Die Botschaft des ADAC ist unmissverständlich: "Ohne Stau kommt keiner mehr durch!" Auf Deutschlands Fernwegen wird gebaut wie wild. Mehr als 400 Autobahnbaustellen bestehen bereits, weitere werden eingerichtet. Marode Brücken, sogenannte Blow-ups im Beton, verschlissene Aspehaltdecken – das Fernstraßennetz ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden.

"Ich habe die größte Innovationsoffensive in die Infrastruktur gestartet, die es je gegeben hat", sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und fügt hinzu: "Jede Investition löst auch eine Baustelle aus." Dobrindt verspricht ein spezielles Arbeitstellenmanagement, das kurze Bauzeiten und wenig Verkehrsbehinderungen sicherstellen soll.

Doch lange Staus sind nicht die einzigen ärgerlichen Nebenwirkungen der enormen Bautätigkeit auf Deutschlands Schnellstraßen. Sicherheitsexperten befürchten auch einen neuen Unfallrekord: Sie warnen vor den Gefahren auf den  engen Fahrspuren. Immerhin sechs von 100 schweren Autobahnunfällen ereignen sich in Baustellenbereichen.

Als besonders gefährlich gelten die Ein- und Ausfahrzonen, wo die Fahrspuren verschwenkt oder auf die Gegenseite übergeleitet werden. "Hier kommt es bis zu sechsmal häufiger zu Unfällen als auf Autobahnabschnitten ohne Baustellen", stellen die Unfallforscher der deutschen Autoversicherer nach einer detaillierten Sicherheitsanalyse fest.

Für die Mehrzahl der Autos zu schmal

Auch Walter Eichendorf, der Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR), spricht von "überdurchschnittlichem Unfallgeschehen" und setzt sich dafür ein, "die Verkehrsführung innerhalb der Baustellen zu verbessern". Deshalb empfiehlt er zum Beispiel zusätzliche Richtungspfeile auf der Fahrbahn, Warnleuchten sowie Längsmarkierungen mit Rütteleffekt, die Autofahrer warnen, wenn sie von der Fahrspur abkommen.

Im Mittelpunkt der Kritik stehen aber die schmalen Fahrstreifen. Sie versetzen viele Autofahrer regelmäßig in Angst und gelten als Ursache Tausender Unfälle. Als vorgeschriebenes Maß für die linke Fahrspur in Baustellenbereichen gelten bundesweit zwei Meter plus 25 Zentimeter Pufferzone an beiden Seiten. Doch diese Vorschrift ist hoffnungslos veraltet. Heute sind laut ADAC fast 70 Prozent aller Autos breiter als zwei Meter, so dass die Fahrer ihre Wagen oft zentimetergenau an Lastwagen und Leitplanken vorbei jonglieren müssen. Dabei riskieren sie ein Bußgeld, wenn sie gegen die Breitenvorschrift verstoßen.

Deshalb fordert der Verkehrssicherheitsrat seit Jahren, die Baurichtlinie des Bundes zu aktualisieren. Der DVR hält für die linken Fahrstreifen eine generelle Mindestbreite von 2,20 Meter plus zwei Mal 25 Zentimeter Pufferzone für notwendig – also insgesamt 2,70 Meter. Dadurch könnten viele Unfälle verhindert werden, argumentieren die Fachleute.

Weil eine solche bundeseinheitliche Regelung aber nicht existiert, haben jetzt manche Landesregierungen die Initiative ergriffen. Sie verändern die Spurbreiten in den Autobahnbaustellen. Das Ergebnis ist ein wirres Durcheinander von Verkehrsregeln und Fahrbahnbreiten, die sich nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern oft auch von Baustelle zu Baustelle unterscheiden.