Da staunten die westlichen Autokonzerne: Ausgerechnet die bis dahin so bescheiden auftretenden Japaner benannten 1959 stolz eine Stadt nach ihrem größten Autohersteller. Passend zur ersten globalen Exportoffensive von Toyota wechselte die alte Festungsstadt Koromo ihren Namen in Toyota, ein bis heute weltweit einzigartiger Vorgang. In der Stadt 240 Kilometer westlich von Tokio befinden sich die Hauptverwaltung und sieben Werke der gleichnamigen Motor Corporation.

Den Grundstein zur Erfolgsgeschichte, die Toyota zum größten Autobauer der Welt machte, legte vor 80 Jahren der erste Pkw des Unternehmens, der Toyota AA. Im Grunde war er nichts anderes als die japanische Interpretation einer Chrysler-Limousine mit einem Chevrolet-ähnlichen Motor. Allerdings zählt Copy and Paste, das im Westen verpönte Kopieren der Werke anderer, im fernöstlichen Kulturkreis traditionell zu den respektierten Praktiken, der sich anfangs auch Nissan und Mitsubishi bedienten.

Doch die Geschichte von Toyota beginnt noch früher. Ende der 1920er Jahre überzeugte Kiichirō Toyoda seinen Vater Sakichi Toyoda, innerhalb des Textilunternehmens Toyoda Automatic Loom Works eine Autosparte zu gründen. Die Überzeugungsarbeit gelang dem jungen Kiichirō wohl nur, weil schon Sakichi ein visionärer Erfinder war, der Lizenzen seiner Webstuhlentwicklungen bis nach England verkaufte. Dagegen stand der japanische Autobau noch ganz am Anfang. Kiichirō reiste deshalb in die USA, um sich ein Bild davon zu machen, wie sich die dortige Automobilindustrie entwickelt hatte. Besonders die soliden Chevrolets überzeugten Kiichirō Toyoda, wenig später begeisterte er sich zudem für das Stromliniendesign von Chrysler.

Also scharte er ab 1930 ein Team von Ingenieuren um sich und entwickelte anhand der amerikanischen Vorbilder eine Limousine. Fünf Jahre später, im Mai 1935, erlebte der erste Pkw-Prototyp seine Jungfernfahrt. Mit frustrierendem Ergebnis, denn das Fahrzeug streikte nach wenigen Kilometern und wurde von einem Pferd zurück ins Werk gezogen. Der 3,4-Liter-Sechszylinder nach Chevrolet-Vorlage war zwar ebenso robust wie das truckähnliche Fahrwerk, aber die Komponenten wurden offenbar lausig zusammengefügt. Bis 1936 räumten die Ingenieure die Probleme aus, dann war nicht nur das Modell AA serienreif, sondern auch ein offener Wagen namens AB.

Erster globaler Erfolg mit dem Land Cruiser

Bevor die Bänder anliefen, wurde in einem Wettbewerb noch ein neuer Name für die Firma gefunden, da diese nicht den Familiennamen Toyoda tragen sollte. Die Wahl fiel auf Toyota, denn dieses Wort benötigt in japanischer Schrift nur acht Zeichen und damit eine Zahl, die Glück verspricht. Tatsächlich blieben die Glücksgötter Toyota lange Zeit gewogen. Ende August 1937 wurde die Toyota Motor Company offiziell gegründet, als schon erste Lkw produziert wurden. Im Herbst 1938 folgte auch die Serienproduktion des Toyota AA im ersten Automobilwerk in Koromo. Toyota fertigte die Autos nach dem Just-in-Time-Prinzip, einer Weltneuheit.

Bis zur kriegsbedingten Produktionsunterbrechung 1943 lieferte Toyota 1.757 Pkw aus, zuletzt den Toyota AC. Nutzfahrzeuge wurden aber bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hergestellt – die Werke entgingen der eigentlich geplanten Bombardierung. Schon Ende 1945 erlaubten die amerikanischen Militärbehörden Toyota den Wiederbeginn der Fahrzeugproduktion, was das Unternehmen zur Entwicklung des Pickups Toyopet und des Kleinwagens Toyota SA nutzte. Beide gingen 1947 als erste japanische Nachkriegsneuheiten in Serie.

Nach Ausbruch des Koreakriegs 1950 beteiligte sich Toyota an einer Ausschreibung der US-Besatzer für einen japanischen Geländewagen, mit dem die USA eine japanische "Nationale Polizeireserve" ausrüsten wollten. Der 1951 vorgestellte Toyota B-Jeep (BJ) war zwar unverkennbar am berühmten amerikanischen Willys-Jeep orientiert, doch die Amerikaner gaben trotzdem Mitsubishi und einer 1:1-Kopie des US-Jeeps den Vorzug.

Daraufhin entwickelte Toyota eine unverwüstliche, zivile Serienversion des BJ, die als Land Cruiser ab 1957 in Amerika und ab 1960 in Europa und Afrika Kultstatus erlangte. Einen besseren Imageträger hätte sich Toyota nicht wünschen können, denn die ersten Mittelklasselimousinen Crown und Corona entsprachen in Technik und Design noch nicht westlichen Standards. Immerhin war das später von vielen Konkurrenten kopierte Toyota-Produktionsprinzip des umfassenden Qualitätsmanagements längst eingeführt worden.