Elektrisch angetriebene Smart an einer Ladestation (Archivbild) © Kai Pfaffenbach/Reuters

Zu Hause ist es am schönsten! Besonders, wenn man sein batterieelektrisches Auto laden will: Mehr als 80 Prozent der Besitzer nutzen nach Auskunft des Bundesverbands eMobilität den heimischen Stellplatz als Stromtankstelle. Allerdings ist es extrem unterschiedlich, wie schnell es hier vorangeht – das hängt von der im Wagen verbauten Ladetechnik ab. Wo ein Renault Zoe nach einer guten Stunde wieder mit vollem Speicher weiterfahren kann, muss ein Volkswagen e-Golf noch sieben weitere Stunden bis zum gleichen Ladestand warten.

Kein Problem, argumentieren viele Hersteller. Über Nacht wird die Batterie schließlich voll. Was sich nach einer reinen Geduldsprobe anhört, ist lebenspraktisch dennoch ein erheblicher Nachteil. Den hat ein schnell ladendes Elektroauto nicht: Von der Arbeit nach Hause pendeln, eine halbe Stunde beim Abendbrot sitzen, und schon sind genug frische Kilometer in der Batterie, um die Kinder zum Sport zu bringen. Sprich: Eine hohe Ladegeschwindigkeit kann die bei den meisten Fahrzeugen begrenzte Reichweite unwichtig oder weniger relevant machen.

Die entscheidende Größe zum Vergleich ist die Ladeleistung, die in Kilowatt (kW) angegeben wird. Mit Wechselstrom (abgekürzt AC für alternating current) beträgt sie beim e-Golf 3,7 kW; laut VW dauert das Laden rund acht Stunden. Voraussetzung dafür ist allerdings die für alle batterieelektrischen Autos unbedingt empfehlenswerte Wallbox. Das ist vereinfacht gesagt ein optimierter Sicherungskasten mit Softwaresteuerung und einer Buchse für den inzwischen normierten Typ-2-Stecker. Die Kosten liegen bei rund 1.000 Euro plus Installation. An der normalen Haushaltssteckdose dauert das Laden des e-Golf sonst noch einmal fünf Stunden länger.

Bei den meisten Hausanschlüssen für die Wallbox sowie bei den vielen tausend öffentlichen Typ-2-Wechselstromsäulen sind 22 kW Ladeleistung abrufbar. Von diesem Potenzial nutzen etliche batterieelektrische Autos nur einen Teil, wie eben der e-Golf. Oder die Hersteller verlangen für höhere Ladeleistungen einen Aufpreis.

So braucht das meistverkaufte Elektroauto der Welt, der Nissan Leaf, ebenfalls rund acht Stunden bis zur Vollladung. Wer beim Kauf des Wagens noch mal 1.047 Euro investiert, halbiert die Zwangspause, denn dann verdoppelt sich die Ladeleistung von 3,3 auf 6,6 kW. Ähnlich ist es beim Smart electric drive: Serienmäßig lässt sich mit 3,7 kW laden, gegen 3.060 Euro extra steigt die Leistung auf 22 kW. Damit verkürzt der Stadtwagen die maximale Standzeit auf eine Stunde.

Zu Hause AC, unterwegs DC

Der deftige Aufpreis verrät, wo die Ursache für die unterschiedlichen AC-Ladeleistungen liegt: Es geht wie so oft ums Geld. Die Elektronik an Bord beansprucht zudem den in jedem Auto hart umkämpften Bauraum, und das Gewicht der Bauteile muss immer mitgeschleppt werden. Die Fahrzeugentwickler prüfen also sorgfältig, wie ein vernünftiger Kompromiss aus Praxistauglichkeit einerseits und anderen Parametern wie den Kosten aussieht.

Regiert in Wolfsburg also der Geiz, während anderswo die Spendierhosen angezogen sind? Nein, so einfach ist das nicht.

Denn auch Volkswagen folgt einem logischen und langfristig gedachten Konzept. Neben dem Laden mit Wechselstrom, das beim e-Golf als Über-Nacht-Lösung ausgelegt ist, kann er gegen Aufpreis von 600 Euro mit Gleichstrom (abgekürzt DC oder direct current) geladen werden. Damit steigt die Ladeleistung auf 50 kW; in einer halben Stunde ist die Batterie zu 80 Prozent gefüllt.