Wer zu spät kommt, kriegt nichts ab: 2009 kauften mehr als 1,7 Millionen Deutsche ein neues Auto, um 2.500 Euro für den tatsächlich oder gefühlt schrottreifen Altwagen einzustreichen. Abwrackprämie nannte der Volksmund die vom Staat ausgerufene Umweltprämie. Und die Bürger griffen zu. Ein ähnlich erfolgreiches Direktförderungsprogramm hat Norwegen für Elektroautos aufgelegt: Für 50.000 neu zugelassene Fahrzeuge sollte die Mehrwertsteuer in Höhe von 25 Prozent sowie die einmalige Registrierungssteuer entfallen, die besonders bei luxuriösen und leistungsstarken Autos extrem hoch ist. Außerdem gewährt der norwegische Staat den Fahrern von Elektromobilen diverse Privilegien.

Die 50.000er-Marke wurde Mitte April, viel früher als erwartet, erreicht – eine hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass Norwegen nur gut fünf Millionen Einwohner hat. Umgerechnet auf Deutschland mit über 80 Millionen Menschen würde das mehr als 800.000 Elektroautos entsprechen. Das Programm der Norweger läuft zunächst weiter – allerdings hat die Regierung gerade beschlossen, die Steuernachlässe ab 2018 schrittweise einzuschränken.

Kann das skandinavische Modell ein Vorbild für Deutschland sein?

Die Situation im Heimatland von BMW, Daimler und Volkswagen ist deprimierend. Die Interessenten von i3 oder e-Golf müssen sich damit abfinden, dass der freie Markt regiert und batterieelektrische Autos vergleichsweise teuer sind. Der Staat gewährt lediglich eine zehnjährige Befreiung von der Kfz-Steuer, die ab Januar 2016 auf fünf Jahre verkürzt wird. Was wiederum ohne Auswirkungen bleibt, weil die Fördersummen ohnehin vernachlässigbar gering sind. So kostet der häufig gekaufte Basis-Golf mit Benzinmotor pro Jahr lediglich 60 Euro Steuer; bis 2025 insgesamt 600 Euro an Kfz-Steuer zu sparen, kann für niemanden ausschlaggebend sein.

Auch das Elektromobilitätsgesetz wird in der Szene der Stromfahrer als Rohrkrepierer bezeichnet. Unter anderem räumt der Bund den Kommunen die Möglichkeit ein, Busspuren freizugeben. Viele Städte haben diese Option sofort abgelehnt, weil ein vermehrter Kauf von Elektroautos in kürzester Zeit den öffentlichen Nahverkehr stark behindern würde. Was bleibt, ist das immer noch nicht aufgegebene Ziel von einer Million E-Fahrzeugen bis zum Jahr 2020.

Was ist dem Käufer der Verbrennungsmotor wert?

Dabei ist das Elektroauto in Deutschland nach wie vor wenig attraktiv. Ganz anders in Norwegen – dort bleiben die Stromer finanziell reizvoll. Neugierige können sich die erstaunlichen Endkundenpreise in den Auto-Konfiguratoren ansehen. Ein Beispiel: Der Volkswagen e-Golf kostet mit umgerechnet gut 30.000 Euro weniger als die preisgünstigste Variante mit Verbrennungsmotor. Zieht man zusätzlich in Betracht, dass die Serienausstattung beim e-Golf üppiger ist, sieht sich der Kaufinteressent in Norwegen vor eine ungewohnte Frage gestellt: Welchen Aufpreis bin ich bereit, für ein Auto mit Verbrennungsmotor zu bezahlen?

Neben dem Preis wirken sich aber auch Sonderbedingungen des Landes auf den Absatz der E-Autos aus. Auf Autobahnen darf nicht schneller als 100 km/h gefahren werden, und auf Überlandstraßen gelten 90 oder 80 km/h als zulässige Höchstgeschwindigkeit. Das sind ideale Bedingungen, um mit batterieelektrischen Autos hohe Reichweiten zu realisieren.

Aus ökologischer Sicht hat Norwegen den weiteren Vorteil, dass der Strom vollständig aus Wasserkraft gewonnen wird. Die elektrische Energie ist vielfach kostenfrei, und eine Infrastruktur ist vorhanden: Traditionelle Autos mit Diesel- oder Benzinmotoren nutzen seit Jahren das Stromnetz, um Kühlwasser und Innenräume bei tiefen Temperaturen vorzuheizen. Die Fahrer sind den Umgang mit einem Stecker gewohnt.