Wenn die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) – das Marktforschungsinstitut der Autobranche – am Freitag ihren neuesten DAT Report veröffentlicht, wird darin ein neuer Rekordwert stehen: 28.590 Euro ist der Preis, den Bundesbürger im vergangenen Jahr durchschnittlich für ein neues Auto bezahlten. So teuer waren Neuwagen in Deutschland noch nie.

Damit setzten die Autohersteller ihre Preispolitik fort, die seit Jahren nur eine Richtung kennt: nach oben. Zwischen 1990 und 2015 stiegen die Preise fabrikneuer Personenwagen im Mittel um 86 Prozent, verglichen mit dem Jahr 1980 sogar um 240 Prozent. Beispiel Volkswagen Passat: Damals, vor rund 35 Jahren, kostete die Limousine in der Basisversion 12.850 Mark, heute beginnt die Preisliste des Wolfsburger Mittelklässlers bei 26.075 Euro.

Gewiss: Moderne Autos bieten heute mit ABS, ESP und Airbags eine bessere Sicherheitstechnik und auch mehr Komfortextras wie Klimaanlage oder elektrische Fensterheber. Fraglich ist allerdings, ob diese Mehrausstattung die happigen Preisaufschläge rechtfertigt, die regelmäßig mit jedem neuen Modell verlangt werden.

Natürlich wird vieles immer teurer. Doch wer genauer hinschaut, erkennt, dass die Autopreise seit Jahren weitaus schneller steigen als die Preise anderer Waren. Haushaltsgeräte, Möbel und TV-Apparate, die Statistiker ebenso wie Autos zu den "langlebigen Gebrauchsgütern" zählen, werden seit Jahren sogar nicht teurer, sondern billiger. Nur die Autoindustrie steuert mit ihrer Preispolitik in eine andere Richtung.

Autos wurden binnen 15 Jahren um 40 Prozent teurer

Verständlich ist das nicht. Denn längst nutzen auch deutsche Pkw-Hersteller die Vorteile der Globalisierung und kehren dem teuren Industriestandort Deutschland den Rücken. Attraktiv sind vor allem die Staaten Osteuropas. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger betreiben dort inzwischen 15 Autokonzerne zwölf Werke mit einer Gesamtkapazität von jährlich rund drei Millionen Fahrzeugen.

Besonders beliebt ist Ungarn. Dort bauen Audi, Daimler, Opel und Volkswagen Autos. Und das vor allem aus finanziellem Kalkül: Laut einer Studie der deutsch-ungarischen Industrie- und Handelskammer verdient ein ungarischer Facharbeiter im Schnitt umgerechnet nur rund 8.540 Euro pro Jahr. Das entspricht rund einem Viertel des Gehalts, das sein deutscher Kollege in der Autoindustrie verdient.

So wundert es nicht, dass die deutschen Autohersteller nach Angaben ihres Verbands für die Zukunft eine weitere Steigerung der Auslandsproduktion von derzeit 9,3 auf über zehn Millionen Personenwagen pro Jahr anpeilen. Schon heute sind die Werke im Ausland weitaus fleißiger als die in ihrer Heimat, wo in einem Jahr nur noch 5,6 Millionen Fahrzeuge hergestellt werden. Doch trotz der Flucht ins Ausland – billiger wurden die Autos in den letzten Jahren nicht. Im Gegenteil.

Wer sich den Traum vom neuen Auto erfüllen möchte, muss heute erschrocken feststellen, dass sein Einkommen mit dem rasanten Tempo der Autopreise nicht mithält. Eine vierköpfige Familie hat heute laut Bundesfinanzministerium zwar rund 27 Prozent mehr Geld zur Verfügung als im Jahr 2000, doch die Autopreise stiegen im gleichen Zeitraum um 40 Prozent. Ein weiterer Vergleich: Vor 25 Jahren, als ein Neuwagen durchschnittlich noch umgerechnet 15.340 Euro kostete, musste ein lediger Arbeitnehmer im Schnitt 13 Monate lang sein gesamtes verfügbares Monatseinkommen zurücklegen, um sich ein fabrikneues Auto dieser Preisklasse leisten zu können. Heute sind bereits 16,5 Monatseinkommen erforderlich, um einen Durchschnittsneuwagen anschaffen zu können.