Die deutschen Autohersteller wollen bei der US-Branchenmesse in Detroit das Image der Dieseltechnologie verbessern. "Natürlich spüren wir beim Diesel derzeit den scharfen Gegenwind in den USA. Es geht darum, verloren gegangenes Vertrauen bei den Kunden in Nordamerika wieder zurückzugewinnen", sagte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann. Die Abgas-Affäre des VW-Konzerns hatte mit manipulierter Motorensoftware in den USA begonnen. Seither steht der Diesel dort mehr denn je infrage.

Wirtschaftlich ist das Umfeld sehr gut für die US-Leistungsschau, mit der die Autobauer in Detroit ins Jahr starten. Billiger Sprit, gute Konjunkturaussichten und niedrige Zinsen stärken die Vereinigten Staaten, die hinter China der zweitgrößte Automarkt der Welt sind. Experten zufolge haben gerade die deutschen Autobauer dennoch Probleme in den USA.

VW musste im vergangenen Herbst einräumen, in den USA bei rund 580.000 Dieselfahrzeugen eine illegale Software im Einsatz zu haben, die Abgastests erkennt und die Emissionen drückt. Die USA verklagten den Konzern daraufhin. Wie der Rückruf der Wagen ablaufen soll, ist ungewiss. Auch ein Rückkauf könnte drohen.

Die deutsche Autoindustrie werde trotz aller Widrigkeiten auch künftig auf die Vorteile des Diesels setzen, die er bei CO2-Emissionen und Verbrauch habe, sagte Wissmann. Trotz Abgasskandal ist er zuversichtlich. Die Deutschen könnten in Detroit immerhin mit zahlreichen Weltpremieren überzeugen. "Besonders stark sind wir auf dem US-Markt im Premiumsegment. Hier haben unsere Unternehmen einen Marktanteil von 40 Prozent", sagte er.

Deutsche Automobilkonzerne setzen bei US-Markt auf Elektromobilität

Branchenexperten betonen aber auch, dass zuletzt mehr drin gewesen wäre. "Gemessen an den Marktanteilen hatten die deutschen Autobauer mit 8,8 Prozent ihre beste Marktposition im Jahre 2012", sagte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Seitdem haben die deutschen Hersteller auf dem US-Markt kontinuierlich an Bedeutung verloren. Der Marktanteil ist 2015 auf acht Prozent gefallen. Hauptgrund sei das schlechte Abschneiden der Marke VW-Pkw.

Dudenhöffer warnte davor, der Abgasskandal könne auf das US-Geschäft aller deutschen Hersteller abfärben. Mit dem "Dieselgate" habe die Technik in den USA, die bisher schon wenig geliebt und populär war, einen großen, schwer zu reparierenden Schaden erhalten. Da die Oberklassehersteller BMW, Mercedes, Audi und Porsche ihre Motorstrategie auch am Diesel ausgerichtet hätten, fielen Alternativen schwer.

Zumindest im Bereich der Elektromobilität haben die deutschen Hersteller laut VDA gute Chancen: "Knapp jedes fünfte Elektroauto, das in den USA verkauft wird, zählt zu einer deutschen Marke", sagte Wissmann.