Bei bis zu 850 Baustellen am Tag müssen sich Bahnfahrer auf einigen Strecken durch Deutschland in diesem Jahr auf längere Fahrzeiten oder ein reduziertes Zugangebot einstellen. Die Deutsche Bahn kündigte an, etwa 5,5 Milliarden Euro in ihr Schienennetz zu investieren – 200 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr. 

Insgesamt sollen rund 3.200 Kilometer Schienen, 2.000 Weichen, 2,9 Millionen Eisenbahnschwellen und etwa vier Millionen Tonnen Schotter erneuert werden. 150 Brücken sollen instand gehalten werden.

Um die Einschränkungen für die Kunden so gering wie möglich zu halten, werden die 850 geplanten Einzelmaßnahmen in bundesweit 76 größere Komplexe zusammengefasst, teilte die Bahn mit. So soll verhindert werden, dass eine Strecke mehrmals hintereinander gesperrt werden muss. Großmaschinen können effizienter eingesetzt werden.

Die Anzahl und die Dauer baubedingter Sperrungen könne trotz steigenden Bauvolumens durch die Bündelung der Maßnahmen reduziert werden, sagte Thomas Schaffer, der Vorstand für Vertrieb und Fahrplan der DB Netz AG. Seinen Angaben zufolge reduzierten sich die baubedingten Verspätungen im vergangenen Jahr um 27 Prozent. Dieses Niveau solle trotz mehr Baustellen beibehalten werden.

Die Deutsche Bahn baut häufig nachts oder unter "rollendem Rad", also bei eingleisigem Betrieb einer Strecke. So sollen Vollsperrungen vermieden werden. Allerdings werden diese in diesem Jahr nicht immer unumgänglich sein: Auf der Strecke zwischen Saalfeld und Nürnberg, einem Teil der künftigen Schnellstrecke zwischen München und Berlin, ist in diesem Jahr ein Abschnitt 34 Wochen lang gesperrt. Sonst hätte das Bauvorhaben acht Jahre in Anspruch genommen, wie Schaffer ausführte.

Größtes Modernisierungsprogramm der Bahn-Geschichte

Längere Fahrzeiten müssen beispielsweise Fernreisende zwischen Mai und September auf der Strecke Hamburg – Hannover – Göttingen in Kauf nehmen, weil hier zeitweise nur ein Gleis befahrbar ist. Dort werden die Weichen und Gleise erneuert. Auch zwischen Frankfurt am Main und Mannheim gibt es im Sommer nur eine eingleisige Verkehrsführung. Der Fernverkehr wird hier umgeleitet. Im Nahverkehr verlängert sich die Fahrzeit, teilweise fallen Züge aus.

Der Deutschen Bahn stehen für die Modernisierung ihres Schienennetzes für die Jahre 2015 bis 2019 insgesamt rund 28 Milliarden Euro zur Verfügung. Es ist das größte Modernisierungsprogramm in der Unternehmensgeschichte.