In diesen von Verkehrsstaus geprägten Zeiten sind offenbar Mobilitätsvisionen und Verkehrskonzepte angesagt, die auf rasantem Tempo beruhen und so vom Frust sinnloser Zeitverschwendung befreien wollen. Da meldet sich der auf Elektroantrieb (Tesla) und Weltraumtransporte (SpaceX) kaprizierte Hightech-Nerd Elon Musk regelmäßig mit eigenen ausgefallenen Ideen zu Wort.

Manche seiner Vorhaben könnten aus einem Utopie-Roman von Jules Verne stammen, auch sein schon 2013 als 58 Seiten starke PDF-Datei vorgestelltes Hyperloop-Konzept: eine auf den Transport von Passagieren zugeschnittene Rohrpost in Vakuumröhren. Für die 600 Kilometer lange Strecke zwischen San Francisco und Los Angeles soll der Hyperloop nur eine halbe Stunde benötigen. Beförderung bei 1200 Stundenkilometer also. Klingt wahnsinnig? "Alles ist machbar" lautet Musks Devise.

Und so will der 44-Jährige im Sommer das Konzept in die Testphase überführen. Ohne hemmenden Luftwiderstand in den fast leergepumpten Röhren könnten die darin elektrisch angetriebenen, auf Luftpolstern schwebenden Kabinenkapseln mit 28 Passagieren tatsächlich sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen. Schon in den 1970er Jahren befasste sich eine US-Studie mit einer transkontinentalen U-Bahn-Vision in Vakuumröhren namens VAC-Train. Sie sollte eine Durchquerung der USA von Küste zu Küste in 20 Minuten ermöglichen, mit bis zu 22.000 km/h. Für eine Untertunnelung der USA konnte sich bisher jedoch keine US-Regierung begeistern.

Studenten der TU München beteiligt

Elon Musk ist dagegen schnell dabei, wenn es um wildes Brainstorming zur Zukunft der Mobilität geht. Wegen seiner SpaceX-Planungen für private Raumfahrt und wegen des Ausbaus von Tesla kam Musk bisher nicht dazu, seine Vision des Hyperloop-Systems konkreter auszuarbeiten. Der findige Milliardär organisierte stattdessen einen Open-Source-Wettbewerb, an dem sich Designstudenten und junge Konstrukteure aus der ganzen Welt beteiligen konnten. Statt eines Honorars erhalten sie Beteiligungsoptionen für ein zukünftiges kommerziell betriebenes Hyperloop-Unternehmen – falls das je kommt.

Von den eintausend Teilnehmern wurden Ende Januar die Teams vorgestellt, die es eine Runde weiter geschafft haben. Sie können im Juni bei ersten Testfahrten mit Dummies auf einer acht Kilometer langen Strecke in der neuen, nach Nachhaltigkeitskriterien gebauten Retortenstadt Quay Valley in Kalifornien ihre Entwürfe vorstellen. Erst mal gilt das Prinzip der allmählichen Annäherung an High Speed, denn auf der kurzen Strecke werden höchstens 320 km/h erreicht.

Später seien dann auch Geschwindigkeiten von 500 bis 650 km/h möglich, sagt der Deutschamerikaner Dirk Ahlborn, Chef von Hyperloop Transportation Technologies (HTT). Er kümmert sich, auch mit Crowdfunding, um die Finanzierung der Testphase und will über einen Börsengang in diesem Jahr bis zu 150 Millionen Dollar einnehmen. Musk selbst hält sich eher im Hintergrund. Bei HTT hören sich die Prognosen optimistisch an: Investoren stünden Schlange, müssten aber noch abgewiesen werden, weil es für konkrete Zusagen noch zu früh sei.

Zu denen, die sich beim Open-Source-Wettbewerb gegen viele andere Studentengruppen aus aller Welt durchsetzen konnten, zählt auch ein 25-köpfiges Team der TU München. Die Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (WARR) beschäftigt sich seit Sommer 2015 mit dem Projekt und wird im Juni seinen Entwurf bei Testfahrten in Kalifornien vorführen. "Dieser Wettbewerb bietet uns als Studenten die Möglichkeit, an einem faszinierenden Projekt mitzuarbeiten und das im Studium erworbene Wissen direkt umzusetzen", sagt Daniel Eiringhaus.