Faraday Future hat in Las Vegas sein Elektro-Konzeptauto Zero1 vorgestellt. © Steve Marcus/Reuters

Klappern gehört zum Handwerk. Und so verwundert es kaum, dass die neue Automarke Faraday Future mit professionellem Wirbel auf sich aufmerksam macht. Was mit geheimnisvollen Teaservideos und geschickten Schlagwörtern wochenlang die Neugierde zu wecken versuchte, erweist sich allerdings als wenig konkret, als am späten Montagabend Ortszeit, am frühen Dienstagmorgen deutscher Zeit, die Macher in Las Vegas ein elektrisches Konzeptauto vorstellen.

Mit dem Charisma eines Elon Musk, des Gründers von Tesla Motors, können die Verantwortlichen bei Faraday Future jedenfalls nicht mithalten. Stattdessen erinnerte die Markenpremiere im Rahmen der Consumer Electronics Show (CES) an die Enthüllung eines Prototypen der klassischen Autoindustrie. Konventionell und irgendwie beliebig. Die "Wow"-Rufe, die bei Musks Reden aus dem Publikum herausbrechen, blieben aus.

Besonders sparsam war der Applaus, als Nick Sampson von der Entwicklungsabteilung bei Faraday Future sagte, man sei sehr schnell – während Tesla Motors neun Jahre von der Gründung bis zur Auslieferung des Model S gebraucht habe, würde es Faraday erst seit 18 Monaten geben, und schon "in ein paar Jahren" ("in a couple of years") sei mit einem Produkt zu rechnen. Es sind also mindestens zwei Jahre. Vielleicht aber auch mehr.

Investitionen von einer Milliarde US-Dollar

Trotzdem lassen sich aus der Marketingsprache wie dem Versprechen einer transformativen Vision für die Mobilität Fakten destillieren.

Zuerst: Faraday Future will FF genannt werden. Entscheidender Geldgeber ist das chinesische Unternehmen LeTV, das mit dem Verkauf von Smartphones, Tablets und anderen Elektronikartikeln am Markt ist; hinter LeTV steckt der chinesische Milliardär Jia Yueting. Eine Milliarde US-Dollar soll investiert werden. So baut FF in North Las Vegas eine Fabrik auf. Zurzeit arbeiten bereits 750 Mitarbeiter im Projekt, davon 550 in den USA und 200 weitere im Rest der Welt. Man plant in Zukunft mit 4.500 Angestellten.

Als Appetithappen hat FF den Zero1 mitgebracht. "Kein Konzeptauto, sondern ein Auto der Konzepte", sagt Designchef Richard Kim. Sprich: Das Fahrzeug, das mit einer Finne entlang der Längsachse einem Rennsportwagen der Le-Mans-Serie ähnelt, ist eine Ideensammlung und kein zukünftiges Produkt. Das war bei Tesla Motors anders. Dort wurde 2009 das faktisch fertige Model S gezeigt – da dauerte es noch drei Jahre bis zum Verkaufsstart. Das ist angesichts der Komplexität der Aufgabe bis heute ein Rekord.

Der Zero1 soll 1.000 PS haben, in weniger als drei Sekunden auf 60 Meilen pro Stunde (96 km/h) beschleunigen und ein Höchsttempo von über 320 km/h erreichen. Ob sich das gezeigte Designerstück überhaupt von selbst bewegen kann, bleibt bei der Präsentation unklar. Kim weist beim Zero1 auf ein Element hin, das spätere Serienautos ebenfalls haben sollen: eine umlaufende Linie, die "Ufo-Line" genannt wird. Möchte FF damit sagen, dass man aus einem anderen Universum kommt? Die Formulierung, dies sei "unsere DNA", gleicht eher der von jedem anderen Autohersteller.