Zwar kostet ein Pkw mit Dieselantrieb in der Anschaffung mehr als ein vergleichbares Auto mit Ottomotor, doch wer viel mit dem Wagen unterwegs ist, fährt den Mehrpreis schnell wieder rein. Der Kraftstoff ist vergleichsweise günstig, und weil in einem Liter Diesel mehr Energie steckt als in einem Liter Benzin, ist der Verbrauch in aller Regel auch niedriger.

Hinzu kommt, dass der deutsche Staat Diesel an der Tankstelle fördert. Die Energiesteuer für Benzin liegt bei rund 65 Cent je Liter, auf Diesel ruht eine Abgabenlast von 47 Cent. So spart ein Dieselfahrer gegenüber dem Benzinfahrer pro Liter 18 Cent.

Die seit Jahren bestehende Besserstellung von Diesel hat dazu geführt, dass die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen in Deutschland kräftig gestiegen ist. 1990 machte der Dieselantrieb bei den Neuverkäufen gerade mal elf Prozent aus – inzwischen liegt der Anteil bei 48 Prozent (Januar bis September 2015).

Dabei gibt es aber große Unterschiede zwischen den Herstellern. Bei neuzugelassenen Autos von BMW und Audi macht Diesel inzwischen fast 70 Prozent aus, und auch mehr als die Hälfte der Neuwagen von VW und Mercedes hat mittlerweile einen Dieselmotor. Bei Opel beträgt der Dieselanteil hingegen rund 30 Prozent, bei dem für Hybridantriebe bekannten Hersteller Toyota machen Diesel-Pkw auf dem deutschen Markt nur 21 Prozent aus.

Dass die Top 3 der Dieselverkäufer (Audi, BMW, Mercedes) genau die Hersteller sind, die vor allem als Anbieter von Firmenwagen attraktiv sind, verwundert nicht: Wie beschrieben lohnt sich das Dieselfahren vor allem für Leute, die viel unterwegs sind. Und für die Hersteller vor allem großer Autos ist der Dieselantrieb relevant, weil er aufgrund des geringeren Verbrauchs auf 100 Kilometer auch weniger CO2 ausstößt – der Diesel spielt eine wichtige Rolle, um die strenger werdenden CO2-Grenzwerte zu erreichen.

Der wachsende Anteil des Dieselantriebs bei den Neuwagen hat dazu geführt, dass auch der Pkw-Bestand immer diesellastiger geworden ist. Der Anteil der Pkw, die hierzulande mit Diesel fahren, ist von 2006 bis 2015 von 21,9 auf 31,2 Prozent gestiegen. Entsprechend sank der Benzinanteil von 77,9 auf 67,2 Prozent. Wie sich der Dieselanteil auf die wichtigsten Automarken verteilt, zeigt die folgende Infografik.

Umweltschützer kritisieren seit Langem die steuerliche Bevorzugung von Dieselkraftstoff, die vor allem für Spediteure und Handwerker eingeführt wurde. Angesichts des VW-Dieselskandals hat die Kritik daran wieder zugenommen. Schließlich macht der Diesel trotz besserer CO2-Bilanz genügend andere Probleme, mit Feinstaub und mit Stickoxiden, die jetzt im Mittelpunkt des VW-Skandals stehen. In Dieselmotoren ist es schwieriger und damit aufwändiger, die Abgase sauber zu bekommen; zudem sind heute auch Benzinmotoren vergleichsweise CO2-arm geworden.

In Frankreich, wo Dieselkraftstoff ebenfalls geringer besteuert wird, will die Regierung ab 2016 die Steuer auf Diesel anheben und die Abgaben auf Benzin senken, um beide binnen fünf Jahren anzugleichen. In Deutschland stehe eine Veränderung der Dieselsteuer dagegen "nicht auf der Agenda", machte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) klar.