Innerhalb von zwei Jahrzehnten haben sich die beiden zum gleichen Konzern gehörenden Marken Hyundai und Kia von koreanischen Billiganbietern zu ernsthaften Konkurrenten für die Volumenmarken Ford und Opel, mehr noch aber für die japanischen und französischen Importmarken wie Mazda oder Peugeot entwickelt. Während Hyundai dabei eher auf den distinguierten Auftritt setzt, fertigt Kia aus der identischen Technik optisch eher sportlich angehauchte Modelle.

Der Erfolg der kleineren Schwestermarke begann in Deutschland 2002 mit der Einführung des Sorento. Seit diesem Jahr ist die dritte Generation auf dem Markt, und das Fahrzeug hat sich wie die meisten Vertreter dieser Gattung gewandelt: vom Geländewagen zum SUV mit eindeutigem Pkw-Charakter. Das zeigt sich schon optisch bei der vom deutschen Chefdesigner Peter Schreyer spannungsvoll, aber nicht übertrieben gezeichneten Karosserie und setzt sich im Innenraum mit feinen Materialien und guter Verarbeitung fort.

Beim Start des Motors stutzen wir sogar: Hat Kia uns ein Modell mit einem in dieser Klasse unüblichen Benzinmotor hingestellt? Kann nicht sein, denn für den Sorento ist nur ein Antrieb im Angebot: ein 2,2 Liter großer Dieselmotor, der 147 kW (200 PS) Leistung liefert. Aber der Selbstzünder ist so leise (oder so gut gedämmt), dass man selbst im kalten Zustand kaum ein dieseltypisches Knurren oder gar Nageln vernehmen kann.

Tatsächlich passt der Diesel ausgezeichnet zu diesem immerhin 4,78 Meter langen SUV. Den Sorento gibt es auch mit reinem Frontantrieb, unser Testfahrzeug verfügt aber über Allradantrieb. Das maximale Drehmoment ist mit 440 Newtonmetern recht hoch, steht zudem in einem für Diesel relevanten Bereich zwischen 1.750 und 2.750 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung und fällt auch darüber nicht abrupt ab.

Geländewagen? Das war einmal!

In knapp zehn Sekunden erreicht der Koreaner 100 km/h und beschleunigt weiter auf bis zu 200 km/h. Mehr muss auch nicht sein, der Sorento fühlt sich bei mittlerem Tempo auf der Autobahn deutlich wohler. Zumal die sechsstufige Automatik zwar im Großen und Ganzen ihre Arbeit zufriedenstellend verrichtet und mit weichen Schaltwechseln die Insassen erfreut – für ein Fahrzeug mit Premiumanspruch müssten es aber ein bis zwei Gänge mehr sein. Trotzdem waren wir mit dem Testverbrauch von glatt acht Litern letztlich zufrieden, versprochen waren 6,7 Liter.

Moment mal, war da gerade ganz nebenbei von Premium die Rede? Nun, das ist sicher eine Frage der Definition, aber so ganz weit entfernt ist der Sorento davon inzwischen nicht mehr. Die Qualität stimmt, es fehlt lediglich an Image. Das nimmt man angesichts der Preise und der wie stets bei Kia siebenjährigen Garantie (bis 150.000 Kilometer Laufleistung) aber gerne in Kauf.

Unser Testwagen war mit den aufpreispflichtigen zwei Zusatzsitzen ausgerüstet, was das SUV also zum Siebensitzer macht. Wir haben es ausprobiert: Zwei ausgewachsene, allerdings noch junge und mit entsprechend dehnungsfreudigem Körper versehene Männer schafften es problemlos in die dritte Reihe und hielten es dort auch 50 Kilometer lang aus. Das schafft längst nicht jedes SUV mit sieben Sitzen.

Allradantrieb und Navi, Xenonlicht, Rückfahrkamera, Spurhalte- und Spurwechselassistent, Ledersitze und 19-Zoll-Alufelgen: Unser Sorento war tatsächlich komplett ausgestattet und ließ keine Wünsche offen. Sein Preis von 51.190 Euro lässt einen erschrecken – vor allem da der Grundpreis mit rund 35.000 Euro ausgewiesen ist, für ein Fahrzeug mit fünf Sitzen, Frontantrieb und dem Nötigsten an Komfort.

Dennoch ist das Kia-SUV selbst in der Vollausstattung ein Schnäppchen verglichen mit deutschen Wettbewerbern. Ein Volkswagen Touareg mit etwa gleichstarkem Diesel startet erst bei 53.000 Euro und kostet mit vergleichbarer Ausstattung am Ende wohl rund 20.000 Euro mehr als der Kia. Da könnten selbst eingefleischte Fans hiesiger Autobaukunst ins Grübeln kommen: Auch Feinde asiatischer Hersteller müssen zugeben, dass der Sorento mindestens ein bisschen Premium ist. Da verzeiht man dem großen SUV auch, dass er seine Gene inzwischen komplett eingebüßt hat. Denn was seine ursprünglichen Fähigkeiten jedoch angeht, lässt sich nur sagen: ende Gelände.

Technische Daten

Motorbauart: 2,0-Liter-Turbodiesel
Leistung: 147 kW (200 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
Normverbrauch: 6,7 Liter je 100 Kilometer
CO2-Emission: 177 g/km
Abgasnorm: Euro 6
Testverbrauch: 8,0 Liter je 100 Kilometer
Grundpreis: ab 34.990 Euro (Fünfsitzer)