Optisch nicht langweilen, aber auch nicht erschrecken: Renault hat für die vierte Generation seines Kompaktmodells Mégane den goldenen Mittelweg gewählt. Nicht zu forsch und futuristisch wie der Kia Ceed oder der Honda Civic, aber auch nicht zu brav und bieder wie ein Peugeot 308 oder ein Nissan Pulsar. Es ist schließlich gar nicht so leicht, sich gegen die deutschen Bestseller VW Golf und Opel Astra zu behaupten.

Im Vergleich zum Vorgängermodell kommt der neue Mégane allerdings mutiger daher. Die Front wird von dem großen Markenlogo geprägt, außerdem fallen ab der dritten Ausstattungslinie, die wohl am meisten nachgefragt werden dürfte, die C-förmig um die Scheinwerfer gezogenen Tagfahrlichter auf. Auch am Heck setzt Renault auf eine auffallende Lichtsignatur: Die LED-Leuchten sind hier bis weit in die Mitte gestreckt und leuchten wie das vordere Tagfahrlicht, sobald der Motor gestartet wird.

Die Schräghecklimousine wirkt jetzt flacher und breiter, die Überhänge sind kürzer. Von Stoßstange zu Stoßstange misst der Franzose nun 4,36 Meter – das sind 6,5 Zentimeter mehr als zuvor. Vom Längenwachstum profitierten die Insassen, und zwar vorn wie hinten. Der Kofferraum ist dagegen im Vergleich zum Vorgängermodell kleiner geworden: Sein Volumen ist um 21 Liter auf 384 Liter gesunken. Klappt man die asymmetrisch geteilten Rückbanklehnen um, passen bis zu 1.247 Liter rein.

Lieber digitaler oder analoger Tacho?

Das Cockpit wird, wie auch beim neuen Espace und Talisman, von einem großen Touchscreen dominiert. Über diese bedient man das Multimediasystem R-Link 2: Navigation, Telefon, Fahrassistenten und andere Funktionen werden per Wischen und Berühren gesteuert. Allerdings ist der Verzicht auf Bedienknöpfe nicht immer kundenfreundlich. Will man zum Beispiel die Stärke des Gebläses variieren, muss man sich erst durch das Menü arbeiten. Das ist während des Fahrens nicht sinnvoll.

Außerdem kann man mit dem Bildschirm verschiedene Fahrmodi ansteuern. Zusätzlich lassen sich eigene fahrerische Vorlieben wie der Lenkwiderstand oder das Ansprechverhalten des elektronischen Gaspedals personalisieren. Eine nette Spielerei ist die Möglichkeit, die Farbe der Ambientebeleuchtung sowie die Farbe und die Grafik der Instrumente zu ändern. Je nach Laune kann man so vom digitalen Tacho auf eine analoge Anzeige wechseln und die Hintergrundfarbe der Instrumente von grün auf blau oder violett stellen. Die Leuchtbänder an den Türen erstrahlen ebenfalls auf Wunsch in unterschiedlichen Farben.

Zum Marktstart Anfang März 2016 bietet Renault für den Mégane drei Benziner und drei Dieselmotoren an. Die Selbstzünder leisten 66 bis 96 kW (90 bis 130 PS), die Ottomotoren liegen zwischen 74 und 151 kW (100 und 205 PS). Der stärkste Turbobenziner ist der GT-Variante vorbehalten, die sich unter anderem durch eine sportlichere Front und Allradlenkung auszeichnet.

Mit einem Normverbrauch von durchschnittlich 3,3 Litern je 100 Kilometer ist der 81 kW (110 PS) starke Dieselmotor in der verbrauchsoptimierten Version das zurzeit sparsamste Triebwerk. Ab 2017 soll ihm jedoch ein Dieselhybrid diese Führungsrolle streitig machen.

Ungewöhnliche Extras für einen Kompakten

Auf ersten Testfahrten überzeugte der 130 PS starke Diesel durch seine Laufruhe. Er spielt sein maximales Drehmoment von 320 Nm gekonnt aus, Reserven für Überholvorgänge sind genügend da. So vermittelt er ein souveränes und vernünftiges Fahrvergnügen. Der Normverbrauch ist mit vier Litern pro 100 Kilometer angegeben. Bei entspannter Fahrweise zeigte der Bordcomputer 5,4 Liter an.

In Deutschland dürfte der 1,2 Liter große Vierzylinder-Benziner (97 kW/132 PS) der meistgewählte Motor für den Mégane werden. Er gibt sich mit einem Normwert von 5,4 Litern recht sparsam. In der dritten Ausstattungsstufe Intens – sie enthält unter anderem 16-Zoll-Leichtmetallräder, schlüssellosen Zugang, Fernlichtassistent und Klimaautomatik – kostet der Wagen dann mindestens 22.290 Euro. Für das alternativ zum Sechsgang-Getriebe erhältliche Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verlangt Renault 1.900 Euro Aufpreis.

Bestellbar sind darüber hinaus auch ein Head-up-Display, beheizbares Lenkrad, Ledersitze und Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalte-Warner und automatischer Einparkassistent – Extras, die im Kompaktsegment nicht ganz so verbreitet sind. Gute Argumente, um sich als Alternative eines VW Golf, Opel Astra, Ford Focus, Peugeot 308, Mazda3 oder Hyundai i30 zu positionieren, bringt der neue Mégane also mit. Zudem gewährt Renault jetzt eine Fünfjahresgarantie auf das Fahrzeug. Im NCAP-Crashtest hat der Kompakte gerade die Fünf-Sterne-Wertung erhalten.

Den Anfang macht im März der Schrägheck-Fünftürer, im Sommer folgt die Kombivariante Grandtour. Eine Coupé- und eine Cabrio-Variante wird es nicht mehr geben. Die Basisversion mit dem 74 kW (100 PS) starken 1,2-Liter-Benziner kostet ab 16.790 Euro.

Technische Daten

Motorbauart: 1,2-Liter-Turbobenziner
Leistung: 97 kW (132 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 10,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 198 km/h
Normverbrauch: 5,4 Liter je 100 Kilometer
CO2-Emission: 120 g/km
Preis: ab 22.290 Euro (Intens)

Motorbauart: 1,6-Liter-Turbodiesel
Leistung: 96 kW (130 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 10,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 199 km/h
Normverbrauch: 4,0 Liter je 100 Kilometer
CO2-Emission: 103 g/km
Preis: ab 25.090 Euro (Intens)