Die Botschaft ist einfach und unmissverständlich. "Lieferung frei Haus inkl. Montage", verspricht ein süddeutsches Möbelhaus in seinem Prospekt und bietet damit einen Kundenservice, der heutzutage in allen Branchen üblich ist. In fast allen: Nur Autohändler halten hartnäckig an einer Unsitte aus der Vergangenheit fest und kassieren beim Kauf eines Neuwagens Überführungskosten.

Dabei geht es nicht einmal um die Lieferung des Autos bis vor die eigene Haustür, sondern lediglich um den Transport vom Werk zum Händler. "Das Auto ist kein Buch, das schlicht per Post verschickt wird, und auch keine Waschmaschine, die einfach hingestellt und sofort betriebsbereit ist", versucht Claudia Weiler vom Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) die Zusatzkosten zu erklären. Die Logistik sei enorm und werde durch Speditions-, Maut- und Versicherungsgebühren verteuert.

Als ob solcherlei Aufwand für Haushaltsgeräte, Möbel oder Bücher nicht notwendig wäre. Doch welcher Kunde muss für den Transport eines Kleiderschranks von der Fabrik zum Lager des Möbelmarkts bezahlen?

Die Entfernung zum Händler sei für die Überführungskosten maßgebend, argumentiert der Verband der Automobilindustrie (VDA). Das klingt plausibel, entspricht aber nicht der Wirklichkeit. Beispiel BMW: Wer einen neuen 5er in der Münchener Werksniederlassung kauft, bezahlt für die Überführung 849 Euro. Im 800 Kilometer entfernten Hamburg kostet der gleiche Service aber nur 655 Euro. Und in Italien berechnet die Automarke für die Neuwagenlieferung einheitlich rund 1.180 Euro – egal, ob das Auto in Palermo oder in Bozen verkauft wird.

Justizministerium spricht von Irreführung

"Die gesonderte Berechnung von Überführungskosten neben dem reinen Kaufpreis sorgt immer wieder für Ärger", berichtet Klaus Heimgärtner vom ADAC. Er bedauert, dass sich daran in den vergangenen Jahren nichts geändert hat. Der Autoclub kritisiert vor allem, dass viele Autohändler die hohen Zusatzkosten in ihrer Werbung verschweigen und erst am Ende des Verkaufsgesprächs damit herausrücken.

Diese Methode sei vom Gesetzgeber im Sinne der "Transparenz in der Preisgestaltung" so vorgeschrieben, behauptet der VDA. Das Justizministerium in Berlin, auch für Verbraucherschutz zuständig, sieht das jedoch ganz anders und spricht von "irreführenden geschäftlichen Handlungen", wenn Verkäufer in der Werbung nicht den vollständigen Lieferpreis angeben. So stehe es im Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb und in der Preisangabenverordnung, erklärt Ministeriumssprecher Mathias Schulz. Letztendlich sei jedoch stets der Einzelfall maßgebend.

Um diese Einzelfälle kümmert sich zum Beispiel die Frankfurter Wettbewerbszentrale. Seit vielen Jahren steht die Kontrollinstitution Händlern beratend zur Seite, geht bei Beschwerden aber auch gegen Autohäuser vor, die in ihrer Werbung nur Preise "ab Werk" angeben.

Solche Abmahnungen waren bisher stets eine klare Sache, wie Geschäftsführer Andreas Ottofülling erläutert: "Die Überführungskosten sind in der Autobranche obligatorisch – man bekommt praktisch keinen Neuwagen, ohne diese Zusatzgebühren zu bezahlen. Also müssen sie ebenso wie die Steuern in den Endpreis einberechnet und in der Werbung angegeben werden."