Der bunte Porsche 356 SC gehörte mal Janis Joplin. © Darin Schnabel courtesy of RM Sotheby's

Im vergangenen Jahr ging das Gemälde Les femmes d'Alger von Pablo Picasso bei Christie's für den Rekordpreis von gut 179 Millionen Dollar weg. Von dieser astronomischen Summe kann ein Schatzsucher, der in Scheunen nach altem Blech stöbert, das sich in Gold verwandeln ließe, nur träumen. Sollte er aber wie durch ein Wunder einen vergessenen Ferrari aus den fünfziger oder sechziger Jahren aus dem Heu ziehen, hätte er zumindest den automobilen Jackpot gewonnen: Unter den zehn teuersten Klassikern, die 2015 für insgesamt 140 Millionen Euro bei Auktionen den Besitzer wechselten, waren allein sechs Wagen aus Maranello.

Für den Wirtschaftsdienst Bloomberg zählen historische Fahrzeuge nach wie vor neben Finanzprodukten wie Hedgefonds zu den ertragreichsten Investments. Die Fachleute von Historic Automobile Group International (HAGI) errechneten in den letzten Jahren im Markt der besonders edlen Vintage-Autos eine durchschnittliche Rendite von 25 Prozent. Dieser Stellenwert ist auch eine Folge der Finanzkrise 2008, als Investoren ihre Millionen lieber sicher in einer Garage parkten.

Diese Entwicklung hat auch dazu geführt, dass Auktionen, bei denen historische Prototypen, hochdekorierte Rennwagen und seltene Exemplare angeboten werden, viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Ob nun Millionen für ein reines Spekulationsobjekt oder ein wahres Liebhaberstück investiert werden: Versteigerungen sind inzwischen publikumswirksame Spektakel. Dabei macht dieses Segment nur rund zehn Prozent des Handels aus, wie der Verband der Automobilindustrie in seinem Oldtimer-Index notiert. Die meisten Enthusiasten interessierten sich weder für Exklusivität noch Wertsteigerung, sondern gäben im Durchschnitt weniger als 20.000 Euro für ihren betagten Liebling aus.

Der versteigerte Ferrari 290 MM © Darin Schnabel courtesy of RM Sotheby's

Kurz vor Weihnachten landete RM Sotheby's mit einer Auktion, die Käufer für ungewöhnliche und epochemachende Fahrzeuge suchte, einen Coup. Mit dem einst vom großen Rennfahrer Juan Manuel Fangio gelenkten 1956er Ferrari 290 MM hatte das Auktionshaus den Topseller des Jahres: Der Wagen erzielte einen Preis von über 28 Millionen Dollar. Aber auch das bunte Porsche-Cabrio 356 SC, das einst der US-Sängerin Janis Joplin gehört hatte, erlöste mit über 1,7 Millionen Dollar weit mehr als den Schätzpreis.

Für Annette Abaci, Klassikerexpertin bei RM Sotheby's, ist der erstaunlich hohe Zuschlag für den kleinen Porsche typisch für die Entwicklung in diesem Geschäft. "Fahrzeuge mit einer besonderen Historie wie im Fall des 356 von 1964 wecken jetzt ein gesteigertes Interesse", sagt Abaci. "Ohne diese Geschichte würde das Fahrzeug für 120.000 Euro gehandelt werden."

Man muss nur abwarten können

Trotz der Traumergebnisse, die auch in 2015 erzielt wurden, vermerken Beobachter aber eine leichte Abkühlung des Marktes. Wegen des möglichen Endes der Niedrigzinspolitik und den schwachen Wirtschaftsdaten halten sich Höchstbieter, die vornehmlich aus den USA und Europa stammen, etwas mehr zurück. Das US-Unternehmen Hagerty, das klassische Fahrzeuge schätzt und versichert, berechnete für das vergangene Jahr einen Rückgang der Gesamterlöse bei den spezialisierten Auktionshäusern – neben RM Sotheby's auch Bonhams, Gooding & Co. und Russo & Steele – um knapp acht Prozent gegenüber 2014.

Doch bei einem Umsatz von gut 400 Millionen Euro war es immer noch ein einträgliches Geschäft. Für Annette Abaci bleibt die Lust auf automobiles Edelmetall ungebrochen, "aus denselben Gründen, aus denen auch alte Meister oder zeitgenössische Kunst enorme Preise erreichen", wie die Expertin sagt. "Es gibt ein begrenztes Angebot, die Nachfrage jedoch steigt, begünstigt durch die vielen Veranstaltungen, an denen Besitzer teilnehmen können." Events wie die Schönheitswettbewerbe beispielsweise bei der Villa d'Este am Comer See oder Pebble Beach in Kalifornien locken ein betuchtes, begeistertes Publikum.

Dort mit Versteigerungen vor Enthusiasten Präsenz zu zeigen, ist für Auktionshäuser und jene, die eine automobile Kostbarkeit einliefern, ein Muss. Aber: "Ein klassisches Fahrzeug ist nur dann ein gutes Investment, wenn man es nicht zu teuer erworben hat oder lange genug behält", sagt Fachfrau Abaci. Eine gute Nachrichten für jene, die frischgebackene Klassiker aus dem Jahr 1986 wie die BMW 7er Reihe (E32), einen Opel Omega oder den Porsche 959 in der Garage haben. Denn das wissen auch alte Börsenfüchse: Man muss abwarten können.