Zulieferer sind die versteckten Champions der Automobilindustrie. Sie entwickeln neue Technologien, beraten die Hersteller und fertigen ganze Bauteile in Eigenregie. Neuheiten, die sie 2015 vorgestellt haben, erleben wir bald auf der Straße – der Zeitraum von der Entwicklung bis zur Serienproduktion wird zunehmend kürzer.

Auf dem Weg zum autonomen Fahrzeug lernt das Auto zum Beispiel, immer sicherer zu fahren. Bosch will bis 2018 ein System zum Einsatz bringen, das Fußgänger nicht nur erkennt und eine Bremsung einleitet – das können Assistenten schon heute –, sondern auch eine Ausweichroute berechnet und den Fahrer beim anschließenden Manöver unterstützt.

Bereits kurzfristig in Serie geht der Totwinkel-Assistent für Motorradfahrer. Er soll den Spurwechsel sicherer machen. Wie beim Auto erfassen Sensoren den Raum, der allein mit den Spiegeln nicht oder nur schlecht einsehbar ist, und warnen den Fahrer bei Gefahr.

ZF TRW arbeitet an Airbags, die die Insassen im Fond bei einem Frontaufprall auffangen. © ZF TRW

Kommen Warnungen zu spät, werden im Auto die Insassen zukünftig von neuartigen Airbags geschützt. Der Zulieferer ZF TRW hat ein Luftkissen entwickelt, das sich zwischen Fahrer und Beifahrer entfaltet, damit sie sich insbesondere bei einem Seitenaufprall nicht zu nahe kommen. Außerdem sollen bis in gut zwei Jahren Airbags serienreif sein, die die Insassen auf der Rückbank bei einem Frontaufprall auffangen. Weniger konkret sind die Aussichten für einen Außen-Airbag, den ZF auf der IAA 2015 gezeigt hat. Er bläst sich bei einem drohenden Aufprall aus dem Türschweller auf der Außenseite auf, um das Auto zu schützen.

Kameras statt Außenspiegel

Parken kann man sein Auto in Zukunft auch von außerhalb, über eine Smartwatch oder ein Mobiltelefon. Sogar Auto plus Anhänger lassen sich über das Smartphone in eine Parklücke dirigieren – während man zugunsten einer besseren Übersicht daneben steht. Die technischen Anforderungen dafür sind längst entwickelt.

Rechtliche Voraussetzungen müssen indes für eine potenzielle Neuerung geschaffen werden: Ab 2018 könnten laut Continental Kameras die Innen- und Außenspiegel von Autos ersetzen. Wie das aussehen könnte, zeigt Volkswagen gerade auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas an seiner Elektrovan-Studie BUDD-e. Die Kombination aus Kamera und Bildschirm im Cockpit soll aber nicht nur aerodynamische Vorteile haben, sondern auch mehr Komfort und Sicherheit bieten. Die Kameras erlauben ein größeres Sichtfeld ohne tote Winkel, sind weniger empfindlich gegen Wettereinflüsse sowie Beschädigungen und können mit neuen Assistenzfunktionen kombiniert werden.

Auch im Innenraum stehen in den kommenden Jahren Neuerungen an. Die dank Smartphone und Tablet mittlerweile geläufige Touchbedienung nimmt in künftigen Autos weiter zu. So können nach der Vision des Zulieferers Yanfeng fast alle Knöpfe durch berührungsempfindliche Flächen ersetzt werden – einschließlich des Automatikwählhebels. Gestensteuerung und eine Spracherkennung, mit der man normal sprechen kann, anstatt Befehle zu lernen, werden als zusätzliche, möglichst ablenkungsfreie Bedienmöglichkeiten schnell hinzukommen, heißt es beim Zulieferer Delphi. Einen Anfang machte 2015 die Oberklasselimousine 7er von BMW, in der man etwa das Radio steuert, indem man vor dem Display die Hand bewegt und so etwa die Lautstärke regelt.

Günstigerer Niedrigvolt-Hybrid

Natürlich hat sich auch bei der Elektrifizierung einiges getan. Quasi die komplette Zulieferer-Elite arbeitet an der 48-Volt-Technik, die das über Jahrzehnte übliche Bordnetz mit zwölf Volt Spannung ablösen soll – allerdings nicht in naher Zukunft. 2016 hat die höhere Spannung im Q7, dem größten SUV-Modell von Audi, ihren ersten Serienauftritt.

Vom sogenannten Mild-Hybriden mit 48 Volt – der günstiger ist als die gängige Hochvolt-Hybridtechnik – versprechen sich die Hersteller Kraftstoffersparnis: Delphi geht von rund 15 Prozent aus. Wettbewerber Bosch hat im vergangenen Jahr bereits die zweite Generation des 48-Volt-Hybriden vorgestellt, der nun auch kurze Strecken rein elektrisch fahren kann. Zudem haben die Stuttgarter angekündigt, dass Elektroautobatterien schon in fünf Jahren mehr als doppelt so viel Reichweite bieten werden, bei deutlich geringeren Kosten.

In engen Städten und bei hohem Verkehrsaufkommen in urbanen Regionen wird die Wendigkeit eines Autos immer wichtiger. ZF hat im vergangenen Jahr ein Versuchsauto mit einem Wendekreis von 6,5 Metern vorgestellt – zum Vergleich: Der Smart kommt auf 6,95 Meter. Dass das ZF-Fahrzeug den kleinen Daimler schlägt, liegt an seiner Vorderachse mit 75 Grad Einschlagwinkel, einer mitlenkenden Hinterachse und Motoren in Radnähe.