Die Automobilzulieferer agieren weitgehend im Hintergrund und entwickeln im Schatten der großen Herstellernamen neue Technologien oder fertigen gar ganze Bauteile in Eigenregie. Doch zur IAA rücken sie sich nach vorn und stellen auf der Frankfurter Messe vor, was wir Endkunden in wenigen Jahren in vielen Serienmodellen der großen Hersteller wiederfinden werden.

Die großen Themenfelder sind schnell abgesteckt: Elektrifizierung, Konnektivität und Sicherheit – daran wird durch die Bank geforscht, getüftelt und entwickelt. Wir haben uns an den IAA-Ständen der Zulieferer, wo traditionell weniger Betrieb herrscht als bei BMW, Daimler und VW, einige wichtige Neuheiten näher angesehen. 

ZF Friedrichshafen etwa, einer der ganz großen auf dem Zulieferermarkt, arbeitet nicht nur an einzelnen Bauteilen, sondern stellt auf der IAA mit dem Advanced Urban Vehicle ein Konzeptauto vor, das die intelligente Vernetzung von Fahrwerks-, Antriebs- und Fahrerassistenzsystemen demonstriert. Eine neuartige Vorderachse mit 75 Grad Einschlagwinkel, die mitlenkende Hinterachse und radnahe Motoren erlauben einen äußerst kleinen Wendekreis von 6,50 Metern, der vor allem beim Ein- und Ausparken seinen Trumpf ausspielt. Und damit das noch leichter geht, kann das Parken außerhalb des Autos mit der Smartwatch oder dem Mobiltelefon erledigt werden.

Bosch kämpft um jeden Meter Reichweite

Ebenfalls kein Unbekannter ist Bosch. Dort arbeiten die Ingenieure unter anderem an neuen Akkus für Elektroautos. Die bisher eingesetzten Lithium-Ionen-Stromspeicher sollen nach der Vorstellung des Zulieferers schon bald Lithium-Polymer-Batterien weichen. Sie sollen mehr als die doppelte Reichweite bieten, bei weniger als der Hälfte der bisherigen Kosten. Damit werde die Elektromobilität schätzungsweise ab 2020 einen gehörigen Sprung nach vorne machen, heißt es bei Bosch.

Bis das soweit ist, will Bosch mit einem verbesserten Thermomanagement Elektroautos effizienter machen. Bei Kälte soll der Fahrgastraum nicht nur elektrisch beheizt, sondern auch das bisschen Wärme, das E-Motor und Leistungselektronik abgeben, so intelligent genutzt werden, dass damit der Innenraum angenehm temperiert werden kann. Auf diese Weise spart das System laut Bosch rund 60 Prozent des sonst zum Heizen verwendeten Stroms ein – und damit steige die Reichweite um bis zu 25 Prozent.

Außerdem zeigen die Schwaben an ihrem IAA-Stand viele kleine Assistenten und Helferlein, die schon bald das Autofahrerleben leichter machen könnten. Zum Beispiel der Homezone Park Assist: Dem Auto wird dabei einmal der Weg in die heimische Garage beigebracht und fortan erledigt es das Ein- und Ausparken allein auf Tastendruck.

Bosch arbeitet außerdem an einem Geisterfahrerwarner, der nicht – wie ein Mercedes-System – im falschfahrenden Auto Alarm schlägt. Das bringt in der Regel nichts, da über die Hälfte der Geisterfahrten absichtlich stattfinden. Stattdessen werden über Mobilfunk andere Fahrzeuge informiert, die das gleiche herstellerunabhängige System nutzen und sich im Gefahrengebiet befinden. Und für alle, die Angst in engen Baustellen haben, arbeitet der Zulieferer noch an einem Assistenten, der automatisch die Spur in der engen Gasse hält.

Der Autozulieferer Bosch arbeitet an einem Geisterfahrerwarner. © Bosch

Kostal denkt ans well-being

Der italienische Bremsenzulieferer Brembo, der aus dem Motorsport kommt, arbeitet derweil intensiv an der Brake-by-Wire-Technik, also der Übertragung des Bremsbefehls per Datenkabel und nicht mehr physisch. Das hat Mercedes zwar schon vor einigen Jahren in der E-Klasse probiert, aber nur mit wenig Erfolg. Doch bald soll die Technik reif für die Serienfertigung sein und dem Fahrer dann ein direkteres Bremsgefühl und schnellere Reaktionszeiten bieten als heute.

Am autonomen Fahren und an der Hybrid-Technik tüftelt auch Continental. Auf der IAA zeigt der Zulieferer aus Hannover darüber hinaus aber auch eine Plattform für Apps, die das Auto noch mehr in den Alltag einbinden soll. Wenn zum Beispiel zu Hause ein Paketbote klingelt, soll dieser per Videoübertragung auf dem Display im Auto erscheinen – dann kann der Paketempfänger am Lenkrad direkt mit dem Zusteller kommunizieren und die Abgabe der Postsendung regeln. Das Auto soll also zu einem weiteren Wohn- oder Arbeitszimmer werden.

Kostal, einer der weniger bekannten Zulieferer, beschäftigt sich intensiv mit der – allerdings noch recht fernen – Zukunft, wenn das vollautomatische Fahren Realität geworden ist. Dann hat der Passagier während der Fahrt Zeit zu arbeiten oder zu entspannen. Well-being ist das Schlagwort, das auf der Messe immer wieder fällt, es beschreibt das Wohlfühlen im Auto. Kostal, das unter anderem den Duftspender für die Mercedes S-Klasse beisteuert, will eine Wellnessoase schaffen, mit bequemen Liegesesseln und Schlummerduft, damit der Fahrer entspannter aus- als einsteigt.