Die Energiewende im Straßenverkehr steht ganz am Anfang. Zwar verbrauchen die 44 Millionen Autos nur elf Prozent der Primärenergie in Deutschland, aber sie sind abhängig von Kraftstoffen auf Rohölbasis. Daran ändert auch die kleine Menge des beigemischten und zweifelhaften Agrarsprits nichts. Zu den Pkw gesellen sich die Busse im öffentlichen Nahverkehr und auf der Fernreise sowie als Rückgrat der Wirtschaft die Nutzfahrzeuge vom Handwerkertransporter bis zum 40-Tonner.

Die allermeisten tanken Benzin oder Diesel, einige wenige nehmen Erd- oder Autogas. Und die Verbrennungsmotoren werden immer genügsamer. Dennoch führt langfristig kein Weg daran vorbei, viele oder sogar alle Fahrzeuge zu elektrifizieren. Technisch ist es möglich, dem traditionellen Motor den Garaus zu machen und ausschließlich mit Strom zu fahren. Was aber ist wahrscheinlich? ZEIT ONLINE stellt drei Szenarien vor. 

1. Die Fahrbahn wird zur Stromquelle

Es gibt eine Vision, wirklich jedes Fahrzeug inklusive des Schwerlastverkehrs zu elektrifizieren: das induktive Laden während der Fahrt. Dabei wird Strom kabellos über eine Spule in der Straße ins Auto oder den Laster übertragen. Nicht im Stand, sondern während der Fahrt. Das funktioniert, wie Wissenschaftler am Fraunhofer IFAM in Bremen lebenspraktisch bewiesen haben. 

Es hat viele Vorteile: Wenn zum Beispiel die rechte Spur der 13.000 Autobahnkilometer mit dieser Technik ausgerüstet wäre, könnten die Batterien schrumpfen. Die Fahrzeuge bräuchten lediglich genug gespeicherte Energie, um vom heimischen Ladepunkt bis zur Auffahrt von A1 oder A7 zu kommen. So könnten das Gewicht und der Ressourcenverbrauch im einzelnen Auto oder Laster sinken. Dazu kommt, dass die Fahrbahn nicht nur Strom abgeben, sondern auch aufnehmen könnte. Die bei Bergab-Strecken normalerweise in den Scheibenbremsen vernichtete Energie würde direkt ins Netz gespeist werden. Und anders als alternative Modelle mit einer Oberleitung wäre das System gegen vom Sturm umgeknickte Bäume und Diebstahl immun.

Auf absehbare Zeit ist die Umsetzung dieses Ansatzes trotzdem wenig wahrscheinlich, denn dafür müsste immens in die Infrastruktur investiert werden. Die Deutsche Bahn mit ihrem über 33.000 Kilometer langen Streckennetz zeigt, wie schwierig es ist, die Kosten für Installation und Wartung in den Griff zu bekommen. Zugleich würde ein Projekt zum induktiven Laden während der Fahrt einen gemeinsamen Willen von Politik, Industrie und Verbrauchern erfordern, und das am besten europaweit – eine Wunschvorstellung.

Fazit: Eine intelligente und in sich logische Idee, die von Wissenschaft und Forschung im Auge behalten werden sollte.