Manche Unternehmensgründer steigen klein in den Markt ein. Franz Josef Popp wagt von Anfang an Großes. Der erste Geschäftsführer von BMW lässt als erstes Produkt seiner Firma einen gewaltigen Sechszylinder-Reihenmotor mit 19 Litern Hubraum bauen, 1917 auf Anhieb der beste Flugmotor seiner Zeit. Ein spezieller Vergaser mit Überverdichtung verringert den Leistungsverlust in der Höhe, der Motor mit der Bezeichnung BMW IIIa hält seine Leistung von 185 PS bis in 2.000 Metern Höhe konstant.

Entwickelt wurde der Motor von Max Friz, einem promovierten Ingenieur, der davor bei Daimler gearbeitet hat. Die Konstruktion bewährt sich so gut, dass die preußische Heeresverwaltung 2.000 Motoren bestellt – schließlich steckt Deutschland mitten im Ersten Weltkrieg. Dessen Ende bringt BMW in große Not: Der Friedensvertrag von Versailles verbietet es Deutschland, für fünf Jahre Flugzeugmotoren herzustellen. Die aber sind das einzige Produkt der Firma.

Deshalb steigt 1922 der Hauptaktionär Camillo Castiglioni aus, mitsamt den Namensrechten an der Buchstabenkombination BMW. Sein Geld investiert der Industrielle und Börsenspekulant in die Bayerischen Flugzeugwerke. Die sind aus den Gustav-Otto-Flugzeugwerken hervorgegangen, die Firma wurde am 7. März 1916 im Handelsblatt registriert. Castiglioni benennt die Bayerischen Flugzeugwerke in BMW um – und der 7. März 1916 gilt fortan in der Firmengeschichtsschreibung von BMW als Gründungsdatum.

Ein Jahr nach dem Namenswechsel ist es abermals der unermüdliche Chefkonstrukteur Friz, der mit einer technischen Sensation für wirtschaftlichen Erfolg sorgt: Die R 32 ist das erste Motorrad von BMW, es hat Premiere auf dem Berliner Autosalon und großen Erfolg bei den Verkaufszahlen und im Motorsport. Das Grundkonzept dieses Urahnen aller BMW-Motorräder hat bis heute Bestand: Der Antrieb ist ein Boxermotor mit quer zur Fahrtrichtung liegenden Zylindern und Kardanantrieb. Auch das heute meistverkaufte Motorrad in Europa – die BMW GS 1200 – wird von solcher Technik angetrieben.

In den 1920er Jahren wandelt sich das Motorrad vom Luxusartikel zum Alltagsgefährt. Zwischen 1921 und 1924 verdreifacht sich dessen Bestand auf fast 100.000 Maschinen. Zum Vergleich: Mit rund 130.000 sind nur ein Drittel mehr Autos unterwegs. Es ist eine völlig andere Situation als heute. Nicht nur am Boden, sondern auch in der Luft. In den Kanzeln von Flugzeugen sitzen wagemutige Pioniere, die sich am Himmel ein Wettrennen um Ausdauer und Leistung liefern. Ab 1924 stellt BMW wieder Flugzeugmotoren her.

BMW ergreift die Chance in Thüringen

Zehn Jahre nach Kriegsende bietet sich BMW die Chance, in die Automobilproduktion einzusteigen. Als Dritter nach Daimler und Benz hatte im ausgehenden 19. Jahrhundert der Unternehmer Heinrich Ehrhardt in seiner Fahrzeugfabrik Eisenach damit begonnen, Autos zu fertigen. Gebaut werden große Autos, zunächst unter dem Namen Wartburg, später kleine mit Namen Dixi. So wird die Lizenzausgabe eines kleinen englischen Wagens genannt, der in Großbritannien Austin Seven heißt.

Doch der Dixi kommt zu spät, um die Fahrzeugfabrik Eisenach über Wasser zu halten – die beginnende Weltwirtschaftskrise setzt dem Automobilmarkt stark zu. BMW erwirbt 1928 das Werk samt Lizenz und baut den Dixi mit technischen Änderungen als BMW 3/15. Das Auto wird von einem wassergekühlten Vierzylindermotor mit 749 Kubikzentimeter Hubraum und 15 PS angetrieben. 1932 wird der 3/20 vorgestellt, es ist das erste von BMW komplett entwickelte Automobil mit dem weiß-blauen Markenzeichen.

BMW-Verkaufsraum in Berlin 1929 © BMW

In den 1930er Jahren fährt BMW Rekorde auf zwei und vier Rädern ein – aber bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ist der Bau von Flugzeugmotoren der größte Geschäftsbereich. Auf staatliche Anweisung hin wird 1941, zwei Jahre nach Beginn des Kriegs, die zivile Produktion von Flugmotoren und Automobilen eingestellt. BMW ist nun ein reiner Rüstungskonzern für das Dritte Reich.

Als solcher muss das Unternehmen nach der Kapitulation im Mai 1945 die Produktion sofort einstellen. Im Juli erteilt die amerikanische Militärverwaltung eine Genehmigung zur Geschäftsaufnahme für das Stammwerk in München-Milbertshofen. Die Erlaubnis umfasst zunächst Erzeugnisse für den Wiederaufbau und zur Deckung des täglichen Bedarfs: Kochtöpfe, landwirtschaftliche Maschinen und Baubeschläge. Auch einige Fahrräder darf BMW bauen.

Im Werk II in Allach bei München, dem ehemaligen Flugmotorenwerk, reparieren bis zu 7.000 Beschäftigte Jeeps, Panzer und Lastkraftwagen der amerikanischen Streitkräfte. Den in der sowjetischen Zone gelegenen Standort Eisenach verliert BMW an die Russen und damit Wissen für die Auto- und Motorradfertigung. Die Voraussetzungen für den Neuaufbau der Produktion in den Münchener Werken sind schlecht.