Wer 1,1 Promille Alkohol im Blut hat, ist als Autofahrer absolut verkehrsuntüchtig und macht sich strafbar. Doch schon die 0,5-Promille-Marke definiert den Gefahrengrenzwert, der zu einem Bußgeld von mindestens 500 Euro führen kann. Im Gegensatz dazu ist für Radfahrer aktuell die absolute Verkehrsuntüchtigkeit bei 1,6 Promille festgelegt. Demnach dürfen Radler viel mehr trinken und sich dann theoretisch noch auf das Velo schwingen, ohne ein Bußgeld zu fürchten.

Das könnte sich allerdings ändern. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) und weitere Vereine und Institutionen fordern, dass der Gesetzgeber auch für Radfahrer einen zusätzlichen Gefahrengrenzwert von 1,1 Promille als Bußgeldtatbestand in das Straßenverkehrsgesetz aufnimmt. Zwar können sich Radler genauso wie Autofahrer schon ab 0,3 Promille wegen relativer Fahrunsicherheit strafbar machen, wenn ein alkoholtypischer Fahrfehler festgestellt wird. In der Praxis gelingt dieser Nachweis ohne Unfall allerdings nur selten.

Der Höchstwert wird außerdem oft falsch gedeutet: 1,6 Promille ist nicht als Grenze zu verstehen, bis zu der man sicher auf dem Rad unterwegs ist – so betrunken kann niemand mehr sicher Rad fahren. Deshalb macht man sich am Lenker ab 1,6 Promille auch strafbar, ohne dass eine alkoholbedingte Fahrunsicherheit nachgewiesen werden muss. Wer nicht erheblich an Alkohol gewöhnt ist, kann in der Regel ab diesem Wert sein Gefährt meist nicht einmal wiederfinden oder aufschließen.

Selbst 1,0 Promille geht über einen leichten Rausch hinaus und wird bei geselligen Anlässen nur selten erreicht. Ab diesem Wert der Alkoholisierung wird das Radfahren deutlich gefährlicher. Von den alkoholisierten Radfahrern verunglückten rund 85 Prozent mit 1,1 Promille und mehr. Insgesamt ist der Anteil der Fahrradunfälle mit Alkoholeinfluss 2013 allerdings auf weniger als 4,4 Prozent gesunken.

Beim Fahrrad werden nicht so hohe Anforderungen an den Fahrer gestellt wie beim Pkw, und von ihnen geht auch nicht so eine hohe Gefährdung aus. Bei der Promillegrenze steht hier besonders der Eigenschutz im Vordergrund, denn für berauschte Radler endet eine Kollision trotz geringerer Geschwindigkeit meist schwerer. Beispielsweise fallen alkoholisierte Radler im Vergleich zu nüchternen Fahrern rund drei Mal häufiger mit dem Gesicht auf den Asphalt, berichtet Roland Huhn vom ADFC. Der Gesetzesvorschlag des Radverbands soll Verkehrsunfälle verhindern und die Eigenverantwortung der Radler fördern.