Noch am vergangenen Sonntag war Matthias Müller, der den VW-Chefposten kurz nach Bekanntwerden der Manipulationen von Martin Winterkorn übernommen hatte, guter Dinge. Bei der Detroiter Auto Show, dem wichtigen Branchentreffen in der US-Autostadt, entschuldigte sich der VW-Boss noch einmal für das Fehlverhalten seines Konzerns. "Wir haben Kunden, Behörden, Regulierer und die Öffentlichkeit enttäuscht, dafür möchte ich mich entschuldigen", sagte er Journalisten aus aller Welt.

Der Manager zeigte sich zuversichtlich, den US-Behörden schon am Mittwoch eine Lösung vorlegen zu können, mit der die betroffenen Fahrzeuge angepasst werden können. Der Dialog, versicherte Müller zum Auftakt seiner ersten USA-Reise als Vorstandsvorsitzender, sei "sehr konstruktiv".

Von da an ging es allerdings bergab. Müllers erster Patzer kam nur wenige Minuten nach seinem Detroiter Auftritt bei einem Interview mit dem einflussreichen öffentlichen Radiosender NPR. Da verkündete der VW-Chef dem erstaunten Reporter, sein Konzern "habe nicht gelogen." Man habe die Fragen der Regulierer nicht verstanden. Noch verblüffender war seine Erklärung für die Mogelsoftware. VW habe Zielvorgaben für die Ingenieure gehabt, die diese zwar auch erreicht hätten, nur sei diese technische Lösung "nicht kompatibel mit amerikanischen Gesetzen gewesen."

Nachdem Auszüge aus dem Interview am Montag ausgestrahlt worden waren, bat die VW-Presseabteilung, ob NPR nicht noch einmal mit Müller sprechen könne. Bei diesem Gespräch entschuldigte sich Müller, er sei beim ersten Interview wegen der Geräuschkulisse abgelenkt gewesen. Dann versicherte er, VW werde sein Möglichstes tun, um den Schaden, den sein Unternehmen in den USA angerichtet habe, wiedergutzumachen.

Das kommt bei den amerikanischen Behörden offenbar bisher nicht so an, wie Müller gleich am Dienstag erfahren musste. Da teilten die Environmental Protection Agency (EPA), die oberste US-Umweltbehörde, und die kalifornische Umweltbehörde Carb mit, dass der Wolfsburger Konzern "keinen genehmigungsfähigen Rückrufplan" vorgelegt habe. Blieb noch das Treffen mit der EPA-Chefin Gina McCarthy am Mittwoch, das auf Drängen der Wolfsburger zustande gekommen war und an das Müllers Truppe hohe Erwartungen hegte. Wochenlang sei der VW-Chef auf die Gespräche in Washington vorbereitet worden, erzählt ein Branchenkenner.

Immer wieder hatten sich die Behörden in den vergangenen Wochen über die zögerlichen Deutschen beschwert. Wichtige Informationen seien nur nach mehrmaligem Nachhaken bereitgestellt worden, hieß es von frustrierten Offiziellen in Washington. Kurz nach der Jahreswende hatte das US-Justizministerium die Wolfsburger mit einer Zivilklage eiskalt erwischt, gerade, als die Deutschen hofften, das Schlimmste bereits hinter sich zu haben. Die Strafzahlungen könnten sich auf mehr als 45 Milliarden Dollar belaufen. "Die Behörden nehmen die Sache sehr ernst", sagt Eric Holland, ein Jurist aus Missouri, der selbst mehrere Sammelklagen gegen den Konzern angestrengt hat.

Doch die Audienz bei McCarthy war um 11 Uhr am Mittwochvormittag – nach einer knappen Stunde – schon wieder zu Ende. Weder Müller noch die Volkswagen-Pressestelle wollte zu den Inhalten des Gesprächs Stellung nehmen. Die EPA verschickte eine Pressemitteilung. Sie bestand aus zwei kurzen Sätzen: "Wir danken Volkswagen für das Gespräch. Wir werden weiterhin an einer Lösung arbeiten." Mit anderen Worten: Es gab keine Einigung.