Seine ersten Fahrversuche hatte das dreirädrige Gefährt bereits im Oktober 1885 heimlich im nächtlichen Mannheim absolviert. Zwar noch nicht ganz störungsfrei, aber doch so zufriedenstellend, dass sein Konstrukteur Carl Benz das kutschenähnliche Dreirad am 29. Januar 1886 als "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin anmeldete. Und das mit Erfolg, wie das im November bewilligte Patent mit der Nummer 37435 bescheinigte.

Bei der ersten öffentlichen, durch einen Zeitungsbericht belegten Probefahrt am 3. Juli 1886 durch Mannheim füllte einer der Benz-Söhne Leichtbenzin aus einer Flasche nach, da der Tank nur 1,5 Liter fasst. "Wenn ich einen solchen Stinkkasten hätte, würde ich zu Hause bleiben" und "Schade um den Mann, er wird sich und sein Geschäft mit dieser verrückten Idee ruinieren", sollen kritische Zeitgenossen geäußert haben. Der Tüftler wusste aber auch zu berichten, dass ein Mann mit einem Geldkoffer in der Hand in seinen Werkstatthof spazierte, um schon seinen ersten – noch unverkäuflichen – Patent-Motorwagen zu erwerben.

Ähnlich unterschiedliche Reaktionen seiner Mitbürger erlebte Gottlieb Daimler, der in Cannstatt – damals ein Vorort von Stuttgart – fast zeitgleich wie Benz einen gemeinsam mit Wilhelm Maybach entwickelten Einzylinder-Benzinmotor in eine klassische Kutschkonstruktion einbaute. Damit gilt Daimler als Erfinder des ersten vierrädrigen Automobils. Nur ein Jahr zuvor hatte er schon den patentierten Motor-Reitwagen als Urvater aller Motorräder auf die Straße gebracht.

Bis es Benz und Daimler aber gelang, ihre Autos zu vermarkten und in Serie zu bauen, sollten noch drei Jahre vergehen. Es war eine Zeit mit Messeauftritten in München und öffentlichen Testfahrten, deren berühmteste Berta Benz 1888 über 80 Kilometer nach Pforzheim absolvierte, begleitet von ihren Söhnen Eugen und Richard. Die Fahrt war abenteuerlich: Benzin gab es nur in Apotheken, Kühlwasser musste mehrfach nachgefüllt werden, und ein Dorfschmied gewährte Pannenhilfe für das gefährlich wirkende Gefährt.

Das Patent vom 2. November 1886 für den von Carl Benz eingereichten Motorwagen © Daimler

Dennoch berichteten die Zeitungen enthusiastisch über diese kühne Reise, und die Gefährte von Benz und Daimler zählten 1889 zu den gefeierten Sensationen der Pariser Weltausstellung. Schon damals gab es heiße Diskussionen darüber, wer das Auto wirklich erfunden hat. Schließlich wird bis heute mehr als 50 Tüftlern die Erfindung dieses entscheidenden Meilensteins der Mobilitätsgeschichte zugesprochen. Klar ist: Das erste Patent erhielt Carl Benz, der den Ur-Motorwagen seit 1906 vom Deutschen Museum in München präsentieren ließ.

Der Motorwagen und Daimlers Motorkutsche entstanden auch als Reaktion auf die großen Dampf-Lokomobile. Diese Giganten der Straße ähnelten Lokomotiven und stammten vor allem aus Großbritannien. Ihnen sollte letztlich aber ebenso wenig die Zukunft gehören wie allen anderen Dampfautos aus den vergangenen 250 Jahren. So wollte der Franzose Nicolas Cugnot schon im 18. Jahrhundert dem Auto Dampf machen. Das maximal fünf km/h schnell fahrende Gefährt war jedoch unlenkbar und fuhr 1771 geradewegs gegen eine Mauer. Vor allem im 19. Jahrhundert tüftelte in England eine Reihe von Männern am Dampfantrieb. Dampfomnibusse verbreiteten sich in Großbritannien.