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Bisher gibt es in Deutschland keine gesetzliche Helmpflicht für Radfahrer – doch eine Mehrheit der Deutschen ist dafür, eine solche Regelung zu schaffen. Das zeigt die Infografik, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. Sie beruht auf den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage, für die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa 2.057 Bundesbürger befragt hat.

Demnach befürworten 58 Prozent eine Helmpflichtregelung – für alle (41 Prozent) oder zumindest für bestimmte Personengruppen wie Kinder oder Senioren (17 Prozent). Fast jeder Dritte ist aber dagegen, dass Radfahrern ein Kopfschutz vorgeschrieben wird.

Schaut man sich näher an, welches das bevorzugte Verkehrsmittel ist – Auto oder Fahrrad – dann findet man einen klaren Unterschied: Wer im Alltag viel mit dem Auto fährt, spricht sich zu 42 Prozent für eine allgemeine Helmpflicht aus (dagegen: 32 Prozent); bei den regelmäßigen Radlern ist es fast genau umgekehrt: Nur knapp jeder Dritte (32 Prozent) befürwortet die Helmpflicht, 44 Prozent wären mit einer solchen Vorschrift nicht einverstanden.

Interessant ist zudem, dass eine Mehrheit nie einen Helm trägt, wenn sie sich aufs Fahrrad setzt. Von allen Befragten gaben 47 Prozent an, keinen Helm zu tragen – rechnet man diejenigen heraus, die angaben, kein Fahrrad zu fahren, dann ist der Prozentsatz der Helmverweigerer noch größer (58 Prozent). Von den Radfahrern gaben nur 14 Prozent an, immer mit Kopfschutz Rad zu fahren; "meistens" sagten 15 Prozent.

Fahren Autofahrer bei Helmpflicht weniger umsichtig?

Wie sinnvoll Fahrradhelme und ein Helmzwang überhaupt sind, ist auch unter Forschern umstritten. Um sich vor schweren Kopfverletzungen zu schützen, ist nach Meinung der Deutschen Verkehrswacht und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ein Helm sinnvoll. Laut einer Statistik der Hannelore Kohl Stiftung lassen sich 80 Prozent der schweren Hirnverletzungen mit Helmen verhindern. So plädieren auch Polizisten und Unfallchirurgen für den Helm.

Kritiker fürchten dagegen einen psychologischen Effekt, der vor allem bei einem Helmzwang auftreten könnte. Ihr Argument: Wenn eine breite Masse von Radfahrern mit Helm unterwegs ist, könnten Autofahrern unbewusst dazu neigen, weniger umsichtig zu fahren, etwa wenn sie Radler überholen. In den Niederlanden sind Radhelme kaum verbreitet, und obwohl der Radverkehr dort einen deutlich größeren Anteil als in Deutschland ausmacht, sind die Unfallzahlen wegen der besseren Infrastruktur niedriger.

Zudem könnten sich zu viele Radler bei einer Helmpflicht vom Zweirad abschrecken lassen – damit würde der gesellschaftliche Nutzen des Radfahrens, etwa für die allgemeine Gesundheit, abnehmen. Gegner des Helmzwangs stören sich ohnehin daran, dass allein den Radfahrern aufgebürdet würde, die Sicherheit im Straßenverkehr zu verbessern. Laut ADFC sind die häufigsten Ursachen für Fahrradunfälle fahrlässig abbiegende Auto- und Lkw-Fahrer. Der Fahrradclub fordert seit Jahren, das Radfahren in den Städten sicherer zu machen – durch eine bessere Infrastruktur.

Derzeit wirbt das Bundesverkehrsministerium mit besonderen Plakaten dafür, regelmäßig mit Helm Rad zu fahren. Als Werbefigur trat zunächst der behelmte Bösewicht Darth Vader aus der Filmreihe Star Wars auf – der Slogan dazu: "Die Saga geht weiter: Dank Helm. Gilt in jeder Galaxie. Und auf dem Fahrrad." Inzwischen gibt es eine zweite Runde der Kampagne: mit Star-Wars-Sturmtruppen. Kritiker machten sich über die Aktion lustig.

Verkehrssicherheit - Wenn Straßenverkehr Aggressionen weckt