Wenig Strom, viel Bewährtes – so lässt sich das Autojahr 2016 zusammenfassen. Ob edle Limousinen, Coupés und Cabrios oder neue SUVs, alles ist dabei. Lediglich Hybridmodelle und E-Autos sind nur wenige unter den Neuheiten zu finden.

Ein Höhepunkt wird das Model X des kalifornischen Elektroauto-Pioniers Tesla sein. Das Cross-over mit hinteren Flügeltüren wird in der zweiten Jahreshälfte 2016 in die Verkaufsräume kommen. Bis zu sieben Personen können im Model X sitzen, eine Akkuladung soll für mehr als 450 Kilometer Strecke reichen. Außerdem bekommt das bislang einzige Serienfahrzeug mit Brennstoffzelle, der Toyota Mirai, Konkurrenz: Honda will im September mit dem Verkauf seiner wasserstoffbetriebenen Limousine Clarity beginnen. Allerdings fehlt faktisch nach wie vor eine Tank-Infrastruktur.

In erster Linie werden aber bereits bestehende Stromer-Modelle aufgefrischt. BMW etwa will Ende 2016 seinen elektrisch angetriebenen i3 mit höherer Reichweite auf den Markt bringen – die Rede ist von rund 250 Kilometern. Auch das meistverkaufte Elektroauto der Welt, der Nissan Leaf, erhält leistungsfähigere Batterien. Die Reichweite steigt ebenfalls auf 250 Kilometer. Ende des Jahres bringt dann die Daimler-Marke Smart die Elektroversionen des Fortwo und des Forfour auf den Markt.

Selbst Jaguar reitet die SUV-Welle

Wenn überhaupt ein Elektromotor, dann höchstens als Ergänzung, das ist bei den meisten Herstellern weiter die Regel. Anfang März geht zum Beispiel der Plug-in-Hybrid Q7 e-tron in den Handel, BMW bestückt seinen neuen 7er im kommenden Jahr ebenfalls mit einem Plug-in-Hybridantrieb. Auch der umfangreich überarbeitete SUV RAV4 von Toyota soll erstmals einen Hybridantrieb bekommen.

Von Hyundai sickerte durch, dass man im Herbst 2016 ein neues kompaktes Cross-over vorstellen will, das sowohl als Benzin-Hybrid als auch als reines Elektroauto vermarktet wird. Etwas später soll eine Plug-in-Version folgen. Die Schwestermarke Kia zeigt schon auf dem Genfer Auto-Salon im März ihr erstes Hybrid-CUV – hinter dem Kürzel verbirgt sich das City Utility Vehicle, also gewissermaßen die SUV-Stadtflitzer-Variante. Der Kia Niro soll in Genf neben der Plug-in-Version des Kia Optima stehen.

Prototyp des Kia-CUV Niro © Hersteller

Q7 e-tron, RAV4, Niro – drei Belege dafür, dass der SUV-Boom noch lange nicht den Zenit erreicht hat. Schon jetzt ist fast jeder fünfte Neuwagen in Deutschland ein Sport Utility Vehicle, wie die hochbeinigen Autos mit Offroad-Optik genannt werden. Das Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen erwartet für 2016 einen weiter steigenden Marktanteil, auch wegen eines wachsenden Angebots. Dazu zählen unter anderem die zweite Generation des Segment-Bestsellers VW Tiguan, aber auch, wie der Niro, neue Modelle ohne direkten Vorläufer.

Der Tiguan startet im Frühjahr als klassischer Fünfsitzer, im Herbst ergänzt eine Langvariante mit sieben Sitzen das Angebot. Auf dem Genfer Salon feiert der Audi Q2 seine Weltpremiere, der kleinste SUV der Volkswagen-Tochter wird zum Gegner des Mini Countryman. SUVs werden auch von den VW-Marken Seat und Škoda erwartet. Jaguar schickt Mitte April erstmals in der Firmengeschichte ein Cross-over ins Rennen, den F-Pace, und sogar Bentley und Alfa Romeo stellen im nächsten Jahr SUV-Modelle vor.

S-Klasse in kleiner

Daneben wird 2016 das Jahr der Business-Limousinen in der oberen Mittelklasse. Sortiert man die Neuheiten dahingehend, wie sie das alltägliche Straßenbild prägen werden, liegt die Mercedes-Benz E-Klasse an der Spitze. Die ab Frühjahr erhältliche Limousine wird mit veredeltem Design und umfangreicher Technik zu einer S-Klasse in kleiner. Stolz ist Mercedes besonders auf neue Autopilot-Funktionen für den Schnellstraßenverkehr, die selbst das automatisierte Überholen ermöglichen sollen.

Auch der für den Herbst erwartete BMW 5er wird sich beim teilautonomen Fahren wohl nicht lumpen lassen. Weil Limousine und Kombi die Technik des größeren BMW 7er nutzen, dürfte als Technik-Gag zudem die Gestensteuerung für das Infotainment an Bord sein. Gegen das süddeutsche Duo tritt im Frühsommer der Volvo S90 als Herausforderer an.

Der Fiat 124 kommt im Juni 2016 als Italo-Ableger des Mazda MX-5. © Hersteller

Ein wenig kurz kommt 2016 das Spaßauto-Segment. Zu den hoffnungsvollsten Neustartern zählt im Juni der Fiat 124, eine italifizierte Variante des Roadster-Klassikers Mazda MX-5. Anders als in vielen solchen Fällen von Technikübernahmen hat es Fiat aber nicht beim Austausch des Markenlogos belassen, sondern eine eigenständige Karosserie über das Mazda-Chassis gestülpt. Unterm Blech gibt es zudem einen eigenen Turbomotor.