 58.300 Flugstunden absolviert.

Material ermüdet

Bei jedem Flug wird die Hülle um ein paar Millimeter ausgedehnt und zieht sich bei der Landung wieder zusammen. Das Material arbeitet und ermüdet mit der Zeit. So können zum Beispiel feine Risse entstehen, die unter hohem Druck in mehreren Kilometern Höhe weiter aufreißen und im schlimmsten Fall zu einem Loch in der Hülle führen. Ein derartiges Loch könnte zum Beispiel für einen Druckabfall in der Kabine sorgen und die Piloten zwingen, in einen Sinkflug überzugehen.

Klaus Wolf, Professor am Lehrstuhl für Luftfahrzeugtechnik der TU Dresden, ist skeptisch, ob wirklich ein Materialfehler zu dem Absturz geführt hat – trotz des hohen Alters. "Wenn ein Flugzeug gut gewartet ist, wovon ich in diesem Fall ausgehe, spielt das Alter keine Rolle", sagt Wolf.

Um Risse und andere Probleme zu erkennen, werden die Flieger regelmäßig überprüft. Im Fall von Germanwings übernimmt das die Technik-Sparte des Mutterkonzerns Lufthansa. Nachdem die Flugzeuge auf den kurzen Strecken von Germanwings vier, sechs oder acht Starts am Tag absolviert haben, werden sie über Nacht in einem Hangar geparkt. Alle zwei Tage werden sie dort einem Routine-Check unterzogen, der rund anderthalb Stunden dauert.

"Früher wurden die Flugzeuge noch jeden Tag untersucht, seit etwa fünf Jahren lassen fast alle Airlines nur noch jeden zweiten Tag warten", sagt der auch für Germanwings zuständige Techniker. Diese Two-Day-Checks sowie wöchentliche Wartungen und die rund alle zwei Monate stattfindenden A-Checks werden normalerweise über Nacht erledigt, damit das Flugzeug am nächsten Tag wieder eingesetzt werden kann.