Die Faktenlage ist eindeutig: Begleitetes Fahren mit 17 senkt das Unfallrisiko von Fahranfängern deutlich. Studien zeigen, dass junge Fahrer, die am sogenannten BF17 teilnehmen, fast 29 Prozent weniger Unfälle verursachen als Fahranfänger mit 18. Dennoch macht nur die Hälfte der 17-jährigen den Führerschein mit 17. "Wir würden uns wünschen, dass es mehr wären", sagt Ulrich Chiellino, Verkehrspsychologe beim ADAC in München.

Der Anteil der 18- bis 24-Jährigen an der Gesamtbevölkerung beträgt knapp acht Prozent, doch ihr Anteil an den im Straßenverkehr Verunglückten ist mit 17 Prozent überdurchschnittlich hoch. "Mangelnde Erfahrung ist die Ursache vieler Unfälle – die können junge Leute beim begleiteten Fahren sammeln", sagt Chiellino. Er rät dazu, sich mit 16,5 Jahren zum Führerschein anzumelden, sodass man ab 17 ein ganzes Jahr Zeit hat, mit Begleiter im Auto das Fahren zu üben.

Seit 2011 dürfen in Deutschland 17-Jährige in Begleitung geeigneter Personen Auto fahren. Nach einem über mehrere Jahre laufenden Pilotversuch in Niedersachsen wurde das Konzept im Bundesrecht übernommen. Die Minderjährigen machen dieselbe Fahrprüfung wie die anderen und erhalten nach bestandener Prüfung eine Prüfbescheinigung, mit 18 bekommen sie den Führerschein. Die anschließende Probezeit beträgt einheitlich zwei Jahre.

Allerdings berechtigt die Prüfbescheinigung nur zu Fahrten innerhalb Deutschlands. Und dann auch nur, wenn während der Fahrt eine festgelegte Person im Auto sitzt. Wer dagegen verstößt, ist seine Prüfbescheinigung los. Der Name der Begleitperson wird in der Bescheinigung aufgeführt. Er oder sie muss mindestens 30 Jahre alt sein, fünf Jahre den Führerschein haben und darf nicht mehr als einen Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg haben.

0,0 Promille für Fahranfänger

"Die Begleiter sollten sich auf den Fahrstil der jungen Leute einlassen, ihn akzeptieren. Er ist anders als der Erfahrener und vielleicht sogar besser", sagt Kay Schulte, Experte für Unfallprävention beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Für die Begleitperson gilt die 0,5 Promille Grenze. Fahranfänger unterliegen einem absoluten Alkoholverbot.

Der Führerschein wird zunächst für zwei Jahre auf Probe erteilt. Wer in dieser Zeit bei einem Verstoß gegen die Verkehrsregeln erwischt wird, hat mit stärkeren Konsequenzen zu rechnen als jemand, bei dem die Probezeit bereits abgelaufen ist: Es drohen rascher Fahrverbote und auch der Entzug der Fahrerlaubnis. Als Folge muss ein Betroffener beispielsweise ein Aufbauseminar besuchen, zudem verlängert sich die Probezeit auf vier Jahre.

Der Kauf eines Autos für Fahranfänger ist zwar in erster Linie eine finanzielle Angelegenheit. Doch Fahranfänger in alte Autos zu setzen, das gehe gar nicht, findet DVR-Experte Schulte. "Das erhöht das Unfallrisiko." Er empfiehlt aus Gründen der Sicherheit einen kleinen Neu- oder Jahreswagen. "Die haben Sicherheitsfeatures und das ist sehr wichtig." Es müssen keine ausgefallenen Fahrerassistenzsysteme sein, die Autos sollten aber dem aktuellen Stand der Technik entsprechen.

Ein Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), Front- und Seitenairbags gehören nach Empfehlungen des ADAC zur Grundausstattung eines Autos für Anfänger. Der Rat des Automobilclubs: Lieber weniger Komfort, dafür mehr Sicherheit. Klein- und Mittelklassewagen sind leicht zu handhaben. Allzu schwache Motorvarianten bergen zwar Risiken beim Überholen. Doch die Faustregel des ADAC zur Motorisierung heißt: nicht über 100 PS!

Unterwegs in Omas Schadensklasse

Richtig an den Geldbeutel geht der Versicherungsschutz für Fahranfänger. "Sie sind die teuerste Gruppe und das durchgängig bei allen Gesellschaften", sagt Schulte. Doch es gibt legale Möglichkeiten, die Prämien zu reduzieren. So können Eltern und Kind gemeinsame Sache machen und das Auto des Anfängers als Zweitwagen auf den Namen des Vaters oder der Mutter zulassen. Das spart mehrere Hundert Euro im Jahr – auch wenn beispielsweise die Schadensklasse von der Oma übernommen wird, weil die nicht mehr fährt.

Einige Versicherungen bieten günstigere Tarife, wenn der Einsteiger eine Teilnahme an Fahrsicherheitstrainings nachweisen kann. Wichtig ist es auch, den richtigen Versicherungsumfang zu wählen, etwa 300 statt 150 Euro Selbstbeteiligung bei Voll- oder Teilkasko. Und Angebote von Kfz-Versicherungen zu vergleichen. Im Internet gibt es mehrere Seiten, die einen solchen Service anbieten.