Immer mehr Knöpfe für die steigende Zahl der Funktionen, die man im Auto bedienen kann – das ist Vergangenheit. In vielen modernen Fahrzeuginnenräumen ist das Cockpit aufgeräumt. Möglich machen es Touchscreens oder ein zentraler Dreh-Drück-Steller, über den alles angesteuert wird. Künftig soll die Fahrzeugbedienung noch intuitiver reagieren, wenn der Fahrer einen Wunsch äußert oder eine Handbewegung macht. Das Ziel ist, den Fahrer so wenig wie möglich vom Fahren abzulenken.

Augen auf der Straße und Hände am Lenkrad: Am besten geht das mit einer Sprachsteuerung. Die wird bereits hinunter bis in die Kompaktklasse angeboten. Allerdings ist die Bedienung heutiger Sprachfunktionen oft eher anstrengend statt erleichternd, weil sie nur wenige, sehr konkrete Befehle entgegen nehmen, eine genuschelte Antwort nicht verstehen oder lange rechnen müssen, bis ein Befehl ausgeführt wird. Die neuen Systeme hingegen sollen ganz normale Sätze verstehen können und deutlich schneller reagieren.

Voraussetzung für die "natürliche Spracherkennung" sind unter anderem schnelle Prozessoren und ein in das Fahrzeug eingebettetes System. Letzteres ist zwar teurer, kann aber schneller reagieren als die Alternative, ein cloudbasiertes System. "Wenn es länger als eine Sekunde dauert, ist der Kunde frustriert", sagt Jeff Owens. Er ist Technologievorstand des Automobilzulieferers Delphi, der Mitte September auf der IAA in Frankfurt ein neues System vorstellt. "Wenn die Reaktionszeit unter einer Sekunde beträgt, ist der Kunde überrascht und dankbar."

In Zeiten, in denen Speicherplatz immer günstiger wird, hält Owens es für wahrscheinlich, dass schon bis zum Ende des Jahrzehnts der Großteil der neuen Autos mit einem ins Fahrzeug eingebetteten System ausgestattet ist. Die cloudbasierte Lösung, die zum Beispiel auch per Apple Carplay oder Android Auto über das Smartphone realisiert werden kann, wäre dann eine Lösung fürs kleine Budget.

Gestensteuerung mit nicht wenigen Handzeichen

Neben der natürlichen Sprachsteuerung soll auch die Bedienung mit Gesten die Ablenkungsgefahr senken. Dafür muss der Fahrer zwar eine Hand vom Lenkrad nehmen. Weil er aber nicht genau zielen muss – wie beispielsweise, wenn er einen Knopf oder den Touchscreen antippen wollte – kann er weiter auf die Straße schauen.

Im neuen BMW 7er, der auf der IAA zu sehen ist, wird das System zum ersten Mal in einem Serienfahrzeug eingesetzt. Fünf verschiedene Handzeichen gibt es. Werden sie vor der Mittelkonsole ausgeführt, soll laut BMW die Kamera die Handbewegung erkennen. Lässt man beispielsweise den Zeigefinger rechts herum kreisen, dreht man die Musiklautstärke lauter, links herum leiser.

Zwar wären eine Menge mehr Handzeichen möglich, doch ob sie auch sinnvoll sind, ist eine andere Frage. "Niemand kann wollen, dass der Kunde 20 verschiedene Gesten auswendig lernt", sagt Delphi-Vorstand Owens. Die Gestensteuerung, die der Zulieferer auf der IAA zeigt, ist zwar in der Lage, 15 bis 20 Bewegungen zu erkennen – dass ein Autohersteller sie alle gleichzeitig anbietet, hält Owens nicht für sinnvoll.

Eine weitere Schwierigkeit ist die Dreidimensionalität, verbunden mit der persönlichkeitsspezifischen Ausführung vieler Bewegungen. Denkbar wäre, wie beim Smartphone mit zwei Fingern zu zoomen, um ohne langes Tippen eine Navi-Karte zu vergrößern. Doch das ist eine Geste auf zwei verschiedenen Achsen, die man sehr unterschiedlich ausführen kann – da ist die Gefahr zu groß, dass das System das Handzeichen verwechselt.

Noch für eine ganze Weile werden Sprach- und Gestensteuerung heutige Bediensysteme ergänzen und nicht ersetzen, sagt Owens. Er gibt ein Beispiel: "Ich denke, Kunden mögen die Sicherheit, das Radio mit einem mechanischen Knopf lauter oder leiser zu stellen." Je mehr man sich aber an den digitalen Lebensstil gewöhne, umso eher akzeptiere man auch neue Bedienmöglichkeiten im Auto. Und welche Bedienung angeboten werde, werde künftig von der Charakteristik des Fahrzeugs abhängen. "Die Fahrzeughersteller haben unterschiedliche Visionen, das ist Teil des Wettbewerbs", sagt Owens.