Deutschlands Autofahrer tanken derzeit so günstig wie seit Jahren nicht. Mit dem Absturz des Ölpreises auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren sind auch die Kraftstoffpreise deutlich gesunken. Ein Liter Super E10 kostet laut ADAC im Tagesmittel diese Woche 1,215 Euro, Diesel liegt bei durchschnittlich 97,2 Cent je Liter.

Trotzdem können Autofahrer nicht darauf hoffen, dass der Sprit jetzt nochmals erheblich günstiger wird. Denn der Großteil des Preises, den sie an der Tankstelle zahlen, wird über die Steuern bestimmt.

Eine Beispielrechnung: Ein Liter Superbenzin kostete im Dezember rund 1,29 Euro. Nach der Statistik des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) beträgt der Nettopreis gerade mal 43,12 Cent – also ein Drittel des Tankstellenpreises. Der Nettopreis umfasst den eigentlichen Produktpreis (29,53 Cent) und den sogenannten Deckungsbeitrag (13,59 Cent) für Vertriebs-, Verwaltungs- und Lagerkosten.

Zwei Drittel des Preises, den Autofahrer an der Tankstelle zahlen, macht die Steuer aus. Die Energiesteuer (die frühere Mineralölsteuer) schlägt mit 65,45 Cent pro Liter Super zu Buche, und auf den Komplettpreis fallen dann noch 19 Prozent Mehrwertsteuer an. Bei Diesel machte der Nettopreis im Dezember rund 40 Prozent des Tankstellenpreises (1,0591 Euro) aus, rund 64 Cent pro Liter gingen an den Staat.

Fixe Energiesteuer setzt Grenzen

Würde Superbenzin so günstig, dass es im Einkauf nur noch halb so viel kostet wie im Dezember, läge der Tankstellenpreis immer noch bei 1,10 Euro. Die Rechnung: Ausgehend von den Dezemberzahlen betrüge der Produktpreis dann rund 14,8 Cent pro Liter. Hinzu kommt der Deckungsbeitrag, der in den vergangenen Jahren um den Mittelwert 12,5 Cent geschwankt ist. Zu diesen 27,3 Cent kämen dann noch Energie- und Mehrwertsteuer in Höhe von insgesamt 83 Cent.

Weil die Energiesteuer fix ist, wird ihr prozentualer Anteil bei sinkendem Einkaufspreis immer größer. Läge dieser theoretisch gar bei null Euro, würde der Liter immer noch immer noch 92 Cent kosten. Günstiger kann es nicht werden. Wobei dies ein theoretischer Wert ist, nicht eingerechnet sind nämlich die Verarbeitungskosten von Rohöl zu Superbenzin.

Die gleichen Rechnungen lassen sich auch für Dieselkraftstoff anstellen. Für einen an den Rohstoffmärkten halbierten Dieselpreis würde der Tankstellenkunde immer noch 87 Cent zahlen. Gäbe es Diesel theoretisch "umsonst", würde er trotzdem noch 71 Cent kosten. Der Preis ist niedriger, weil der Staat auf Dieselkraftstoff eine geringere Energiesteuer erhebt als auf Benzin.

Laut MWV verdienen Mineralölgesellschaften an der Tankstelle aus dem Verkauf von Benzin und Diesel durchschnittlich lediglich einen Cent pro Liter, unabhängig davon, ob die Kraftstoffpreise gerade hoch oder niedrig sind. Trotz der derzeit niedrigen Spritpreise lohnt es sich allerdings, zu bestimmten Tageszeiten zu tanken. Abends zwischen 18 und 20 Uhr sind die Preise im Tagesverlauf bundesweit am niedrigsten. Zudem gibt es zwischen den verschiedenen Anbietern immer wieder erhebliche Preisunterschiede.