In fünf Jahren könnten Autos völlig automatisch von Autobahnauffahrt bis Autobahnabfahrt unterwegs sein, ohne dass der Mensch auch nur einen Blinker setzen muss. Der Schritt vom teil- zum hochautomatisierten Fahren ist dabei größer, als man vielleicht denken mag. Die Lücke etwa vom Staupiloten, der selbstständig Abstand hält, die Geschwindigkeit anpasst und die Spur hält oder korrigiert, zum selbst fahrenden Auto scheint nicht mehr so groß.

Doch der technische Aufwand ist um einiges höher, wie der Autozulieferer Bosch jetzt erläuterte – zum Beispiel, weil eine Absicherung in Form von Redundanz benötigt wird. Sei es bei den Sensoren, wo sich künftig Kamera, Radar und Laser ergänzen, für den Fall, dass einer – beispielsweise die Kamera wegen Sonneneinblendung – ausfällt. Sei es bei der Bremse, wo bei den Bosch-Prototypen ESP und der elektromechanische Bremskraftverstärker unabhängig voneinander bremsen können. Bosch-Ingenieure sind seit 2013 mit automatisch fahrenden Prototypen – einem 3er BMW und neuerdings auch einem Tesla Model S – auf der Autobahn A81 und einer US Interstate unterwegs.

Neben technischen und immer noch nicht geklärten rechtlichen Voraussetzungen entwickelt sich auch die Art und Weise weiter, wie Fahrer und Fahrzeug miteinander kommunizieren. Der Fahrer müsse Vertrauen in das System haben, sagt Bosch-Geschäftsführer Dirk Hoheisel. "Vertrauen entsteht, wenn das Fahrzeug ständig und leicht verständlich darüber informiert, was es gerade tut."

Vernetzung verlangt schnelles Internet

So meldet beispielsweise in den derzeitigen Prototypen das System, sobald automatisiertes Fahren auf einem Streckenabschnitt möglich ist. Zum Aktivieren dieser Automatik muss der Fahrer für drei Sekunden gleichzeitig zwei Knöpfe am Lenkrad drücken, so dass irrtümliches Aktivieren ausgeschlossen ist. Rechtzeitig vor einem Spurwechsel kündigt das Auto sein Vorhaben an.

Darüber hinaus sind hochautomatisierte Fahrzeuge auf Informationen über das Umfeld angewiesen, die über das hinausgehen, was die Sensoren erfassen können: Echtzeit-Verkehrsdaten, etwa zu Staus oder Unfällen. Ein hochautomatisiertes Fahrzeug wird deshalb mit einem Server vernetzt sein und seine Daten von dort bekommen – und senden. Es fungiert so quasi auch selbst als Sensor für das große Ganze des Verkehrsgeschehens, anonymisiert, versteht sich.

Das ist effizienter als eine Car-to-car-Kommunikation, also eine Kommunikation von Fahrzeugen untereinander. Die beschriebene Technik setzt allerdings das flächendeckende Vorhandensein schnellen Internets voraus – eine weitere Hürde, die der Zulieferer benennt. "Ohne Investitionen in die Infrastruktur wird es nicht gehen", sagt Hoheisel.

Das automatisierte Fahren wird den Straßenverkehr sicherer machen, davon ist man bei Bosch überzeugt. Schließlich ist in 90 Prozent der Fälle menschliches Fehlverhalten Auslöser von Unfällen. Bereits die fortschreitende Verbreitung von Fahrerassistenzsystemen werde einen Beitrag zu weniger tödlichen Verkehrsunfällen leisten, so Bosch. Rund 2.000 Entwickler arbeiten beim Zulieferer daran, die Assistenten weiterzuentwickeln.