In vielen Dörfern wird es leer. Der Job, die Ausbildung und der dürftige öffentliche Nahverkehr treiben die Menschen verstärkt in die Städte. Um sich den Alltag zu erleichtern, werden Dorfbewohner immer häufiger selbst aktiv. In der Eifel und Nordhessen haben Bürger passgenaue Mobilitätskonzepte für ihre Gemeinden entwickelt. Vieles davon beruht auf dem Prinzip: teilen und einander helfen.

Das gilt auch für die Mitfahrerbank aus der Eifel. Seit zwei Jahren steht die türkisfarbene Sitzgelegenheit vor dem Rathaus in der Gemeinde Speicher. Mit Klappschildern neben der Bank stellen die potenziellen Mitfahrer ihr Fahrtziel ein.

"Die Bank ist nicht als Massenverkehrsmittel gedacht", sagt Ursula Berrens. "Sie ist eine kleine Ergänzung, die eine Lücke schließt." Die Verkehrspsychologin hat die Idee mit Kolleginnen von der Caritas entwickelt, um den spärlichen Busbetrieb in der Eifel-Gemeinde zu ergänzen. Das hat geklappt. Die Bank hat sich zu einem altersübergreifenden Treffpunkt gemausert, an dem spontan Fahrgemeinschaften entstehen. Nach wenigen Minuten werden laut Berrens die Wartenden mitgenommen. Das funktioniert, weil in Speicher jeder jeden vom Sehen kennt.

Fahrer wie Mitfahrer müssen sich gut sehen können

Inzwischen gibt es vier Mitfahrerbänke in dem Ort und weitere sieben in den umliegenden Dörfern. Sie stehen an öffentlichen Plätzen, damit das Warten angenehm ist und Fahrer wie Mitfahrer sich gut sehen können. "Das ist wichtig, damit jeder entscheiden kann, ob und bei wem er mitfährt", sagt die Psychologin.

Die Idee findet Nachahmer. In Norddeutschland wurde in Bünsdorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde eine Mitfahrerbank aufgestellt, in Nordrhein-Westfalen in Voßwinkel, und im Hunsrück wollen fünf Gemeinden im Frühjahr mit Mitfahrerbänken starten. In der sechsten Gemeinde wurde der Antrag abgelehnt. Dort befürchten die Bewohner, dass ihre Kinder in fremde Autos einsteigen.

Alternative Mobilitätskonzepte wie das Nachbarschaftsauto oder ein kostenloser Lastenradverleih finden in Deutschland immer mehr Anhänger. Außerdem treffen beim Mitfahren die Landbewohner auf die bekannten Unbekannten ihrer Gemeinde. Sie fahren beim Torwart des lokalen Fußballvereins mit, der Zahnarzthelferin oder dem Briefträger, und kommen ins Gespräch. Das steigert im besten Fall die Lebensqualität.

Zwölf Prozent weniger Einwohner

Auch in Jesberg, einer kleinen Gemeinde zwischen Kassel und Marburg, gehören die Mitfahrerbänke zu einem umfassenden Konzept des neuen Mobilitätsvereins Vorfahrt für Jesberg, kurz VoJes. Die 20 Mitglieder haben viel vor. In den kommenden Wochen wollen sie mit zehn verschiedenen Angeboten vom E-Lastenrad bis zum Elektro-Kleinbus die Fahrkultur in der kleinen Gemeinde völlig umkrempeln.

Der Wandel ist überfällig. Allein von 2000 bis 2012 haben etwa zwölf Prozent der Einwohner ihre Möbel, Kleider und Erinnerungsstücke in Umzugswagen gepackt und sind in größere Städte gezogen. Heute leben noch 2.300 Einwohner in Jesberg und den umliegenden Dörfern.

"Eine Befragung hat gezeigt, dass die älteren Bewohner wegziehen, weil es abgesehen vom Schulbus keinen öffentlichen Nahverkehr gibt", sagt Bürgermeister Günter Schlemmer. Ein einfacher Zugang zu verschiedenen Mobilitätsangeboten soll diesen Trend stoppen. Den Bedarf für den richtigen Fahrzeug-Mix hat das Mobilitätsberatungsbüro EcoLibro ermittelt.