Der Stuttgarter Autobauer Daimler ruft in den USA 840.000 Fahrzeuge mit möglicherweise defekten Airbags des japanischen Herstellers Takata zurück. Das entspricht mehr als dem Doppelten des letzten US-Jahresabsatzes der Stuttgarter. Die US-Verkehrsaufsicht NHTSA hatte Daimler zuvor darüber informiert, dass der Behörde mögliche Defekte gemeldet worden seien.

Mit den Airbags von Takata gibt es in der Autoindustrie schon seit Jahren große Probleme. Sie können sich wegen technischer Mängel unvermittelt auslösen und so eine regelrechte Explosion verursachen, bei der Teile der Verkleidung durch den Innenraum des Fahrzeugs geschleudert werden. US-Ermittler gehen von mindestens zehn Todesfällen in diesem Zusammenhang aus, davon neun in den USA. In den Daimler-Wagen sei bislang aber niemand durch die Teile in den Fahrzeugen verletzt worden, betonte das Unternehmen. Der Rückruf sei eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Bei Daimler betrifft der Rückruf nun etwa 705.000 Mercedes-Benz Pkw der Modelljahre 2005 bis 2014 und etwa 136.000 zwischen 2007 und 2014 hergestellte Daimler Vans in den USA. Daimler teilte außerdem mit, Rückstellungen für den Rückruf gebildet zu haben, die das Konzernergebnis 2015 um 340 Millionen auf 8,7 Milliarden Euro schmälern.

24 Millionen Wagen in den USA von Rückruf betroffen

Bislang gilt BMW als der am stärksten von den Takata-Mängeln betroffene deutsche Hersteller. Ende Januar hatte die US-Verkehrsbehörde jedoch eine Ausweitung des landesweiten Rückrufs um fünf Millionen weitere Autos angekündigt. Es seien in den USA nun insgesamt mehr als 24 Millionen Fahrzeuge betroffen. Die NHTSA hatte im Oktober gemeldet, die Probleme ballten sich bei den fünf Autobauern Fiat Chrysler, Ford, Mazda, Honda und BMW, auf die 14 Millionen der Wagen entfielen. Der größte Teil betrifft den japanischen Autohersteller Honda.

Bei Daimler war bereits bekannt, dass einige Laster der Marke Daimler Trucks North America betroffen sind. Die jüngste Ausweitung des Rückrufs betrifft auch die VW-Tochter Audi. Allerdings gibt es bislang weder von der NHTSA noch vom Unternehmen konkrete Angaben zum Ausmaß. Ein VW-Sprecher sagte am 24. Januar auf Nachfrage, welche Fahrzeuge des Konzerns betroffen seien, müsse intern ermittelt werden.

Volkswagen habe den von der NHTSA angeordneten Rückruf aller Takata-Fahrerairbags vom Typ SDI und PSDI auf dem US-Markt "zur Kenntnis" genommen: "Volkswagen wird die Auswirkungen dieser Entscheidung für den US-Markt und andere Märkte sorgfältig bewerten und kooperativ mit der NHTSA und anderen Behörden zusammenarbeiten."

Obwohl die Airbags des Zulieferers seit über zehn Jahren Probleme machen, ist die genaue Ursache noch immer nicht abschließend geklärt. Takata vertritt den Standpunkt, die Unfälle stünden im Zusammenhang mit besonders heißem und feuchtem Klima. Den Einsatz des Treibstoffs Ammoniumnitrat, der als Auslöser im Verdacht steht, hat das Unternehmen größtenteils gestoppt. Takata hat von der NHTSA bereits Millionenstrafen bekommen, Top-Manager des Konzerns wurden vom Kongress ins Kreuzverhör genommen.