Batterien sind eine dreckige Angelegenheit. Nicht für den stolzen Besitzer eines elektrisch betriebenen SUV, der mit einem sogenannten Nullemissionsauto sein Umweltbewusstsein demonstriert. Aber in China, wo die Energiespeicher dafür produziert werden, ist die Luft 40-mal so dreckig, wie sie nach westlichen Standards sein dürfte.

Kevin Czinger wurde das bewusst, als er seinen Sohn ins chinesische Harbin schickte, als Mitarbeiter in eine Fabrik seiner einstigen Firma Coda Automotive. Wie stark ein Auto die Umwelt belastet, hängt nicht nur von der Energie ab, die es beim Fahren verbraucht. Ein Auto muss gebaut werden unter Einsatz von Rohstoffen. Um es fahrbereit zu machen, muss man entweder Öl fördern und raffinieren oder eben Batterien produzieren. Die Umweltbelastung, die schon entstanden ist, bevor das Auto einen einzigen Kilometer gefahren ist, kann man oft nicht mehr gut machen, auch wenn der Wagen noch so sauber fährt.

Deshalb konnte Czinger am Mittwoch auf der Solid-Konferenz in San Francisco einen Sportwagen präsentieren, der mit einem 700 PS starken Verbrennungsmotor in zwei Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt – und trotzdem nach seiner Aussage eine bessere Ökobilanz hat als jedes Elektrofahrzeug.

700 PS sind nur Beiwerk

Auf der Konferenz, die sich in erster Linie um das Internet der Dinge und neue Produktionsverfahren dreht, war das Auto namens Blade ein Hingucker. Zwar gab es schon früher Autos mit Plastikteilen aus dem 3D-Drucker, aber beim Blade ist erstmals das tragende Chassis Schicht für Schicht gedruckt worden. Der Wagen ist ein sexy Gefährt, das Autonarren begeistern kann. Natürlich ist das Berechnung – es soll bloß nicht der Eindruck entstehen, hier werde ökologische Askese gepredigt. Aber der hochgezüchtete Motor und die kurvige Karosserie sind lediglich Beiwerk.

Die eigentliche Innovation trägt Kevin Czinger bei seiner Präsentation in einer größeren Sporttasche auf die Bühne. Darin befinden sich die Einzelteile des Blade-Chassis: ein paar standardisierte Kohlefaser-Streben aus der Flugzeugindustrie sowie ein Satz von Aluminiumteilen, in die diese Streben gesteckt werden. Diese Nodes, also Knoten, werden in einem 3D-Druckverfahren aus Aluminiumpulver gesintert, das mit einem Laser geschmolzen wird. Die Teile lassen sich innerhalb einer halben Stunde zusammenstöpseln und wiegen zusammen 46 Kilogramm. Eine solche Struktur könnte nicht nur Basis eines Rennflitzers sein, versichert Czinger, sondern auch größerer Wagen bis hin zum Pick-up-Truck.

Zum Sinneswandel des 55-jährigen Unternehmers hat vielleicht auch beigetragen, dass der Coda, das von seiner Firma produzierte Elektroauto, ein Flop war. Gerade hundert Fahrzeuge wurden verkauft, die Produktion wurde eingestellt. Czinger stieg aus der Firma aus, die inzwischen nur noch Batterien produziert.