In einem niederländischen Dörfchen wird bereits ein Stück Fahrradweg mit Fotovoltaikzellen im Boden getestet – nun will Frankreich den nächsten großen Schritt in der neuartigen Energiegewinnung gehen: In den kommenden fünf Jahren sollen 1.000 Kilometer Straße mit Fotovoltaik-Elementen versehen werden, kündigte Umweltministerin Ségolène Royal an. Erste Tests sollen bereits im Frühjahr beginnen.

Die Firma Colas, eine auf Verkehrsinfrastruktur spezialisierte Tochter des französischen Baukonzerns Bouygues, hatte im Herbst 2015 ihre Fotovoltaik-Paneele vorgestellt, die für die besondere Anwendung auf der Straße geeignet sein sollen. Die Platten sind nicht nur witterungsbeständig, sondern müssen auch dem hohen Druck der über sie hinwegfahrenden Autos und insbesondere Lkw standhalten. An der seit 2011 laufenden Entwicklung war auch das französische Institut für Solarenergie (INES) beteiligt.

Das Wattway getaufte System basiert auf gerade einmal sieben Millimeter dicken Fotovoltaik-Platten. Sie bestehen aus Solarzellen, die in einem Mehrschichtsubstrat eingebettet sind. Diese Zellen sammeln Solarenergie über einen hauchdünnen Film aus polykristallinem Silizium, der die Erzeugung von Elektrizität ermöglicht.

Für die Entwickler war aber auch wichtig, dass die Fahreigenschaften auf den Paneelen sich von denen auf normalem Asphalt möglichst nicht unterscheiden. Für eine gute Straßenhaftung haben die Wattway-Platten eine Oberfläche aus einem Granulat aus Glas und Kunstharz. Trotzdem ist laut Hersteller der Energieverlust im Vergleich zu einer reinen Glasscheibe sehr gering.

Die dünnen Platten lassen sich einfach auf bestehende Straßen aufbringen. © Colas

Die Paneele werden direkt auf den bestehenden Straßenbelag aufgebracht, es muss also nicht aufwendig die Straße aufgerissen und Asphalt entfernt werden. An mehreren Stellen, unter anderem in Grenoble und an einem Standort von Colas, wurden laut Hersteller die Paneele getestet, auch ihre Haltbarkeit bei starkem Verkehr.

20 Quadratmeter Wattway-Fläche soll laut Colas ausreichen, um einen Haushalt mit Strom zu versorgen. Eine andere Rechnung des Herstellers: Ein Kilometer Straße mit Wattway reicht, um in einer Stadt mit 5.000 Einwohnern die öffentliche Beleuchtung zu elektrifizieren. Der in den Paneelen erzeugte Strom könnte aber zum Beispiel auch Verkehrsampeln betreiben. Für die Zukunft kann sich Colas auch vorstellen, dass Elektroautos ihren Strom aus den Wattway-Zellen erhalten, also per Induktion über die Straße aufgeladen werden.

Die Wattway-Platten halten laut Hersteller auch starken Lkw-Verkehr aus. © Colas

Medienberichten zufolge erwägt Umweltministerin Royal eine Sondersteuer auf erdölbasierte Kraftstoffe, um damit Verbesserungen in der französischen Verkehrsinfrastruktur zu finanzieren – also etwa auch den Aufbau von Solarstraßen. Angesichts der stark gefallenen Rohölpreise sei eine solche Besteuerung "selbstverständlich". Wie viel die Installation von Fotovoltaik-Paneelen auf 1.000 Kilometer Straße kosten wird, ist bislang unklar.