Was ist Feinstaub?

Feinstaub sind kleinste, mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Partikel in der Luft. Sie sind nicht mal halb so groß wie der Durchmesser eines Haares. Die Schwebeteilchen entstehen vor allem bei unvollständigen Verbrennungsprozessen in der Industrie und im Straßenverkehr, aber auch in privaten Holzöfen.

In Großstädten steht insbesondere der Autoverkehr im Fokus. In Dieselmotoren entstehen bauartbedingt Rußpartikel, die heute mit speziellen Filtern aus den Abgasen zurückgehalten werden. Aber auch moderne Benzinmotoren mit Direkteinspritzung sind wegen hoher Feinstaubwerte in die Kritik geraten. Daneben bildet sich Feinstaub auch durch Abrieb an Bremsen und Reifen.

Feinstaub gilt als gesundheitsschädlich. Er fördert Atemwegserkrankungen, insbesondere Bronchitis und Asthma. Besonders kleine Partikel können auch in den Blutkreislauf gelangen und zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen und etwa Schlaganfälle begünstigen. Modellrechnungen zufolge sterben in Deutschland jährlich etwa 34.000 Menschen an den Folgen von Feinstaub.

Für maximal zehn Mikrometer große Partikel (PM10) hat die EU 2005 einen Grenzwert festlegt. Demnach darf an einer Messstelle im Jahresmittel der Höchstwert von 40 Mikrogramm PM10 pro Kubikmeter Luft nicht überschritten werden – zugleich darf dort an maximal 35 Tagen im Jahr ein Wert von über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen werden. Weil Deutschland in mehreren Städten die Grenzwerte seit Langem überschreitet, hat die EU-Kommission im vergangenen Jahr ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.

Warum ruft Stuttgart jetzt gerade Feinstaubalarm aus?

Zurzeit herrscht im Raum Stuttgart eine Inversionswetterlage: Warmluft in höher liegenden Luftschichten verhindert, dass kalte Luft vom Boden aufsteigen kann. Das heißt, in Bodennähe sammeln sich besonders viel Feinstaub und Stickoxide. Die Stadt hatte im Spätherbst 2015 beschlossen, Feinstaubalarm auszulösen, wenn der Deutsche Wetterdienst eine solche Wetterlage an zwei aufeinanderfolgenden Tagen prognostiziert. Das heißt: Stuttgart ruft bereits Feinstaubalarm aus, ehe Grenzwerte überschritten wurden. Die Bezeichnung Alarm ist irreführend: Sie suggeriert, dass schon bedrohliche Werte erreicht wurden.

Allerdings: In Stuttgart ist wegen seiner Talkessellage das Feinstaubproblem besonders groß. Dort zirkuliert die Luft ohnehin schlechter als in Städten, die in Ebenen liegen. Darum wird in Stuttgart der EU-Tagesgrenzwert häufiger als erlaubt überschritten. Besonders betroffen ist das Neckartor in der Nähe des Hauptbahnhofs, wo die Cannstatter Straße sechsspurig verläuft.

Zwar hat es die Stadt mit einem Durchfahrtsverbot für Lkw, einer Umweltzone und dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs geschafft, das Feinstaubproblem zu verringern. Seit 2005 hat sich die Zahl der Tage pro Jahr, an denen am Neckartor in einem Kubikmeter Luft mehr als 50 Mikrogramm PM10 gemessen werden, mehr als halbiert. Mit 64 Tagen im Jahr 2014 war die Zahl aber immer noch fast doppelt so hoch wie erlaubt. Zuletzt hat das Problem wieder zugenommen: Für 2015 hat das Umweltbundesamt das Gesamtergebnis noch nicht veröffentlicht, aber bis kurz vor Weihnachten hatte Stuttgart den Grenzwert bereits an 70 Tagen überschritten.

Das Ziel des Feinstaubalarms ist ein präventives: Bei schlechtem Luftaustausch soll die Feinstaubbelastung damit das erlaubte Maß erst gar nicht überschreiten. Der derzeitige Feinstaubalarm soll nach aktuellem Stand bis Donnerstag dauern, weil die Meteorologen für die gesamte Woche eine Inversionswetterlage in Stuttgart prognostizieren.