Das Timing von Stephen Wynne hätte nicht besser sein können. Die Jubiläumsfeiern anlässlich des vor 30 Jahren in den Kinos gestarteten Zeitreise-Kultfilms Zurück in die Zukunft sind kaum vorbei, als der Unternehmer nun ankündigt, von 2017 an den DeLorean DMC-12 – den Wagen, in dem Marty McFly im Film in die Zukunft reist – in einer Kleinserie von 300 Stück als Replika zu produzieren.

Wynne hatte die Konkursmasse des 1983 liquidierten De Lorean-Unternehmens aufgekauft und ist auch Inhaber der Markenrechte. Nach dem Ende eines längeren Rechtsstreits mit den DeLorean-Erben will er nun aus diversen Kleinteilen und Karosserien, die von damals übrig sind, die neuen DMC-12 zusammenbauen. Eine neue US-amerikanische Verordnung für Kleinserien ermöglicht dieses Vorhaben. Lediglich die Abgaswerte müssen dabei den heutigen Vorgaben entsprechen, anders als die Sicherheitsstandards zum Beispiel bei Airbags.

Den Anfang der achtziger Jahre bei Renault, Peugeot und Volvo eingebauten V6-Motor mit 132 PS kann die Firma mit Sitz in Texas wegen ungünstiger Emissionswerte wohl nicht mehr verwenden. Wynne ist zwar noch auf der Suche nach einem geeigneten Aggregat, es soll wieder ein V6 sein. Den Kaufpreis kann er aber schon präzise angeben: 100.000 Dollar soll der neue DMC-12 kosten.

Hoverboard - Die Zukunft ist jetzt

Doch selbst eingefleischte DeLorean-Fans hierzulande beurteilen die Ankündigungen aus Texas skeptisch – schließlich hatte man dort schon vor einigen Jahren einen Neubau aus gehorteten Teilen annonciert, woraus dann nichts wurde. Auch der Plan, 2013 einen vollelektrischen DeLorean zu bauen, um der Prestigemarke Tesla etwas entgegenzusetzen, wurde bisher nicht umgesetzt. Es gab zwar einige Straßentests mit einem Elektro-DMC, doch dann hörte man nichts mehr über dieses Experiment.

"Heiße Luft"

"Einen Neubau wird es auch nie geben", meint der Hamburger DeLorean-Besitzer Michael Schramm. "Dieser aufgeblasene Hype nervt uns DMC-Fahrer schon seit Jahren." Schramm hält die Ansagen für "heiße Luft": "In Texas hat man zwar viele Ersatzteile, aber die reichen nie und nimmer für den Bau von 300 Neuwagen. Die können damit nicht mal einen einzigen zusammenbasteln."

Tatsächlich wurde das Fahrzeug, das dank Zurück in die Zukunft Kultstatus erhielt, nur wenige Jahre gebaut und führte zum Untergang der Firma. Dabei war die Idee, die John Zachary DeLorean (1925-2005) hatte, zunächst eine gute. Der einstige Ingenieur, der bei General Motors den Pontiac GTO und den Firebird entwickelt hatte und Anfang der 1970er Jahre zum Vizepräsident aufgestiegen war, kündigte trotz 650.000 Dollar Jahresgehalt und gründete 1975 seine eigene DeLorean Company. Er wollte sein Projekt eines "ethischen Sportwagens" realisieren: Sein DMC-12 sollte günstig, robust und umweltfreundlich sein.

Es war seine Kampfansage an die drei großen US-Autobauer GM, Chrysler und Ford. DeLorean hatte sich schwarz geärgert über Produktionspfusch und Lügenkonstrukte, die gegenüber den Kunden bei Beanstandungen erfunden wurden. Außerdem hatten ihn die Enthüllungen von Ralph Nader beeinflusst: Der Verbraucherschützer hatte die unfallträchtigen Konstruktionsfehler von US-Autos mit Heckmotor aufgedeckt und in seinem Aufsehen erregenden Buch Unsafe at any Speed weitere Skandale bei Autoherstellern offenbart.

Den DMC-12 konnte DeLorean aber in den USA nicht bauen. Erst die englische Labour-Regierung war bereit, mit 165 Millionen Pfund und enormen Steuervorteilen ein Werk in Nordirland zu subventionieren, um die hohe Arbeitslosenrate im Umkreis von Belfast in den Griff zu bekommen. DeLorean entwickelte zusammen mit dem Lotus-Chef und Leichtbau-Guru Colin Chapman ein Baukastensystem für den DMC, der als Linkslenker hauptsächlich für den Export in die USA gedacht war. Von Renault nahm er einen soliden, aber keineswegs sportlichen V6-Motor.